25.11.2015

20-Euro-Schein

Serienheld: So sicher ist der neue Zwanziger

Zuwachs für die „Europa-Serie“: Ab heute kommt der neue 20-Euro-Schein in Umlauf. Und der hat mit dem Porträt-Fenster ein völlig neues Sicherheitsmerkmal erhalten, dass es so bisher auf keiner anderen Euro-Note gibt. Die Experten der Europäischen Zentralbank wollen damit Kriminellen die Arbeit erschweren – denn die bringen am liebsten 20er-Blüten unters Volk.

Das neue, einzigartige Sicherheitselement ist auf den ersten Blick kaum auszumachen. „Erst wenn der Schein im Gegenlicht gekippt wird, verschwindet ab einem bestimmten Blickwinkel an einer Stelle die Wertzahl. Stattdessen erscheint ein lichtdurchlässiges Fenster, in dem der Kopf der mythologischen Gestalt Europa sichtbar wird“, verrät Franz-Josef Behringer. Das abgebildete Porträt der Namensgeberin des Kontinents stammt übrigens von einer mehr als 2.000 Jahre alten Vase aus Süditalien, die im Pariser Louvre ausgestellt ist.

Falsche Zwanziger erleben Hochblüte

Franz-Josef Behringer ist Abteilungsleiter Banknotenentwicklung und –beschaffung bei der Deutschen Bundesbank und hat bereits die Einführung des neuen Fünfers im April 2013 sowie die des neuen Zehners im September 2014 koordiniert. Behringer weiß deshalb nur zu gut: Mehr Sicherheit bei Banknoten ist dringend geboten, und zwar noch immer: „Im ersten Halbjahr 2015 ist die Zahl der Fälschungen in Deutschland gegenüber dem zweiten Halbjahr 2014 um 31% gestiegen“, so der Experte. Allein 20.750 falsche Zwanziger wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sichergestellt. Das entspricht einem Anteil von 41,1% am gesamten Falschgeldaufkommen. Der 20-Euro-Schein ist damit neben dem 50-Euro-Schein (48,3%) die am häufigsten verbreitete Falschgeldnote hierzulande.

Fast ein Jahr Vorbereitungszeit

Für Behringer ist der heutige Ausgabestart des neuen Zwanzigers der vorläufige Schlusspunkt eines Projekts, das der Bundesbanker zusammen mit Experten in Druckereien, Werttransport-Unternehmen und Kreditinstituten fast ein Jahr koordiniert hat. So wurden in den vergangenen neun Monaten beispielsweise Einzelhändler sowie Hotel- und Gaststättenbetreiber zum neuen Zwanziger geschult und in Abstimmung mit Automatenbetreibern und Bank-Experten die Software von fast 27.400 Ticket- und Geldautomaten umgestellt.

Kein Cash ohne Logistik

Otmar König ist einer dieser Experten. Der 58-Jährige verantwortet bei der HypoVereinsbank die Cash-Logistik. Er und sein Team sind dafür zuständig, dass der neue 20-Euro-Schein auch in die knapp 340 Filialen und rund 1.000 Geldautomaten der HypoVereinsbank kommt. „Bis es allerdings soweit ist, wird es regional und standortmäßig noch etwas dauern“, sagt König. „Gerade in den großen Cash-Centern unserer Dienstleister haben wir noch Bestände alter 20-Euro-Noten, die wir nicht in neue Scheine tauschen werden, sondern erst ausgeben wollen.“

Auch wenn der neue Zwanziger fälschungssicherer ist, für Otmar König hat der alte 20er einen ganz praktischen Vorteil: „Er ist gebraucht und verursacht gegenüber dem Neuen keinen Notenstau durch Verklebungen.“ Denn gerade während der Adventszeit ist der Kundenverkehr in den Filialen und an den Automaten deutlich höher als sonst. Da kann Otmar König keine Automaten gebrauchen, die wegen verklebten Noten anzeigen: „Dieser Geldautomat ist zurzeit außer Betrieb“.

Zur Person

Otmar König (58) ist seit 1973 bei der HypoVereinsbank. Nach Stationen in der Ablauforganisation verantwortet der gebürtige Oberbayer ab Mitte der 90er-Jahre die Zentralisierung von Back-Office-Abläufen. Im Jahr 2000 wird der Vater zweier erwachsener Söhne Leiter der HVB Cash-Logistik, die er seitdem betreut. Zu seinen Aufgaben zählen u.a. die Sicherstellung der Bargeldver- und entsorgung sämtlicher HVB-Filialen sowie die Liquiditätssteuerung mit der Bundesbank.

