11.09.2015

Arbeiten im Ausland

Arbeiten im Ausland: Auswanderer, Expats und digitale Nomaden

Ob aus Abenteuerlust, wirtschaftlicher Not, als Karriere-Sprungbrett oder Lebensentwurf – die Gründe, einige Monate oder Jahre im Ausland zu leben und zu arbeiten, sind vielfältig. Doch eines ist gewiss: Einer erfolgreichen Zeit im Ausland liegt meist eine sorgfältige Planung und ein reflektiertes Verhalten vor Ort zugrunde. HVB-Kunde Tobias Kafka, der bei Hewlett-Packard in Madrid arbeitet, und die Auswanderungsberaterin Monika Schneid haben mit uns über das Abenteuer „Arbeiten im Ausland“ gesprochen. Es geht um die richtige Zeit zum Mittagessen, deutsche Pingeligkeit und um die finanziellen Aspekte einer Auswanderung!

Monika Schneid berät als Leiterin der Informationsstelle des katholischen Raphaelswerk e. V. seit über 20 Jahren Auswanderer. Zum 1871 gegründeten Fachverband der Caritas kommen Menschen, die Deutschland verlassen möchten, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit oder persönlichen Situation. Die Themen, mit denen die Auswanderungsexpertin konfrontiert wird, sind eng mit dem Auf und Ab des Weltgeschehens verknüpft. „In Krisenzeiten kommen viele Deutsche zu uns, die keinen Job finden und daher den Schritt ins Ausland wagen“, sagt Monika Schneid. „Doch seit ungefähr drei Jahren erreichen uns reihenweise Anfragen von Menschen, die im Ausland keine Perspektive mehr sehen und nach Deutschland zurückkehren möchten.“

Gut geplant ist halb ausgewandert

Zum Scheitern verurteilt sind meist diejenigen Vorhaben, die nicht richtig durchdacht wurden. „Neben einer unabhängigen Beratung sollten sich Auswanderer vor allem viel Zeit für Planung und Vorbereitung nehmen“, rät die Expertin. Dazu gehört auch, die künftige Heimat intensiv zu erkunden und nicht nur als Tourist zu bereisen. Wie sehen Wohnungsmarkt und Schulsystem aus? Wie ist die Infrastruktur? Wieviel muss für die Lebenshaltungskosten kalkuliert werden? Gespräche mit Expats – ins Ausland entsandten Arbeitnehmern – und Fachleuten vor Ort wie Maklern oder Steuerberatern bereichern die Recherche mit wertvollem Insider-Wissen. Ein finanzielles Polster und ein Rückkehrplan sollten ebenfalls mit in die Planungsphase gehören. „Im Ausland kann man ganz schnell unverschuldet in Not geraten“, weiß Monika Schneid. „Wer zum Beispiel seine Arbeit verliert, verliert oft auch die Aufenthaltsgenehmigung oder gerät aufgrund einer fehlenden sozialen Absicherung, wie es sie in Deutschland gibt, in Armut. Eine unzureichende finanzielle Vorsorge ist der Hauptgrund für den gescheiterten Traum vom Auswandern.“

„Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“
Karl Valentin

Tobias Kafka ist in Spanien angekommen: Er hat einen unbefristeten Arbeitsvertrag in der Rechtsabteilung von Hewlett-Packard, eine eigene Wohnung und eine spanische Freundin. „Ich fühle mich rundherum wohl und denke nicht daran, in absehbarer Zeit nach Deutschland zurückzukehren“, sagt der Dreißigjährige. Sein Start ins Leben als Expat war fließend, und dabei hat der Heidelberger instinktiv Vieles richtig gemacht. Nach über einem Jahr als Erasmus-Student kehrte er zunächst nach Deutschland zurück und beendete sein Studium. Doch gleich danach zog es den frischgebackenen Hochschulabsolventen zurück unter die Sonne Spaniens. 2011 gelang ihm dann der Quereinstieg bei HP.

