aktien für einsteiger
19.01.2015
Serie

Aktien für Einsteiger

Aktienwahl: In welche Titel investieren?

Allein an der Frankfurter Börse werden derzeit rund 11.000 Aktientitel gehandelt. Auf der Suche nach einem geeigneten Investment haben Anleger also die Qual der Wahl. Für Börsenneulinge ist es sinnvoll, sich zunächst auf Global Player mit einfachen Produkten zu konzentrieren. Vor dem Kauf sollten Einsteiger allerdings gründlich recherchieren.

Um die Jahrtausendwende erzeugte die weltweite Interneteuphorie ein regelrechtes Aktienfieber. In Scharen strömten Kleinanleger an die Börse, um bei der New Economy Rally dabei zu sein. Trotz fehlender Produkt-Kenntnisse investierten sie viel Geld in Wertpapiere junger Hightech-Unternehmen. Als die „Dotcom-Blase“ schließlich platzte, waren nicht nur die Enttäuschung, sondern auch die Verluste groß.

"Kaufe nur, was du verstehst"

Mit dieser vermeintlich banalen Anlagetaktik hat es der amerikanische Star-Investor Warren Buffett zu einem milliardenschweren Vermögen gebracht. Sicherlich: Auch Aktien hoch komplexer New-Tech-Firmen können an den Wertpapiermärkten kräftig zulegen. Aber: Wer nicht versteht, was ein Unternehmen eigentlich tut und welche Einflussfaktoren seinen Erfolg bestimmen, bleibt auf vermeintliche Experten-Tipps angewiesen und investiert letztlich in eine „Überraschungstüte“. „Je besser ein Aktionär ein Unternehmen und seine Produkte kennt und dessen langfristige Geschäftsaussichten einschätzen kann, desto größer die Chance, dass seine Erwartungen an die Aktie auch erfüllt werden“, erklärt Christian Stocker, Aktienstratege beim UniCredit Research in München. Börsenneulingen empfiehlt der Experte, eigene Interessen und Hobbys bei der Aktienwahl mit einzubeziehen. Ein Computer-Freak könnte also zum Beispiel überlegen, ob IT-Titel eine Option sein könnten. Denn: Wer für eine Sache brennt, bringt in der Regel auch solide Grundkenntnisse in diesem Bereich mit. „Damit ist eine erste wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Investieren bereits erfüllt.“

Von DAX bis Dow Jones: Auf bekannte Unternehmen setzen

Um ein erstes Gefühl für die Aktienmärkte zu bekommen, können Anleger zum Beispiel die einschlägigen Wirtschaftsteile der Tagespresse studieren. Viele Banken und Online-Broker bieten zudem kostenlose Börsenbriefe, die etwas detailliertere Informationen liefern. Einsteigern rät Stocker, sich zunächst auf Aktien namhafter Unternehmen zu konzentrieren. Diese Firmen haben in der Regel ein nachhaltiges Management und bieten Produkte und Dienstleistungen an, die auf den Märkten gefragt sind. „Der DAX zum Beispiel repräsentiert die 30 größten und umsatzstärksten deutschen Aktien. Neben einer starken Marktposition bieten sie Anfängern den Vorteil, dass viele Unternehmens-Informationen zur Verfügung stehen.“ Eine Alternative zu Einzeltiteln können auch Index ETFs (Exchange Traded Funds) sein. Als Aktienfonds bilden sie die Performance des jeweiligen Index ab. „Ein DAX ETF beispielsweise wird gehandelt wie eine Aktie auf den DAX und bildet die Wertentwicklung aller 30 Unternehmen nach“, erklärt der Experte.

Top oder Flop: Wie lassen sich Aktien bewerten?