Noch 3,3 Milliarden "Alte" in Umlauf

Derzeit befinden sich noch rund 3,3 Milliarden Zwanziger der ersten Serie in Umlauf. „Diese müssen in den folgenden Monaten nach und nach durch die neuen Scheine ersetzt werden“, sagt Bundesbank-Experte Behringer, „da die Bundesbank 20-Euro-Noten der ersten Serie, die nach dem 24. November eingezahlt werden, vernichten wird.“ Wie lange der Austausch dauern wird, kann Franz-Josef Behringer nur schätzen: „Bei der 5-Euro-Banknote waren nach knapp acht Monaten 90 von 100 eingezahlten Banknoten solche der zweiten Serie, bei der 10-Euro-Banknote dauerte es gut fünf Monate.“ Es kann also noch etwas dauern, bis Sie den neuen Schein in den Händen halten werden.

Doch woran erkennt man den neuen Zwanziger? Welche Sicherheitsmerkmale machen ihn so fälschungssicher? Und was haben 5.767 Fußballfelder damit zu tun? Wir verraten es Ihnen.

13 Fakten zur alten und neuen 20-Euro-Note

Unglaubliche 4,543 Milliarden neue 20-Euro-Scheine sollen nach Angaben der Deutschen Bundesbank zunächst ausgegeben werden. Zum Vergleich: Von der ersten Serie wurden insgesamt „nur“ 3,27 Milliarden Stück gedruckt.

Die Herstellungskosten aller Stückelungen (5 bis 500 Euro) liegen im Durchschnitt bei ungefähr zehn Cent. Die Produktion sämtlicher neue hat somit 454 Millionen Euro gekostet.

Eine 20-Euro-Note wiegt 0,81 Gramm. Das Gesamtgewicht aller Zwanziger beläuft sich damit auf rund 4.300 Tonnen, was der Masse von mehr als 26 Jumbojets entspricht.

Der neue 20-Euro-Schein ist mit fühlbaren Merkmalen ausgestattet, zum Beispiel einem Druckbild, dessen Muster die jeweilige Denomination kennzeichnet. So sind auch Menschen mit eingeschränkter Sehkraft in der Lage, den Schein von anderen Banknoten zu unterscheiden

Technisch weiterentwickelt wurden beim neuen Zwanziger auch die UV-Eigenschaften. Dies betrifft die auf der Vorder- und Rückseite verwendeten Farben, die unter UV-Licht fluoreszieren.

Wie bereits bei der ersten Banknotenserie befindet sich auch auf der Vorderseite der neuen 20-Euro-Scheine ein Sicherheitsfaden sowie Mikroschriftelemente.

Die 4,543 Milliarden neuen Scheine würden nebeneinandergelegt eine Fläche von 5.767 Fußballfeldern bedecken.

Wie alle anderen Euro-Banknoten auch, besteht der neue 20-Euro-Schein aus Baumwolle.

Typischerweise lässt sich eine geringe Zahl herkömmlicher Bakterien auf Banknoten nachweisen. Deren Zahl reicht jedoch nicht aus, um Krankheitssymptome zu verursachen. Kreditkarten aus Plastik haben die gleiche Bakteriendichte wie Banknoten.

Für jedes Sicherheitsmerkmal gibt es ein umfangreiches Bewertungsverfahren. Ein wichtiger Bestandteil dieses Verfahrens ist es, zu überprüfen, wie gut das Merkmal gegen Fälschungsversuche mit frei am Markt verfügbaren Materialien und Geräten geschützt ist.

Die Entwicklung und Auswahl der Sicherheitsmerkmale erfolgt durch verschiedene Arbeitsgruppen des Eurosystems, die sich aus Mitarbeitern der nationalen Zentralbanken und der EZB zusammensetzen.

Die Smaragdzahl ist auch Bestandteil der neuen 20-Euro-Banknote. Gleiches gilt für das Wasserzeichen, in dem das Porträt der „Europa“ in Verbindung mit dem Architekturmotiv aus der Epoche der Gotik abgebildet ist sowie die Wertzahl rechts oben neben dem Porträt.

Die weiteren Stückelungen der Europa-Serie werden in den kommenden Jahren in aufsteigender Reihenfolge eingeführt.Das Eurosystem wird den jeweiligen Termin rechtzeitig ankündigen

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