Viele Stolpersteine, denen Auswanderer im Ausland begegnen, konnte Tobias Kafka elegant umschiffen. „Durch mein Studium war mein Spanisch schon sehr gut, als ich bei Hewlett-Packard anfing“, erinnert er sich. „Trotzdem musste ich mich erst einmal ins Business-Spanisch einfinden.“ Doch nicht nur mangelhafte Sprachkenntnisse können eine Auswanderung zum Scheitern bringen, wie Monika Schneid aus der Praxis weiß. In der Arbeitswelt zeigen sich unterschiedliche Mentalitäten besonders deutlich. Schon in Nachbarländern wie Holland, Belgien, Österreich oder der Schweiz müssen sich deutsche Expats im Business auf eine andere Kultur einstellen. „Von Kollegen aus Kanada höre ich zum Beispiel häufig, dass kanadische Arbeitgeber mit ihren deutschen Mitarbeitern nicht besonders zufrieden sind“, erzählt die Auswanderungsexpertin. „Sie waren für dortige Verhältnisse viel zu pingelig. Kanadische Chefs wünschen sich, dass auch deutsche Auswanderer zügig ihren Job erledigen, ohne ständig Verbesserungsvorschläge anzubringen.“ Die Expertin rät, sich vor allem in der Anfangszeit zurückzunehmen und zunächst einmal zu beobachten. „Aber das können wir Deutschen meist nicht so gut“, lacht Monika Schneid. „Wir wollen immer erst einen Zeitplan aufstellen.“

Sich mit den kulturellen Codes vertraut zu machen und sich langsam anzupassen sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einer gelungenen Integration. Auch für Tobias Kafka war die spanische Lebensart zunächst eine Umstellung: die späteren Essenszeiten, die ausgedehnte Mittagspause, die längere Arbeitszeit, die dafür von vielen kleinen Kaffeepausen unterbrochen wird. „Ich musste mich mit meinem Tagesablauf einfach anpassen“, sagt der Auswanderer. „Hätte ich das nicht getan, wäre ich immer außen vor geblieben.“ Heute genießt er die Vorzüge eines Lebens in einem Land, in dem andere Urlaub machen. Da sind das verlässlich gute Wetter, die vielen Straßencafés, in denen er viel Zeit mit Freunden verbringt, und die herzliche Art der Iberer. „Obwohl ich als Ausländer mitten während der Wirtschaftskrise in einem von Arbeitslosigkeit gebeutelten Land einen Job gefunden habe, habe ich nie Ablehnung oder Neid erfahren“, erzählt er rückblickend.

Unwissenheit schützt vor Strafe nicht

Unkenntnis der kulturellen und rechtlichen Gepflogenheiten des Ziellandes schadet nicht nur einem harmonischen Miteinander, sondern kann ganz handfeste Probleme mit sich bringen. In Dubai steht auf das Zusammenleben in „wilder Ehe“ zum Beispiel eine Gefängnisstrafe, in Saudi-Arabien erhält Peitschenhiebe, wer betrunken in der Öffentlichkeit erwischt wird, Graffitis sind in Singapur kein „Dummer-Jungen-Streich“, sondern eine Straftat, die mit Gefängnis geahndet wird. Auf Drogenbesitz steht in Indonesien die Todesstrafe und in Kenia wandern FKK-Anhänger ins Kittchen. „Alle diese Gesetze gelten auch für Ausländer!“, warnt Monika Schneid. Doch nicht nur mit der Rechtslage sollte man sich auskennen. Ebenso wichtig ist es, über das Kranken-, Sozial- und Rentensystem Bescheid zu wissen. Wer auswandert, muss gut organisiert sein: Wie bekommt man eine Arbeitserlaubnis? Welche Dokumente braucht man dafür? Wieviel Steuern werden erhoben?

Gewusst wie!

