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11.01.2017

Barrierefrei Wohnen

Barrierefrei wohnen: So planen Sie vor fürs Alter

Fast 24 Millionen Menschen in Deutschland werden 2035 älter als 65 Jahre sein, so die Studie 65Plus der Seniorenverbände. Zwar wünschen sich die Menschen, so lange wie möglich selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben zu können, doch bisher sind nur etwa ein Prozent der Wohnungen in Deutschland auf die Bedürfnisse von Senioren ausgerichtet. Deshalb mahnt Stephan Halling, Chefgutachter für Immobilien bei der HypoVereinsbank: „Bauen und kaufen Sie Wohnimmobilien nach Möglichkeit stets vorausschauend!“

Was ist barrierefreies Wohnen?

„Eine barrierefreie Wohnung ist so gestaltet, dass sich die Bewohner darin frei bewegen können“,  sagt Stephan Halling, der dabei zwischen altersgerecht und rollstuhlgerecht unterscheidet: „Die beste Lösung ist immer eine rollstuhlgerechte Wohnung. Sie bedeutet ein Maximum an Barrierefreiheit und man ist gewappnet für den Fall der Fälle.“ Für Halling, der seit 2011 die Immobilienbewertung bei der HVB verantwortet, sind vor allem drei Punkte entscheidend für eine barrierefreie Wohnung: „Die Bewegungsflächen, die Greifhöhen und die Sichthöhen.“

Wie sieht eine barrierefreie Wohnung aus?

„Erst einmal sind schwellenlose und stufenfreie Zugänge unerlässlich, damit man sich in seiner Wohnung sicher bewegen kann“, so Chefgutachter Halling und hat gleich die entsprechenden Tipps parat: „Rollstuhlgerechte Türen sollten mindestens 90 Zentimeter breit sein und ebenerdige Räume Bewegungsflächen von mindestens 1,50 mal 1,50 Meter haben, etwa im Bad, der Küche oder dem Schlafzimmer.“ Für das Badezimmer seien Schiebetüren ideal, mindestens aber nach außen öffnende Türen. Diese erleichtern im Notfall den Zugang, falls jemand gestürzt ist. „Außerdem sollten ein mit dem Rollstuhl unterfahrbarer Waschtisch, eine überfahrbare Toilette mit Haltegriffen sowie eine stufenlos befahrbare Dusche zur Grundausstattung eines barrierefreien Badezimmers gehören.“

Wer sollte sich Gedanken über barrierefreies Wohnen machen?

„Barrierefreies Wohnen ist schon lange kein Sonderstandard mehr oder nur für Senioren oder Menschen mit Handicap sinnvoll“, so Stephan Halling. „Auch für junge Familien mit Kindern macht es absolut Sinn.“ Dabei heißt barrierefrei Bauen für den HVB-Experten, von Anfang an zu bedenken, welche spezifischen Wohnbedürfnisse man im Alter haben möchte. „So können Sie von Beginn an barrierefreien Wohnkomfort genießen und später hohe Umbaukosten sparen.“ Konkret legt Stephan Halling fünf Zielgruppen nahe, sich mit barrierefreiem Wohnen zu befassen: Menschen mit Handycap, Haus- und Wohnungsbesitzer, Familien mit Kindern sowie Senioren.

Wie hoch sind die Kosten für entsprechende Umbauten?

Je nach Ausgangslage und aktueller Wohnsituation variieren die Kosten für barrierefreie Umbauten. Entsprechend lassen sich die Aufwände nicht pauschal beziffern. Dennoch  betont Halling, dass ein barrierefrei geplantes Haus nur wenig Mehraufwand gegenüber einem nicht-barrierefrei geplanten Haus verursacht. „Erst der nachträgliche Umbau führt in der Regel zu hohen Kosten.“

Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?