Manch einer mag sich nun denken: Indizes, Global Player – schön und gut! Aber woran erkenne ich eigentlich, ob eine Aktie teuer oder billig ist? Ein ersten Anhaltspunkt zur Preisbewertung bietet das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Die Kennzahl liefert einen Richtwert, welche Gewinnentwicklung für die kommende Wirtschaftsperiode erwartet wird. Das KGV errechnet sich aus dem aktuellen Aktienkurs in Relation zum Jahresgewinn des Unternehmens je Aktie (KGV = Kurs / (Gewinn/Aktie). Titel mit niedrigem KGV (< 10) gelten gemeinhin als günstig – an der Börse also theoretisch ein Kaufsignal. Aber Vorsicht: Gerade Anfänger kann diese Kennzahl leicht auf eine falsche Fährte locken: „Ein niedriges KGV allein sagt zunächst noch nichts aus“, warnt Stocker: „Bei vermeintlichen Schnäppchen sollten Anleger kritisch hinterfragen, ob dem günstigen Kaufpreis nicht zum Beispiel ein erwarteter Gewinneinbruch zugrunde liegt.“

Analysemöglichkeiten und Qualitätsindikatoren

Die Betrachtung des Kurs-Gewinn-Verhältnisses kann also immer nur ein erster Startpunkt sein, um die Qualität einer Aktie zu untersuchen. Neben dem KGV gibt es unzählige weitere Methoden, um die „Gesundheit“ eines Unternehmens zu überprüfen. Wer tiefer in die Analyse einsteigen will, kann fundamentale Kennzahlen zu Gewinnmargen (Profit Margin), Unternehmenswert (Enterprise Value), Verschuldungsgrad oder Cash Flow zurate ziehen. „Auch Faktoren wie Großaktionäre oder Unternehmensalter spielen für die Aktienbewertung eine wichtige Rolle. Die Vielfalt der Analysemöglichkeiten zeigt, wie komplex der Bewertungsprozess sein kann.“

Kursentwicklung vs. Dividende

Für risikobewusste Anleger ist oft auch die Dividendenrendite ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Sie möchten ihre Aktien meist lange halten und von hohen Gewinnausschüttungen profitieren. Setzt man die Dividende in Relation zum Aktienkurs, erhält man die Dividendenrendite. Über die Rentabilität eines Unternehmens sagt eine hohe Dividendenzahlung allerdings nur mittelbar etwas aus. Denn: Hierbei kommt es vor allem auf die Ausschüttungsquote an. Also auf den Anteil des Gewinns, den das Unternehmen an die Aktionäre weiter gibt. „Manche Unternehmen sind sehr rentabel und schütten trotzdem nur einen geringen Gewinnanteil als Dividende aus. Den Rest investieren sie zum Beispiel in neue Projekte oder sie zahlen Kredite zurück“, erläutert der Aktienspezialist: „Umgekehrt bedeuten hohe Dividendenausschüttungen nicht gleichzeitig eine hohe Rentabilität. Sie können auch einfach auf fehlenden Investitionsmöglichkeiten basieren.“

Gut Ding will Weile haben

Jedem Aktienkauf sollte eine gründliche Analyse vorausgehen. Schnellschüsse an der Börse bergen nämlich ein großes Risiko für Fehlinvestments. „Anfänger sollten auf keinen Fall übereilt handeln. Börsentrends entwickeln sich längerfristig. Man verpasst also wenig, wenn man nicht sofort investiert“, weiß Stocker: „Dafür sind die Erfolgschancen umso höher, wenn man sich zum Beispiel mit den Unternehmensgewinnen auseinandersetzt. Idealerweise hat ein Unternehmen ein stabiles Gewinnwachstum über mehrere Konjunkturzyklen hinweg. Acht bis zehn Jahre sind in der Regel ein ausreichender Bewertungs-Zeitraum.“

Lesen Sie in ersten und dritten Teil unserer Serie, wie ein Aktieninvestment an der Börse funktioniert und was Sie zum Thema Anlagestrategie wissen sollten.

  1. Warnung
    27. Oktober 2015, 20:13

    Nicht investieren.
    Die Börse ist so unsicher wie eine Eisdecke bei 1 Grad+
    Hier gehört die Bankenaufsicht und Steuerfahndung her und nicht das sauer verdiente Geld.
    Die Börse ist ein Platz, wo man ruck zuck alles los wird und Geld illegal gewaschen wird

    MFG Wolgang Schäuble

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