Aktienfonds
28.04.2015
Serie

Aktien Fonds

Auf die gebündelte Kraft der Märkte setzen

In Zeiten negativer Realrenditen auf Bankeinlagen ziehen viele Anleger ein Aktieninvestment in Betracht. Allerdings wirken die Enttäuschungen der neuen Märkte zur Jahrtausendwende in den Köpfen der Deutschen bis heute nach. Durch ihre breite Risikostreuung können Aktienfonds eine risikobewusste Alternative zu Einzelinvestments sein. Im dritten Teil unserer Serie über Investmentfonds erklären wir Ihnen, warum.

Unlängst verkündete der Deutsche Fondsverband (BVI) einen neuen Rekord: Zur Jahresmitte (Stand: Juli 2015) befanden sich 2,3 Billionen Euro in deutschen Fondstöpfen und damit mehr als jemals zuvor. Finanzexperten wird diese Bestmarke allerdings kaum verwundern: Schließlich ist für Sparer jenseits der Kapitalmärkte im Moment nicht viel zu holen. Aufgrund interessanter Renditechancen zählen Aktien auch heute noch zu den populärsten Investments unter Privatanlegern. Allerdings haben die Krisen der vergangenen Jahre tiefe Spuren in ihrem Vertrauen hinterlassen. Gerade in turbulenten Zeiten, in denen Ungewissheit die Stimmung an den Märkten prägt, scheuen Verbraucher zusehends das Risiko. Für Anleger, die nicht alles auf eine Karte setzen wollen, kann ein Aktienfonds ein Mittel der Wahl sein.

Risikostreuung in stürmischen Zeiten

Mit einem Marktanteil von 37 Prozent bilden Aktienfonds die größte Gruppe der Publikumsfonds. Laut Angaben des BVI (Stand: Juli 2015) legte ihr Vermögen in den vergangenen vier Jahren um rund ein Drittel auf 330 Milliarden Euro zu. Denn: Viele Anleger möchten auch in Niedrigzinszeiten ihre Renditechancen nutzen und von der Vitalität der Märkte profitieren. Im Vergleich zu einem Einzelinvestment bietet ein Aktienfonds die Möglichkeit, schon kleine Summen über ein breites Spektrum verschiedener Einzelwerte zu verteilen. Je nach Zielvorgaben im Portfolio kommt eine weitere Streuung auf Titel verschiedener Regionen, Branchen oder auch Indizes mit hinzu. Anlageschwerpunkte können zum Beispiel Emerging-Markets-Aktien, Titel deutscher oder europäischer Unternehmen oder auch Index-Werte wie DAX oder Dow Jones sein. „Grundsätzlich kann ein Fonds für jene Anleger interessant sein, die die Chancen der Aktienmärkte nutzen, aber kein Einzelinvestment eingehen wollen“, erklärt Rainer Fiks, Fonds-Experte bei der HypoVereinsbank in München. „Gründe hierfür können etwa eine bewusste Risikostreuung oder auch einfach Zeitmangel für eine fundierte Einzelwert-Analyse sein.“ Einen Vorteil für Börsen-Laien sieht Fiks in der professionellen Unterstützung durch das beauftragte Fondsmanagement. „Gerade in Krisenzeiten können Anleger vom Know-how der Experten profitieren. Dennoch lassen sich Kurseinbrüche, also Verluste, nicht ausschließen.“

Rendite aus Kursgewinnen und Dividenden

Hinsichtlich Ein- und Ausstiegszeitpunkt bieten Aktienfonds ein hohes Maß an Flexibilität. Im Vergleich zu Immobilienfonds etwa sind Anleger mit ihrem Investment an keine Laufzeiten oder Kündigungsfristen gebunden. Anteile können zum aktuellen Tagespreis, dem sogenannten Nettoinventarwert (NAV), über die Fondsgesellschaft gekauft oder verkauft werden. Die meisten Aktienfonds lassen sich auch über die Börse handeln. Für die Transaktion fallen dann jedoch die üblichen Ordergebühren bei der Bank an. Ihre Renditen erwirtschaften Aktienfonds überwiegend aus Kursgewinnen und Dividenden. Durch ihre Orientierung an der Dynamik der Märkte realisieren Aktienfonds im Idealfall höhere Erträge als konservative Anlageklassen wie beispielsweise Rentenfonds. Mit den Rendite-Chancen geht allerdings auch ein deutlich höheres Risiko einher. „Anleger, die in einen Aktienfonds investieren wollen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass der Wert ihrer Kapitalanlage sehr stark schwanken, also sowohl steigen als auch fallen kann“, betont Fiks. „Um ein individuelles Risikoprofil zu erstellen, sollten Investoren eine Beratung in Anspruch nehmen und ihren finanziellen Status quo kritisch unter die Lupe nehmen. Dabei gilt es Fragen zur aktuellen Lebensphase, zu bereits vorhandenen Ersparnissen oder auch zu zukünftigen finanziellen Verpflichtungen abzuklären.“

