11.03.2015
Serie

Bank Geschichte

Bank im Wandel: Von analog zu digital

Gemeinsam mit der Einführung des Geldautomaten startete sie ihre Karriere in der HypoVereinsbank: Sabine Schmitz arbeitet seit 33 Jahren für die HVB und hat über die Jahre den deutlichen Wandel innerhalb der Bankenbranche miterlebt. Für das HVB Blog berichtet sie von den Schritten aus einer analogen in eine digitale Welt.

Mit dem Beginn ihrer Ausbildung im Jahr 1982 machte Sabine Schmitz ihre ersten Schritte in der damaligen Vereins- und Westbank – einer der Vorgängerinstitute der heutigen HypoVereinsbank. „In einer Bank zu arbeiten war mein absoluter Wunschberuf – und ich habe mich sehr darüber gefreut, meine dreijährige Ausbildung beginnen zu dürfen.“ Seit nunmehr 33 Jahren arbeitet sie als Kundenberaterin der HypoVereinsbank. Die Bedingungen zu Beginn ihrer Ausbildung haben mit der heutigen Arbeitsweise in einer Bank allerdings nicht mehr viel gemein. Dafür haben vor allem die technische Weiterentwicklung und die Digitalisierung gesorgt. „Meine ersten Tage war ich in der Kontoführung beschäftigt. Dort habe ich Kontoauszüge in die Kontotaschen der Kunden sortiert – und zwar jeden einzelnen manuell. Der Vorteil: Ich kannte die Kunden, ich wusste den Namen zu einer Kontonummer und wer sich dahinter verbirgt.“ Einen eigenen Computer hatten Anfang der 1980er Jahre nur die wenigsten Mitarbeiter.

Mit den Frauen kam die Technik in die Bank

Die Abwicklung des Bankgeschäfts hat sich in den letzten Jahrhunderten von Grund auf gewandelt. Die Historikerin Elke Pfnür betreut im Historischen Archiv der HypoVereinsbank Unterlagen und Material aus längst vergangenen Tagen. Auf acht Kilometern reihen sich Regale, unter anderem mit alten Kontoklatten oder Depotbüchern, alle fein säuberlich ausgefüllt. „Die Technik, wie beispielsweise Schreib- und Rechenmaschinen, kam erst mit den Frauen in die Bank“, erzählt Elke Pfnür und zeigt anhand von Filialfotos, dass im 19. Jahrhundert Herren die Filiale prägten.

Zu diesem Zeitpunkt existierte die HypoVereinsbank in ihrer jetzigen Form noch nicht. „Bevor sich die HypoVereinsbank mit der UniCredit zusammenschloss, ist sie aus einer Fusion der Bayerischen Vereinsbank mit der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank sowie später auch der Vereins- und Westbank hervorgegangen“, erzählt Elke Pfnür und zeigt das Aktienbuch der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank. Der erste Käufer des ersten Aktienpakets war kein geringerer als König Ludwig I. höchstpersönlich. Am Ende des 19. Jahrhunderts fand das Filialmodell erste Verbreitung: Die 1869 gegründete Bayerische Vereinsbank eröffnete 1899 ihre erste Filiale in Landshut ergänzend zur Zentrale in München. Im Laufe der Jahre wurden von allen Vorgängerbanken kleine Bankhäuser zugekauft und das Filialnetz langsam erweitert. Bankmitarbeiter gehörten damals zu den angesehensten Personen in einem Ort. Sie bewohnten sogar häufig die Bankgebäude, gemeinsam mit den Auszubildenden.

Nachtschwärmer entdecken den Geldautomaten

Die Möglichkeit, jederzeit Bargeld abheben zu können oder mit einer EC- oder Kreditkarte zu zahlen, gab es allerdings nicht. Die Ein- und Auszahlung wurde damals über die Kasse geführt – zu den regulären Öffnungszeiten. Heute kaum mehr vorstellbar, aber erst in den 1980er Jahren kam mit dem Geldautomaten eine kleine technische Revolution. Die Bayerische Vereinsbank stellte 1979 den ersten Geldautomaten mit dem glanzvollen Namen „Hypomonetor“ in der Mitarbeiterfiliale am Tucherpark auf, bevor er flächendeckend ausgerollt wurde. Sabine Schmitz erinnert sich an ihre Zeit als frischgebackene Auszubildende und die ersten Begegnungen der Kunden mit den Geldautomaten: „Wie bei vielen technischen Neuerungen sind die Menschen zunächst einmal skeptisch. Sie wussten ja nicht, wie die Maschine funktioniert und wie auf einmal ein Computer ihr Konto verwalten konnte.“ Mit der Zeit und der Erfahrung stieg jedoch die Akzeptanz des Geldautomaten und unsere Kunden lernten, seine Vorteile zu schätzen. So zeigte damals eine Untersuchung, dass die Geldautomaten im Ort am häufigsten am Wochenende von Nachtschwärmern genutzt wurden.

Neue Aufgaben im Bankberuf

Im Anschluss an ihre dreijährige Ausbildung in der Filiale arbeitete Sabine Schmitz in der Kundenberatung. Von den heutigen beratungsintensiven Bankprodukten fehlte damals noch jede Spur. „Die Auswahl von Produkten war sehr viel kleiner“, erzählt die 48-jährige. „Sehr beliebt war natürlich das Sparbuch, aber auch das Taschengeldsparkonto für Kinder mit einem Aufkleber für jede Einzahlung sowie Bundesschatzbriefe, die in der damaligen Hochzinsphase noch mit 8 bis 10 Prozent verzinst wurden.“ Die Ansprüche des Kunden an die Tätigkeit ihres Bankberaters waren zu jener Zeit ganz andere. Während heute die Beratung im Mittelpunkt der Kundenbeziehung steht, standen früher verwaltende Tätigkeiten im Vordergrund – jede Überweisung, jede Einzahlung und jeder Kontoauszug musste schließlich manuell bearbeitet werden. Erst mit steigendem Wohlstand kletterte die Sparquote nach oben: „In den 1980er Jahren waren viele Menschen gesättigt, was ihre primären Konsumbedürfnisse betraf und hatten gleichzeitig mehr Geld – auch weil immer mehr Frauen ins Berufsleben eintraten“, erzählt Elke Pfnür. „Sie hatten ihre Waschmaschine, ihr Haus und ihr Auto – wollten aber in der Zukunft vielleicht das Studium ihres Kindes bezahlen können. Und sie suchten mit der Bank Wege, um ihr Geld zu vermehren.“

Dass sich dieser Trend zur Vermögensbildung immer weiter fortgesetzt hat, konnte Sabine Schmitz vor allem in den 1990er Jahren erleben. Lesen Sie nächste Woche in unserer Serie „Bank im Wandel“, wie die Kundenberaterin die New Economy und den Beginn der Digitalisierung erlebt hat.

 

Sabine Schmitz arbeitet seit 1982 in der Kundenberatung der HypoVereinsbank und berichtet im Zuge der Reihe „Bank im Wandel“ über ihre Erfahrungen in der Bankenbranche.

Elke Pfnür leitet seit 2003 die Abteilung „Corporate History“ in der HypoVereinsbank und verantwortet unter Anderem das Historische Archiv.

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