Bitcoins Blockchain Erklärung
14.06.2016
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Bitcoin Blockchain Erklärung

Bitcoin und Blockchain einfach erklärt

Bitcoins und die dahinter stehende Technologie, die Blockchain, sind in aller Munde. Kaum vergeht ein Tag, an dem nicht über die digitale Währung berichtet wird. Dennoch umgibt sie die Aura des Geheimnisvollen. Tatsächlich umranken den Bitcoin alle Zutaten, die man für einen guten Thriller braucht: Da ist zum einen der mysteriöse Erfinder, der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto in Erscheinung tritt und dessen Identität bis heute nicht abschließend geklärt ist. Zwar enthüllte der Australier Craig Wright Anfang Mai 2016 medienwirksam, er sei der sagenumwobene Bitcoin-Erfinder, jedoch zweifeln immer mehr Experten an der Stichhaltigkeit seiner Beweise. Die Jagd geht also weiter! Doch damit nicht genug: Auch wird das Zahlungssystem mit Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche und anderen kriminellen Machenschaften in Zusammenhang gebracht. Und der letzte Mystery-Faktor: Können Sie erklären, was Bitcoins genau sind und wie sie funktionieren? Nein? Zeit für ein wenig Aufklärung.

Was sind Bitcoins?

Bitcoin ist die bekannteste Kryptowährung, also eine digitale Währung, deren Sicherheit durch Verschlüsselung (Krypotgraphie) gewährleistet wird. 2009 entwickelt, können Bitcoins seit 2011 in den meisten Wechselmärkten gehandelt werden. Das Besondere an ihnen ist, dass sie nicht von einer Zentralbank, sondern von vielen dezentralen Stellen, den sogenannten „Minern“, herausgegeben werden. Auch der Handel mit dem digitalen Zahlungsmittel findet ausschließlich Peer-to-Peer, das heißt von User zu User, statt. Damit ist der Bitcoin von staatlichen oder suprastaatlichen Kontrollinstanzen unabhängig. Gleichzeitig ist jede im Bitcoin-Netzwerk realisierte Transaktion für jeden Teilnehmer nachvollziehbar. Im übertragenden Sinn wird auf jedem Bitcoin jeder Kauf, der mit ihm getätigt wurde, notiert. Wer Bitcoins kaufen und damit zahlen möchte, benötigt eine entsprechende Software, die sogenannte Bitcoin-Wallet. Gemeinsam mit ihr installiert sich die gesamte Bitcoin-Datenbank auf dem Rechner des Nutzers. Zur Identifizierung erhält er einen individuellen Code und eine Bitcoin-Adresse. Im Januar 2016 betrug die Marktkapitalisierung von Bitcoins circa sechs Milliarden Dollar. Akzeptiert werden Bitcoins nicht nur von teilnehmenden Online-Shops, sondern vereinzelt sogar im stationären Handel.

Welche gesellschaftliche Rolle und Zukunftschancen haben Bitcoins?

Bitcoins werden von den einen als Alternative zu staatlichen Zahlungsmitteln gefeiert und als „das Ende der Banken“ hochstilisiert, von den anderen misstrauisch beäugt. Nicht von der Hand zu weisen ist, dass die Kryptowährung jede Menge gesellschaftlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Sprengstoff birgt. Ob dieser irgendwann Feuer fangen wird, ist heute aber noch nicht abzusehen.

Das digitale Zahlungsmittel ist so anonym wie Bargeld und gleichzeitig so transparent wie ein liegengelassener Kontoauszug. Zwar kann jede Transaktion von allen Beteiligten nachvollzogen werden, doch die Personen oder Organisationen hinter den einzelnen Nutzerkonten bleiben in der Regel anonym. Da im Gegensatz zu etablierten Banken Bitcoin-Dienstleister nur unter bestimmten Umständen durch Aufsichtsbehörden reguliert sind, bieten sie noch interessante Schlupflöcher für jeden, der etwas zu verbergen hat. So können beispielsweise mit Bitcoins im sogenannten „Dark Web“ Waffen und Drogen gekauft werden. Tatsächlich schätzen Experten aber, dass der Anteil strafbarer Transaktionen gering ist, da Kriminelle jeglicher Couleur immer noch Bargeld bevorzugen. Zahlungen in Bitcoin laufen heute weitestgehend im rechtsfreien Raum ab. Politik, Gesellschaft und Rechtsprechung hinken den technischen Entwicklungen hinterher, vorhandene Gesetze lassen sich nur schwer übertragen. Der Kurs der Kryptowährung wird einzig durch Angebot und Nachfrage geregelt und ist stark volatil. Alles in allem ist ihr Gebrauch für die breite Masse an Endkunden noch zu uninteressant.

