Nächster Artikel: Wie spart Deutschland?
Aktien fuer Anfaenger
13.01.2015
Serie

Aktien für Anfänger

Aktien-Investment: Ich kaufe mir ein Stück Unternehmen

Durchschnittlich 0,45 Prozent Zinsen bekommen Anleger derzeit auf Tagesgeld, 0,78 Prozent für Festgeld auf zwölf Monate. Schwere Zeiten für Sparer, denn bei durchschnittlichen Inflationsrate von 0,9 Prozent (2014) verlieren sie auf ihren Konten im Moment bares Geld.  Auf der Suche nach alternativen Anlageformen beginnen viele, sich für Aktien zu interessieren. Wer auf dem Börsenparkett aktiv werden möchte, sollte sich vorher allerdings gut informieren.

Im Filmklassiker Wall Street, in dem Michael Douglas den millionenschweren Broker Gordon Gekko spielt, sieht der Aktienhandel ganz einfach aus. Viel telefonieren, kaufen, verkaufen, und am Abend gehen alle mit satten Gewinnen nach Haus. So einfach wie in Hollywood funktioniert es im wahren Leben natürlich nicht. Gerade für Börsenneulinge ist es am Anfang nicht leicht, sich im Dschungel aus Zahlen, Kurven und Indizes zurecht zu finden. Einsteiger sollten sich daher zunächst einiges Wissen aneignen, um die Grundzüge des Aktienmarktes zu verstehen.

Aktien: Eigenkapital eines Unternehmens

In der weltweiten Wirtschaft gibt es unzählige Unternehmen. Sie unterliegen als Gesellschaften gesetzlichen Rahmenbedingungen und tragen Rechtsformen wie GmbH, KG oder OHG. Einige unter ihnen sind Aktiengesellschaften, abgekürzt mit AG. Diese Firmen haben typischerweise einen hohen Kapitalbedarf, um wachstums- und gewinnorientierte Investitionen zu tätigen. Um ihre Ausgaben zu finanzieren, splitten sie ihr Eigenkapital in Aktien und versuchen durch deren Verkauf an der Börse, zusätzliches Geld einzusammeln. „Ein Anleger, der in Aktien investiert, kauft sich einen Anteil an einem Unternehmen. Er hat somit, seinem Anteil entsprechend, auch ein Anrecht auf dessen Erfolg oder Misserfolg“, erklärt Philip Gisdakis, Aktienspezialist beim HVB-Anleger- und Investment-Magazin onemarkets. Wer sein Geld in Aktien anlegt, hat also je nach Unternehmenserfolg die Chance, von Kurssteigerungen zu profitieren. Aber Vorsicht: Die Börse reagiert sehr sensibel auf aktuelle Marktentwicklungen und birgt immer auch ein Verlustrisiko. „Die Kursschwankungen bei Aktien können erheblich sein, sie sind Vorteil und Nachteil zugleich. Im schlimmsten Fall droht sogar ein Totalverlust, in guten Zeiten erhöhen sie dafür die Rendite, also den Gewinn“, so Gisdakis.

Dividenden: Aktienkurse sind nicht alles

Viele Anleger hätten zunächst nur die Kursschwankungen im Fokus, möchten die Anteilsscheine also günstig kaufen und dann von ihrer Wertsteigerung profitieren, weiß der Experte: „Anfänger machen oft den Fehler, Aktien zu kaufen, die stark gefallen sind, ohne die zugrundeliegenden Faktoren zu analysieren. Erscheinen sie sehr billig, so hat das in der Regel auch einen Grund. Bei vermeintlichen Schnäppchen sollten Anleger daher sehr vorsichtig zu Werke gehen und im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen“, mahnt Gisdakis. Außerdem gibt er zu bedenken, dass Kurssteigerungen nicht die einzigen Erfolgsfaktoren einer Aktienanlage sind. Viele Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre auch an einer Gewinnausschüttung, zahlen ihnen also noch sogenannte Dividenden aus. „Im aktuellen Niedrigzinsumfeld kann die Dividendenrendite – derzeit durchschnittlich zwei bis vier Prozent – eine interessante Komponente sein. Diese Dividendenzahlungen sind allerdings nicht garantiert, sondern hängen mitunter vom Unternehmenserfolg des vergangenen Jahres ab“, erläutert der Aktienspezialist.

