Strömungssonden aus dem 3D-Drucker
09.09.2016
Serie

3D Messtechnik

Innovative Messtechnik: Strömungssonden aus dem 3D-Drucker

Von der einzelnen Sonde bis zum kompletten System: Mittels 3D-Druck und smarten Softwarelösungen entwickelt die Gründerin und HVB-Mentee Katharina Kreitz individuelle Strömungsmesstechnik, die sich perfekt an ihr Einsatzgebiet anpasst und auch unter schwierigen Bedingungen zuverlässige Ergebnisse liefert.  

Energie-Technik, Luft- und Raumfahrt bis hin zum Fahrzeugbau: Strömungsparameter spielen im Maschinen- und Anlagebau eine wichtige Rolle – im Prinzip überall dort, wo mechanische Prozesse mit in Bewegung befindlichen fluiden Stoffen, also Wasser- oder Gaspartikel, zusammentreffen. Bei einem Flugzeug zum Beispiel sorgen Luftströmungen für den Auftrieb, gleichzeitig erzeugen sie einen Widerstand. Um zu prüfen, welche Kräfte auf den Flieger wirken, kommen hochsensible Sonden zum Einsatz. Im Fachjargon wird das ganze Instrumentarium „fluidynamische Messtechnik“ genannt. Trotz modernster Technologie fallen allerdings viele Messgeräte regelmäßig durch den Praxistest. Der Grund: Die Sonden halten den vorherrschenden Bedingungen, etwa extremer Hitze oder Kälte, oftmals nicht stand, oder sie sind schlichtweg zu groß, um dort zu messen, wo sie es tun sollen. Wissenschaft und Wirtschaft stellt dieses Manko vor ein wiederkehrendes Problem: Die Messergebnisse sind häufig ungenau, was ihre Erhebung letztlich sinnlos macht.

Vectoflow: Das Chamäleon unter den Messsonden

Genau an diesem Problem setzt die Geschäftsidee von Katharina Kreitz an. Sie ist eine von insgesamt sechs Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentoring 2016. Dass in puncto Messtechnik noch viel Luft nach oben ist, hat die umtriebige Münchnerin schon an der Uni erkannt. „Bereits während meines Studiums der Luft- und Raumfahrttechnik sowie im beruflichen Umfeld bei Airbus, NASA oder Lufthansa Technik hatte ich sehr viel mit Messtechnik zu tun“, erinnert sich die 29-Jährige. „Die Qualität der Messung brachte oft nicht ausreichend Informationen, auch das Problem der Wartung und der Fragilität kam immer wieder auf.“ Diese Erfahrungen haben sie auf die Idee gebracht, ihr Start-up Vectoflow zu gründen und passgenaue Sonden mithilfe von 3D-Drucktechnik zu erstellen. „In Kombination mit intelligenter Kalibrierungssoftware lassen sich so Produkte kreieren, die alle vorhandenen Probleme auf einmal lösen.“

Quantensprung in der Messtechnik

Dass ihre Methode einen Paradigmenwechsel in der Messtechnik bedeutet, darüber sind sich Kreitz und ihre Mitgründer Dr. Christian Haigermoser (im Bild mittig) und Florian Wehner (im Bild rechts) einig. Durch ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten kommen die Hightech-Geräte vorwiegend in Turbomaschinen, in der Luft- und Raumfahrt, in Windkanälen, in Autos und in der Energie-Technik zum Einsatz. „Im Vergleich zu konventioneller Messtechnik passen sich unsere Systeme in Form, Größe und Material perfekt an ihr jeweiliges Einsatzgebiet an, was die Messqualität deutlich verbessert. Durch das innovative Fertigungsverfahren erhöht sich zudem die Robustheit unserer Sonden, sodass sie auch in rauen Umgebungen einsatzfähig sind“, erklärt die Ingenieurin. Die mitgelieferte Plug & Play Software erleichtere außerdem die Auswertung der Daten. Der Vorteil für den Kunden: „Wir bieten keine Einheitsware, sondern individuelle Lösungen – von der einzelnen Sonde, bis zum kompletten System. Hinzu kommen Beratungs- und Installationsdienstleistungen, Kalibrierungs- und Wartungsarbeiten.“

Perspektivwechsel als große Bereicherung

Mit Vectoflow Produkte „zum Anfassen“ zu entwickeln, ist für die Maschinenbauerin die größte Motivation. „Das Feedback unserer Kunden ist durchweg positiv. Es macht mich unglaublich stolz, unsere Sonden im Einsatz zu sehen, wie zuletzt in einem Triebwerk und auf einem Formel-1-Auto“, freut sich die Gründerin. Ihre innovative Geschäftsidee hat übrigens nicht nur ihre Kunden, sondern auch die Jury des HVB Gründerinnen-Mentoring überzeugt. Von ihrer Mentorin Steffi Czerny erhofft sie sich insbesondere Know-how und Unterstützung in kommunikativen und administrativen Fragen, unter anderem zu Themen wie Werbung oder Unternehmensführung. „Technisch benötigen wir keine Hilfe, dafür aber in Bereichen wie Organisationsaufbau, Corporate Identity (CI) und Marketing“, so Kreitz. „Die Tatsache, dass Steffi Czerny, aber auch die anderen Mentorinnen, aus ganz anderen Branchen kommen, finde ich ausgesprochen spannend. Ein branchenübergreifender Austausch und der Blick über den Tellerrand – das ist genau das, was wir brauchen.“

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