An die komplizierten Behördengänge der Anfangszeit erinnert sich Tobias Kafka noch gut. Der Deutsche hat daraus seine Schlüsse gezogen und sich auch in puncto Altersvorsorge den örtlichen Gegebenheiten angepasst. „In Spanien sind sowohl die Steuern als auch die Bruttogehälter deutlich niedriger als in Deutschland“, erklärt er. „Zwar würde ich in einer vergleichbaren Position in Deutschland netto in etwa dasselbe verdienen, zahle in Spanien aber viel weniger in die Rentenkasse ein.“ Nach einer Videoberatung bei der HypoVereinsbank hat der Neu-Madrilene diese Lücke mit einer privaten Vorsorge geschlossen. „Unsere Online-Filiale ist für Kunden, die im Ausland leben und arbeiten, eine sehr gute Möglichkeit, Kontakt zum persönlichen Bankberater in Deutschland zu halten“, sagt Thomas Mennenga, Leiter der HVB Online Filiale. „Gerade wenn es ums Finanzielle geht, sollten sprachliche Barrieren nicht zu Missverständnissen führen.“ Über die Videoberatung können fast alle Produkte der HypoVereinsbank abgeschlossen und Dokumente sicher über das virtuelle Postfach im Direct B@nking ausgetauscht werden. Auch Interessenten, die sich im Ausland aufhalten, müssen nicht nach Deutschland reisen, um Neukunde zu werden. Mit einem deutschen Personalausweis ist über das VideoIdent-Verfahren die Legitimierung problemlos möglich. Tobias Kafka ist seit 2002 Kunde der HypoVereinsbank und schätzt die Vorzüge von Online-Konto und Videoberatung: „Für mich in meiner Situation ist das Online-Konto der HVB perfekt und ich bin mit dem Service sehr zufrieden. Die Videoberatung habe ich genutzt, um mich über die Möglichkeiten einer privaten Altersvorsorge zu informieren. Das hat alles einwandfrei funktioniert!“

„Always on the run“: Digitale Nomaden

Auf eine ganz andere Weise als klassische Auswanderer interpretieren die digitalen Nomaden das Arbeiten im Ausland. Sie tingeln durch die Welt, haben ihr mobiles Office am Strand oder in den aufregendsten Metropolen der Welt. Dank Digitalisierung und der annähernd weltweiten Verbreitung von Breitband-Internet konnte sich dieser Lebensstil etablieren. Per Netz und Telefon halten die digitalen Wanderarbeiter Kontakt zu Kunden und Auftraggebern. An den schönsten Spots geben Co-Working-Spaces wie “The Blue House“ in Marrokko, die „Open Finca“ auf Mallorca, das „Surf Office“ auf Gran Canaria oder das  Segelschiff „CoBoat“ den Globetrottern eine temporäre Heimat und die nötige Infrastruktur. Zugegeben, das Leben als reisender Freelancer klingt wie das reinste Zuckerschlecken! Doch auch dieser Lebensentwurf birgt seine Tücken: Was tun, wenn das WLAN down ist? Wie organisiert man eine Zusammenarbeit bei acht Stunden Zeitverschiebung? Und dann ist da das ewige Ringen um Produktivität bei bester Urlaubsstimmung. Von außen wirkt das Leben als digitaler Nomade wie nie endende Ferien. Doch am Ende des Tages haben auch sie – wie die daheimgebliebenen Kollegen – ihre Stunden auf der Uhr.

Tipp: Wer mehr über die digitalen Wanderarbeiter wissen möchte, kann sich den Dokumentarfilm „Digitale Nomaden – Deutschland zieht aus“ von Thorsten Kolsch und Tim Jonischkat ansehen.

Drei Tipps von Tobias Kafka

  1. Gute Vorbereitung und Organisation
  2. Offen für Neues sein
  3. Auch bei Rückschlägen nicht den Mut verlieren

Drei Tipps von Monika Schneid

  1. Ein finanzielles Polster anlegen
  2. Sich unabhängig beraten lassen
  3. Kontakt nach Deutschland halten und einen Rückkehrplan in der Schublade haben

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