Anlagezeitraum und Ziele

Im Prinzip kommen Aktien für jeden Anleger in Frage, unabhängig davon, wie viel Geld er investieren will. Denn durch die kleine Stückelung von Unternehmensanteilen und die hohe Liquidität der Märkte, kann man bereits sehr kleine Beträge anlegen. Hinsichtlich des Anlagezeitraums empfiehlt Gisdakis, einen Zeithorizont von mehreren Jahren, oder sogar Jahrzehnten zu wählen. Für Sparer, die ihr Geld nur zeitweise „parken“ möchten, seien Aktien der falsche Weg. „Über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren liegt die Durchschnittsrendite vieler Aktien zwischen fünf und 15 Prozent. Sie eignen sich daher vor allem für langfristige Ziele und können zum Beispiel für einen Sparplan, bei dem regelmäßig in Aktien investiert wird, interessant sein.“ Auch der richtige Einstiegszeitpunkt hänge übrigens vom Anlagehorizont ab, ergänzt der Spezialist. Je schneller man positive Renditen erzielen möchte, desto wichtiger ist diese Frage. „Bei einem sehr langfristigen Zeithorizont, also etwa für die Altersvorsorge, spielt das Timing des Einstiegs allerdings eher eine untergeordnete Rolle. Trotz zeitweiligen Rückschlägen auf den Märkten können langfristige Anlagen Bewertungsverluste oft wieder ausgleichen.“

So funktioniert der Einstieg in die Praxis

Mit Aktien kann man Geld verdienen – aber eben auch verlieren. „Der Anlageerfolg steigt mit der Erfahrung – übrigens nicht nur bei Privatanlegern, sondern auch bei professionellen Portfoliomanagern. Und: Erfahrungen an der Börse zu sammeln, bedeutet eben auch mal, Verluste zu verbuchen“, betont Gisdakis. Um sich einen ersten Überblick über den Aktienhandel zu verschaffen, empfiehlt er, ein kostenloses Musterdepot anzulegen. Dort lässt sich mit „Spielgeld“ üben, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. „Reale Aktien sollten Privatanleger jedoch am besten über die Hausbank oder einen Online-Broker kaufen. Dort lässt sich auch ohne großen Aufwand das notwendige Wertpapierdepot einrichten“, weiß der Experte. Für Depot und Transaktionen fallen je nach Anbieter unterschiedliche Gebühren, sogenanntes Depotentgelt, an. Als Faustformel gilt: Online-Broker sind in der Regel günstiger, dafür kann eine Hausbank beraten und bei der Auswahl helfen, indem sie ein individuelles Risikoprofil erstellt. „Jeder Anleger sollte sich im Vorfeld klar darüber sein, welches Wagnis er mit seinem Aktieninvestment eingehen will. Also ob er für bessere Renditechancen ein höheres Risiko in Kauf nehmen oder ob er sein Engagement lieber etwas konservativer angehen möchte“, erklärt Gisdakis. Unabhängig davon, für welchen Weg sich der Anleger entscheidet: Um schwerwiegende Fehler zu vermeiden, ist es gerade am Anfang ratsam, nur kleine Summen zu investieren und auch nur solche, die man für den Alltag entbehren kann.

Lesen Sie im zweiten und dritten Teil unserer Serie, wie Sie Aktien bewerten können und was Sie zum Thema Anlagestrategie wissen sollten.

  1. Michal
    27. Mai 2015, 10:12

    Schua ma

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

back to top