Die Finanzierung der geplanten Maßnahmen entscheidet mit darüber, was man letztlich in welchem Umfang durchführen kann. „Eine solide Finanzplanung im Vorfeld ist deshalb das A und O.“ Der, der das sagt, heißt Wolfgang Zellhöfer und ist seit zehn Jahren für das Produktmanagement Baufinanzierung und Bausparen bei der HypoVereinsbank verantwortlich. Der 52-Jährige weiß aus Erfahrung: „Haus- oder Wohnungseigentümer müssen immer mit unerwarteten Reparaturen oder Modernisierungen rechnen, für die gespart werden sollte.“ Sobald eine Veränderung in den eigenen vier Wänden ansteht, empfiehlt Zellhöfer, barrierefreie Umbauten gleich mit einzuplanen. Entscheidend dafür sei natürlich die eigene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit. Käufer oder Bauherren sollten deshalb vorab klären, welche finanziellen Belastungen sie mit Blick auf ihre persönlichen Lebensumstände langfristig tragen können. Zellhöfers Empfehlung: „Nehmen Sie hierfür eine detaillierte Gegenüberstellung Ihrer laufenden Einnahmen und Ausgaben vor.“

Für die Finanzierung von Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sparen mit einem Bausparvertrag langfristig Rücklagen an. Sobald der Bausparvertrag die sogenannte Zuteilungsreife erreicht hat, steht Ihnen ein zinsgünstiges Bauspardarlehen zur Verfügung. Wenn Sie diese Zeit nicht haben, steht Ihnen Möglichkeit 2 zur Verfügung: die Aufnahme eines Bauspar-Sofortdarlehens. Ein passendes Produkt wäre zum Beispiel das Wüstenrot Wohndarlehen. Darüber hinaus stehen Ihnen spezielle Förderprogramme der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) sowohl zum Modernisieren und Sanieren als auch für den barrierefreien Umbau zur Verfügung.

Diese Fördermöglichkeiten gibt es

Förderung durch die KfW: Die bundeseigene Förderbank KfW bietet Eigentümern mit dem Programm „Altersgerecht Umbauen“ zinsgünstige Kredite für barrierefreie Umbauten an. Pro Wohneinheit sind das bis zu 50.000 Euro Kreditbetrag, der altersunabhängig beantragt werden kann. Gefördert werden Eigentümer, die ihre Wohnimmobilie barrierefrei umbauen wollen oder eine bereits barrierefreie Wohnung als Ersterwerber kaufen. Die Vergabe dieser Kredite ist an bestimmte Mindeststandards für barrierefreie Umbauten gebunden, die ein Sachverständiger überprüfen muss.

Wohn-Riester verwenden: Neben einer KfW-Förderung kann außerdem die staatliche Eigenheimrente („Wohn-Riester“) für einen altersgerechten Umbau verwendet werden. Wenn diese innerhalb von drei Jahren nach Erwerb einer Immobilie einsetzt wird, gilt dafür eine Mindestinvestitionssumme von 6.000 Euro, danach sind es sogar 20.000 Euro. Hier muss ein Sachverständiger die zweckgerichtete Verwendung der Gelder bestätigen.

Zuschuss durch Pflegekassen: Auch für den Fall, dass ein altersgerechter Umbau plötzlich notwendig werden sollte, gibt es Unterstützungsmöglichkeiten. Mit bis zu 4.000 Euro bezuschussen die Pflegekassen entsprechende Umbauten. Wichtig: Eigentümer sollten die Zuwendung bei ihrer Kasse beantragen, bevor sie den Umbau in Angriff nehmen.

Einkommenssteuererklärung: Handwerkerleistungen, die für entsprechende Umbauten angefallen sind, können von der Steuerschuld abgezogen werden (Paragraf 35a Absatz III Einkommenssteuergesetz). Jährlich sind maximal 1.200 Euro abzugsfähig. Eine Kombination mit Mitteln aus dem Wohn-Riester ist nicht möglich.

