Junge Frau steht mit Handy vor Hasuwand
11.08.2017
Tipp

Azubi-Finanztipps

Gönn Dir: Die besten Finanztipps für Azubis

Endlich das erste selbstverdiente Geld auf dem Konto. Etwa 500.000 Auszubildende werden in den kommenden Wochen ihren ersten Gehaltszettel in den Händen halten. Allerdings reicht das Azubigehalt oft vorne und hinten nicht. Doch mit Berufsausbildungsbeihilfe, Wohngeld oder Nebenjob kann die Ebbe in der Kasse ganz passabel gefüllt werden. Die wichtigsten Finanztipps für Berufsanfänger.

Lohn- und Gehaltskonto eröffnen

Vor Beginn der Ausbildung sollten Azubis ein Girokonto eröffnen, um das monatliche Ausbildungsgehalt zu erhalten. Zahlreiche Filial- und Direktbanken bieten inzwischen kostenlose Girokonto für Berufseinsteiger an.

Ein Girokonto kann man in der Regel schnell und unkompliziert eröffnen – entweder online oder einer Filiale mit Ihrem Berater.

Die Prozedur ist abhängig davon, ob die Kontoeröffnung online oder in der Filiale durchgeführt wird. In jedem Fall benötigt man einen gültigen Personalausweis oder Reisepass.

Ist der Antragssteller noch nicht volljährig, sind Eltern bzw. Erziehungsberechtigten mit ihrem Ausweis und Unterschrift auf der Kontoeröffnung gefragt. Bei vielen Banken kann man sich mittlerweile auch per Post-Ident-Verfahren oder online per Video-Ident identifizieren.

Berufsausbildungsbeihilfe

Gegen Ebbe auf dem Girokonto kann auch die Berufsausbildungsbeihilfe helfen, kurz BAB. Diese Beihilfe können Azubis in Anspruch nehmen, die eine betriebliche Ausbildung machen und nicht mehr bei den Eltern wohnen, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit vom Elternhaus entfernt ist. Doch auch wer in der Nähe der Eltern wohnt, muss nicht leer ausgehen: Wer zum Zeitpunkt der Ausbildung älter als 18 Jahre oder verheiratet ist oder bereits ein Kind hat, kann die Beihilfe beantragen. Der Antrag muss bei der Agentur für Arbeit gestellt werden, und zwar in der Stadt, in der der Auszubildende seinen Wohnsitz hat.

Wohngeld als Mietzuschuss

Wer bei der Ausbildungsbeihilfe leer ausgeht, hat während der Ausbildung immer noch die Möglichkeit, Wohngeld zu beantragen. Anspruch auf Wohngeld hat, wer keine Berufsausbildungsbeihilfe bekommen kann, weil er bereits die zweite Ausbildung macht oder einen Beruf erlernt, der staatlich nicht anerkannten ist. Allerdings entfällt der Anspruch auf Wohngeld, wenn der Azubi entweder Anrecht auf BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe hat. Außerdem muss der Berufseinsteiger älter als 18 Jahre sein und darf nicht mehr zu Hause wohnen. Berechnet wird das Wohngeld nach festgelegten Bedarfssätzen. Der Antrag muss bei der Wohngeldstelle der Gemeinde gestellt werden, in der sich die Wohnung befindet.

Nebenjob

Wer die Voraussetzungen für einen Mietzuschuss oder die Berufsausbildungsbeihilfe nicht erfüllt, hat die Möglichkeit, mit einem zusätzlichen Nebenjob Geld zu verdienen. Das ist erlaubt, jedoch muss der Ausbildungsbetrieb darüber informiert werden. Der Ausbilder kann den Nebenjob nur verbieten, wenn dadurch die Ausbildung beeinträchtigt wird, zum Beispiel weil der Azubi nachts arbeitet. Außerdem darf eine bestimmte Zahl an Wochenarbeitsstunden nicht überschritten werden. Als Nebenjob empfiehlt sich ein 450-Euro-Job, da der Verdienst nicht auf die Berufsausbildungsbeihilfe angerechnet wird und dafür wenig Steuern und Sozialabgaben anfallen.