Anlagezeitraum und Ziele: Langfristiger Vermögensaufbau im Fokus

Fondsanteile lassen sich als Einmalanlage oder peu à peu über einen Fondssparplan erwerben. Bei einer Einmalanlage verlangen die Fondsgesellschaften häufig Mindestanlagesummen, die meist zwischen 500 und 1.000 Euro liegen. Daneben gibt es ein breites Spektrum an Fondssparplänen, die vor allem für den langfristigen Vermögensaufbau geeignet sind. „Grundsätzlich sollte der Anlagezeitraum für einen Aktienfonds mindestens fünf bis zehn Jahre betragen“, weiß der Experte. „Fondssparpläne bieten den Vorteil, dass schon sehr kleine Beträge investiert werden können und sich die Sparrate flexibel an die persönliche Lebenssituation anpassen lässt. Man kann also zum Beispiel in jungen Jahren mit einer niedrigen Rate beginnen und den Betrag dann sukzessive erhöhen.“ Im Vergleich zu einem Einzelinvestment ist ein Aktienfonds allerdings mit höheren Gebühren verbunden, die letztlich die Rendite schmälern. Schließlich verursacht die Auflegung, Verwaltung und Verwahrung von Fonds auch Kosten, die der Kunde tragen muss. Beim Kauf fällt außerdem eine Kaufprovision, der sogenannte Ausgabeaufschlag, an. Bei Aktienfonds liegt dieser meist bei rund fünf Prozent. Beim Verkauf hingegen kann eine Rücknahmegebühr erhoben werden. Während der Haltedauer ist zudem eine jährliche Verwaltungsvergütung zu bezahlen. Gegebenenfalls erhebt das Fondsmanagement auch eine „Performance Fee“, also einen leistungsabhängigen Erfolgsbonus. „Eine Übersicht über alle laufenden Kosten, die zusätzlich zum Aufgabeausschlag anfallen, bietet die Gesamtkostenquote namens Total Expense Ratio (TER). Bei Aktienfonds liegt die TER in der Regel bei rund 1,5 Prozent.“

Zwei unterschiedliche Strategien: Aktien- vs. Indexfonds

Auf dem Markt lassen sich zwei Fondstypen unterscheiden: reine Aktienfonds und Indexfonds. Der große Unterschied zwischen den beiden Varianten besteht in der Management-Aktivität – also in der Art und Weise, wie Anlageentscheidungen getroffen werden. Reine Aktienfonds haben meist ein aktives Fondsmanagement. Das bedeutet, dass durch geschicktes Investieren eine möglichst gute Wertentwicklung erzielt werden soll. „Je nach Fondspolitik hat der Manager gewisse Vorgaben zu erfüllen. Innerhalb dieser Grenzen kann er seine Anlageentscheidungen aber frei treffen. Das ermöglicht ihm, in Baissezeiten risikobegrenzend einzugreifen oder im Aufschwung in renditestarte Marktsegmente zu investieren. Ihr professionelles Analyse- und Bewertungswissen lassen sich die Fondsgesellschaften natürlich bezahlen. Deshalb kommen auf den Anleger auch etwas höhere Kosten zu“, erklärt der Experte. Im Gegensatz dazu funktionieren Indexfonds über ein passives Management. Dabei erwirbt der Fondsmanager die Aktien einzelner Leitindizes und versucht zum Beispiel DAX, Euro Stoxx oder S&P 1:1 nachzubilden. „Der Vorteil von Indexfonds besteht sicherlich in ihrer Einfachheit und Transparenz“, so Fiks. „Zudem ist es für Fondsmanager sehr schwierig, höhere Renditen als vergleichbare Indizes zu erzielen. Der Nachteil: Eine exakte Nachbildung von DAX & Co. ist nicht immer möglich.“ Eine Besonderheit unter den passiv gemanagten Fonds bilden die sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs). Sie verbinden die Vorteile eines Indexfonds mit denen einer Aktie, nämlich der Börsennotierung. Dadurch ist ein Handel über den gesamten Tag möglich. Anleger zahlen auch nur die Transaktionskosten ihrer Bank, der Ausgabeaufschlag fällt bei börsengehandelten Fonds weg.

Fondsauswahl: Nicht nur die Performance zählt

Reiner Aktienfonds, Indexfonds oder ETF: Auf der Suche nach einem geeigneten Investment haben Anleger die Qual der Wahl. Medien sowie Webseiten von Banken und Fondsgesellschaften bieten informationsreiche Anlaufstellen, um sich einen Überblick über das umfangreiche Angebot zu verschaffen. „Für einen ersten Qualitätseindruck kann ein Blick auf die Bewertungen der Rating-Agentur Morningstar oder des Branchenmagazins Fondstacho helfen, wo viele Fonds-Analysen zu finden sind“, erklärt Fiks. Von einem Investment in Eigenregie rät der Fonds-Spezialist allerdings dringend ab. Schließlich seien Aktienfonds sehr komplexe Anlageprodukte, die langjähriger Erfahrung und Fachwissen bedürften. Für die Beurteilung eines Fonds reicht es nämlich längst nicht aus, alleine die Performance zu betrachten. „Für ein Qualitätsurteil empfiehlt sich zum Beispiel auch ein Blick auf seine Volatilität. Diese gibt die jährliche Schwankungsbreite der Fondspreise an und ist somit ein Maß für sein Risiko. Je höher die Volatilität, desto höher das Risiko. Auch das Alter kann als Kriterium für die erfolgreiche Anlagepolitik eines Aktienfonds herangezogen werden.“ Einsteigern empfiehlt Fiks, mit einem eher konservativeren Aktienfonds zu beginnen. „Das könnten zum Beispiel ertragsstarke Dividendentitel aus wirtschaftlich etablierten Ländern, eine Dachfondslösung oder ein Mischfonds mit entsprechender Aktienquote sein.“

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