Beratung mit dem HVB Finanzkonzept

„Egal ob Modernisierungen oder barrierefreie Umbauten – Vorsorge für die eigenen vier Wände ist wichtig und sollte deshalb in der Finanzplanung berücksichtigt werden“, so das Fazit von Experte Zellhöfer. Der erste Schritt dahin sei die richtige Beratung. „Und die bieten wir unseren Kunden mit dem HVB FinanzKonzept. Unsere Kunden können so von einer ganzheitlichen Anlageberatung in den Bedarfsfeldern Liquidität und Vermögen, Vorsorge – und eben Immobilien profitieren.“

Übrigens: Für dieses Beratungsangebot wurde die HypoVereinsbank im März 2015 vom Institut für Vermögensaufbau bereits mit der Höchstnote „5 Sterne“ ausgezeichnet.

Barrierefreies Wohnen: Stephan Halling beantwortet die 3 wichtigsten Fragen

„Manche altersgerechte Verbesserungen lassen sich recht einfach realisieren, zum Beispiel der Verzicht auf Teppiche oder Fußläufer. Aber auch weniger Möbelstücke machen Ihre Wohnräume sicherer. Genauso einfach können Sie Sturzgefahr reduzieren: Mit wenig Aufwand lassen sich Haltegriffe im Bad oder an der Terrassentür befestigen.
Aufwändiger sind dagegen Anpassungen im Bad: Eine ebenerdige Dusche und rutschfester Bodenbelag gehören genauso dazu wie eine überfahrbare Toilette.

Veränderungen im Grundriss werden dann notwendig, wenn die Gästetoilette im Erdgeschoss zu einem voll ausgestatteten Bad umgebaut werden soll, um notfalls auch nur im Erdgeschoss leben zu können. Für den Fall, dass Sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sollten die Türdurchgänge verbreitert werden. Möchten Sie dann weiterhin alle Stockwerke nutzen, wäre ein Treppenlift eine gute Lösung.“

„Für den Fall, dass Sie ohnehin an eine Sanierung Ihrer Immobilie gedacht haben, sollten Sie altersgerechte Umbauten gleich miteinplanen. Das spart nicht nur Kosten, sondern verhindert auch einen weiteren Umbau Ihrer Immobilie. Wenn Sie die altersgerechten Umbauten im Rahmen der Sanierung nicht sofort umsetzen können, lohnt es sich trotzdem, sie bei den Planungen zu berücksichtigen. Vorrichtungen für Haltegriffe oder die Beseitigung von Schwellen beim Balkonzugang lassen sich dann später einfacher umsetzen.“

„Auch als Mieter können Sie Ihre Wohnung für sich entsprechend anpassen lassen. Dabei sollten Sie allerdings nicht eigenmächtig vorgehen. Umbauten, die in die Substanz Ihrer Wohnung eingreifen, dürfen Sie nur mit Zustimmung Ihres Vermieters durchführen. Sie haben zwar das Recht, diese Maßnahmen von Ihrem Vermieter zu verlangen, aber im Gegenzug darf der Vermieter aber auch deren Rückbau beim Auszug fordern. Zur Finanzierung haben Sie zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der Vermieter die Umbaukosten übernehmen. Zum anderen können Sie den Umbau auch selbst zahlen. In diesem Fall sollten Sie sich aber schriftlich bestätigen lassen, dass sie die angepasste Wohnung bei Auszug nicht zurückbauen müssen. Was die Finanzierung solcher Maßnahmen angeht, haben Sie dann im Grunde genommen die gleichen Möglichkeiten wie Immobilienbesitzer.“

Zur Person

Seit 2011 verantwortet Stephan Halling als Chefgutachter die Immobilienbewertung der HypoVereinsbank. Mit insgesamt rund 80 Kolleginnen und Kollegen bewerten er und sein Team von sieben Standorten aus jährlich mehr als 12.000 Immobilien. Zudem engagiert sich Stephan Halling ehrenamtlich bei der Zertifizierung von Gutachtern für Immobilien.

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