Anspruch auf Kindergeld

Auch während der Ausbildung haben Berufsanfänger, bzw. ihre Eltern Anspruch auf Kindergeld, und zwar bis zum Ende der Ausbildung, jedoch höchstens bis zum 25. Lebensjahr. Voraussetzung dafür ist, dass der Azubi nicht mehr als 8.004 Euro plus Werbekostenpauschale von 920 Euro pro Jahr verdient. Wer mit über 25 Jahren noch in der Ausbildung ist, hat nur dann Anspruch auf Kindergeld, wenn er bereits einen Bundesfreiwilligen- oder Wehrdienst geleistet hat. Um Kindergeld zu bekommen, müssen der Azubi bzw. die Eltern einen schriftlichen Antrag bei der zuständigen Familienkasse stellen. Derzeit überweist die Familienkasse pro Monat für die ersten beiden Kinder jeweils 192 Euro, für ein drittes Kind 198 Euro und für jedes weitere Kind 223 Euro. Wer nicht mehr zu Hause wohnt, kann einen sogenannten Abzweigungsantrag stellen – dann wird das Geld direkt an den Azubi ausgezahlt.

Riesterrente

Berufseinsteiger haben die Möglichkeit privat vorzusorgen. Und diese Möglichkeit sollten sie auch nutzen, denn: Je früher sie privat vorsorgen, desto besser sieht es am Ende auch mit der Rente aus. Hinzu kommt, dass gerade Azubis von den Regelungen der Riesterrente profitieren können. Das relativ geringe Gehalt während der Ausbildung hat in diesem Fall positive Auswirkungen – vor allem für diejenigen, die unter 25 Jahre sind. Dann gibt es vom Staat im ersten Jahr zusätzlich den Berufseinsteiger-Bonus von aktuell 200 Euro.

Ein Beispiel

Kai ist 18 Jahre alt und verdient als Azubi 9.000 Euro brutto im Jahr. Da Kai seit Jahresbeginn monatlich 20 Euro in seine Rieser-Rente einzahlt, erhält er folgende Zulagen für 2017:

  • 200 Euro Einmalbonus Berufseinsteiger
  • 154 Euro jährliche Grundzulage

Kai erhält somit 354 Euro Zulagen für 2017. Da er im laufenden Jahr 240 Euro einzahlt, ergibt das im Endeffekt 594 Euro für 2017.

Sparen: Sparkonto

Auch Azubis sollten sich eine verfügbare Finanzreserve von 1.000 bis 2.500 Euro aufbauen, denn die gebrauchte Waschmaschine kann schnell mal streiken. Dafür bieten sich beispielsweise Sparkonten an, bei denen pro Kalendermonat bis zu 2.000 Euro sofort verfügbar sind.

Mittelfristiges Sparen: Vermögenswirksame Leistungen

Für mittelfristige Sparziele können auch Azubis die vermögenswirksamen Leistungen nutzen. Allerdings müssen Azubis diesen Anspruch bei ihrem Arbeitgeber ausdrücklich fordern. Je nach Tarifvertrag zahlen diese dann bis zu 40 Euro zusätzlich zum Gehalt, wenn das Geld in einen speziellen VL-Vertrag investiert wird, etwa einen Bausparvertrag oder einen Aktienfonds.

Arbeitnehmer-Sparzulage

Unabhängig davon, ob der Arbeitgeber Zahlungen in einen VL-Vertrag leistet oder diese ausschließlich vom Arbeitnehmer selbst gezahlt werden, fördert der Staat über die Arbeitnehmer-Sparzulage die Vermögensbildung. Auf Einzahlungen in einen Aktienfonds erhalten Azubis eine Zulage in Höhe von 20 Prozent. Bausparbeiträge werden mit 9 Prozent gefördert. Allerdings haben nur Beschäftige mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von maximal 20.000 Euro (Alleinstehende) diesen Anspruch.

Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge muss, laut Gesetzgeber, jeder Arbeitgeber anbieten. Hier geht ein Teil vom Bruttolohn für die Altersvorsorge ab, aber auch der Arbeitgeber zahlt mit. So können Azubis zum Beispiel 50 Euro im Monat für die betriebliche Altersvorsorge von ihrem Bruttolohn abzweigen und der Arbeitgeber legt nochmal 50 Euro dazu. Für die Rente werden somit 100 Euro pro Monat zurückgelegt. Alles, was Azubis so ansparen, bekommen sie als Rentner in monatlichen Zahlungen zusätzlich zu ihrer gesetzlichen Rente ausgezahlt.

Risiken absichern

Für Auszubildende sind manche Versicherungen durchaus sinnvoll, eine Haftpflichtversicherung zum Beispiel. Vor einem Abschluss sollten Azubis jedoch prüfen, ob sie während der Ausbildung über ihre Eltern versichert sind. Zu guter Letzt sollten Azubis das schützen, was wirklich wichtig ist – nämlich ihre Gesundheit. Das geht zum Beispiel durch eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Denn wie sagte schon der weise Yolo einst: „You only live once!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

back to top