Auszeit vom Job
07.09.2017

Auszeit vom Job

Auszeit vom Job: So planen Sie Ihr Sabbatical

Haben Sie sich auch schon mal dabei erwischt, wie Sie auf dem Bürostuhl in Tagträume abgedriftet sind? In eine Reise, vielleicht in ein ganz anderes Leben eintauchen? Viele Arbeitnehmer wünschen sich eine Auszeit vom Alltag ihres Jobs. Die Gründe dafür sind vielfältig: Zeit für sich selbst, für Interessen außerhalb der Arbeit, der Wunsch zu Reisen oder neue Perspektiven zu finden. Daniela Scholl plant Auszeiten von Berufs wegen. Mit ihrer Auszeit-Agentur begleitet sie Menschen, die sich Zeit für sich nehmen möchten.

Immer mehr Arbeitnehmer wagen sich an eine Auszeit. Welche Motive stecken Ihrer Erfahrung nach dahinter?

Daniela Scholl: Häufig können die Gründe und Motivationen in drei unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden. Viele Arbeitnehmer suchen eine Auszeit, um Kraft zu sammeln und Erschöpfungssymptome zu lindern. Sie suchen in dieser Zeit eine Selbstbestimmtheit, die sie im Beruf nicht haben. Andere wiederum suchen abseits vom Alltag Zeit für Reflektion und stellen sich ganz bewusst der Frage, ob sie in ihrem Leben am richtigen Platz sind. Und diejenigen, die zur dritten Kategorie gehören, leben einen langgehegten Traum. Dies kann einerseits eine längere Reise sein oder auch die Arbeit in einem Beruf, der in früheren Jahren aus vielfältigen Gründen nicht ergriffen wurde.

In welcher Konstellation treten Ihre Kunden an Sie heran? Planen Sie eine Auszeit aus einem festen Job oder wagen viele den Schritt einer Kündigung?

Wenn jemand angestellt ist, dann erfolgt die Auszeit meist mit dem Einverständnis des Arbeitgebers. Manche nehmen dafür unbezahlten Urlaub in Anspruch, andere sammeln im Vorfeld Überstunden, die auf ein Zeitkonto einzahlen und nutzen diese wiederum für das Sabbatical. Der Vorteil dabei ist, dass die Arbeitnehmer weiterhin kranken- und rentenversichert sind. Ich erlebe allerdings eine strukturelle Veränderung auf dem Arbeitsmarkt – es gibt immer mehr Freiberufler, die Tätigkeiten übernehmen, die früher als feste Stelle im Unternehmen verankert waren. Sie nehmen beispielsweise zwischen zwei Projekten eine Auszeit. Eine Berufsgruppe, die besonders häufig den Weg in die Auszeit sucht, gibt es meiner Erfahrung nach übrigens nicht – von der Herrenschneiderin bis zum Arzt waren bei mir schon alle dabei.

Zur Person: Daniela Scholl

Daniela Scholl ist ausgebildete Reiseverkehrskauffrau und Kulturwissenschaftlerin. Nach ihrer langjährigen Tätigkeit bei Fluggesellschaften und internationalen Reisebüros gründete sie 2011 die Auszeitagentur.

Eine Auszeit vom Beruf bringt auch ein gewisses finanzielles Risiko mit sich. Welche Posten darf man bei der Planung nicht vergessen und was muss man beachten?

Drei Dinge, die auf jeden Sabbaticalisten zukommen, sind zum einen die Kranken- und Haftpflichtversicherung, die gegebenenfalls auch im Ausland gültig sein sollte. Zum anderen stellt sich die Frage nach der Rentenversicherung: Möchte man weiter in die gesetzliche Kasse einzahlen? Können private Rentenversicherungen überhaupt pausiert werden? Dies ist mit den jeweiligen Versicherungsanbieter zu klären. Alle weiteren finanziellen Fragen sind komplett individuell und hängen ganz davon ab, was ich mache und wo ich es mache. Weitere Fixkosten entstehen beispielsweise durch die Wohnung im Heimatort. Wohnt man in einem Ballungsraum wie München, Frankfurt oder Hamburg, findet sich schnell ein Zwischenmieter, während dies auf dem Land durchaus eine Herausforderung sein kann.

Ist man für längere Zeit im Ausland, muss man auch mit hohen Kosten für Übernachtungen rechnen. Wie bleiben die Kosten dafür im Rahmen?

Das Internet macht’s möglich! Angebote wie Couchsurfing sind in den letzten Jahren salonfein geworden und mit etwas Recherche findet man im Internet Plattformen, auf denen Privatpersonen Kost und Logis gegen Mitarbeit, beispielsweise auf dem Hof oder im Hotel, anbieten. Wenn man seine berufliche Qualifikation während des Aufenthalts gezielt einsetzen möchte, kann man beispielsweise bei der Organisation „Senior Experten Service“ Projekte finden. In diesem Zusammenhang werden häufig auch Wohn- und Flugkosten übernommen. Im Gegensatz dazu sind häufig Projekte, bei denen man sich beispielsweise mit Tieren beschäftigt, nicht kostenfrei – man ist schließlich keine gelernte Kraft, sondern kann lediglich Hilfsarbeiten verrichten.

Finanzierung eines Sabbaticals

Sie müssen nicht kündigen, um ihren Weg in ein Sabbatical zu finden. Manche Arbeitgeber ermöglichen eine Auszeit vom Arbeitsalltag und flexible Arbeitszeitsysteme. So können Sie sich beispielsweise Ihre arbeitsfreie Zeit durch Überstunden sprichwörtlich erarbeiten oder auf einen Teil Ihres Gehalts verzichten, um ein regelmäßiges Einkommen zu erhalten sowie Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge zu bezahlen. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzen und zeigen Sie ihm dabei auch auf, welche Vorteil ein Sabbatical für Ihre Tätigkeit im Unternehmen haben könnte.

Natürlich ist es sinnvoll, für ein Sabbatical im Vorfeld möglichst viel anzusparen und seine Fixkosten zu reduzieren. Gibt es eventuell die Möglichkeiten kosten für Abonnements, Energie oder Telekommunikation zu reduzieren? Dienste, wie beispielsweise MoneyMap helfen bei einer Bestandsaufnahme.

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Was ist bei der Rückkehr in den Alltag zu beachten?

Geduld! Und zwar mit sich selbst, aber auch mit Familie, Freunden und Kollegen. Deren Leben ist weitergegangen und ihre Realität spielte sich weiterhin im Alltag und nicht in der Auszeit ab. Oft ist deren Interesse daher nicht so groß, wie man es sich wünschen würde – während man selbst voller Erlebnisse und Drang zum Erzählen ist. Wenn man die Auszeit bewusst gewählt hat, um tatsächlich seine aktuelle Lebenssituation zu reflektieren, ist die Rückkehr vielleicht auch die Gelegenheit, um Änderungen aktiv umzusetzen. Rein praktisch sollte man die Rückkehr langsam angehen – und sich ruhig etwas Zeit lassen, um in die Wohnung zurückzukehren, eingelagertes Mobiliar einzuräumen und wieder in den Job zu starten.

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