Sobald für die aktuellen Reglementierungsprobleme Lösungen gefunden werden, könnte die Währung ihre Vorteile ausspielen: Anders als bei herkömmlichen Überweisungen wechseln Bitcoins binnen weniger Minuten den Besitzer. Auch das Einsparpotenzial ist immens. Durch einen für alle Parteien transparenten Zahlungsverkehr könnten weltweit Milliarden für den Einsatz von Buchprüfern gespart werden. Entsprechend hoch ist das Interesse der Finanz- und Versicherungsbranche an den binären Münzen. Sowohl die etablierten Player, als auch FinTechs investieren Risiko- wie Humankapital in die neuen Technologien.

Welche Technologie steckt hinter Bitcoin?

Die Technologie hinter den Bitcoins heißt Blockchain und lässt sich auch auf andere Finanzprodukte und Dienstleistungen übertragen. Interessant für die Branche ist weniger der Bitcoin, denn das Währungssystem bringt viele praktische Probleme mit sich. Der disruptive Charakter begründet sich eher in der Blockchain, die in einem Atemzug mit der Erfindung des Buchdrucks oder des Internets genannt wird.

Was ist die Blockchain?

Die Blockchain ermöglicht die Transparenz der Bitcoins. Sie ist ein dezentrales Protokoll, über das Informationen aller Art – also auch finanzielle Transaktionen – übertragen werden können. Absolut neu an der Blockchain ist, dass es niemanden gibt, der sowohl die Technologie an sich als auch jede einzelne Blockchain besitzt oder kontrolliert. Informationen einer Blockchain werden nicht auf dem Server eines Emittenten, sondern auf den Servern aller Teilnehmer gespeichert. Das erschwert Korruption und Manipulation. Die Daten einer Blockchain sind jedoch nicht zwangsläufig frei verfügbar. Welche Informationen genau veröffentlicht werden, wird beim Entwickeln des konkreten Anwendungsfalls festgelegt.

In der Blockchain werden Informationen in Blöcke zerlegt. Deren Größe ist innerhalb der Szene nicht nur umstritten, sondern hat in den vergangen Jahren auch kontinuierlich zugenommen. Jeder Block ist mit dem vorangehenden Block durch eine Prüfsumme verbunden und enthält auch eine Prüfsumme der gesamten Information. Sogenannte „Miner“ stellen Rechenleistung zur Verfügung, um die einzelnen Blöcke zu verifizieren. Eine einmal verifizierte Information ist dann für alle Teilnehmer der Blockchain einsehbar, jedoch nur vom Absender veränderbar. Anders formuliert ist die Blockchain eine gigantische Textdatei, die alle Peer-to-Peer-Datenübertragungen speichert und für alle Beteiligten öffentlich macht.

Was bedeutet die Blockchain für die Digitalisierung der Wirtschaft?

Die Blockchain gilt nach PC, Internet, mobilen Endgeräten und dem Social Web als der nächste große Entwicklungsschritt in der Digitalisierung. Die Anwendungsmöglichkeiten sind nicht auf die Finanzbranche beschränkt und erstrecken sich von KFZ-Versicherungen, die sich dem Fahrverhalten anpassen über das Verwalten von Musikrechten bis hin zu anonymen und fälschungssicheren Wahlen. Das transformierende Element ist, dass die Blockchain jede Art von Mittelsmännern überflüssig macht. Hier können nicht nur die Verwaltungen von Banken und Versicherungen stark verschlankt werden, sondern die Blockchain hat auch das Potenzial, Unternehmen, die Dienstleistungen vermitteln, von Grund auf zu verändern. Erste Ansätze – zum Beispiel eine demokratisch organisierte Variante des Mitfahrservice Uber – gibt es bereits.

Zweifelsohne ist die Blockchain eine stark zukunftsträchtige Technologie, was folgende Zahlen eindrucksvoll belegen: 2015 wurden weltweit bereits rund 600 Millionen Dollar Venture Capital in die Bitcoin- und Blockchain-Industrie investiert, annähernd so viel wie 1996 in das Internet. Zurzeit gibt es noch etliche rechtliche und regulatorische Hürden zu überwinden. Ob die Blockchain nachhaltige Spuren in der Finanz- und Dienstleistungsbranche hinterlassen wird, welche Ausmaße sie haben und wie genau sie aussehen werden, darüber können wir heute nur spekulieren.

Das sagen Experten zur Zukunft der Blockchain

Auf dem 2. FinTech-Meetup im Münchener HVB-Tower haben wir Experten und Teilnehmer zur Zukunft von Blockchain und Künstlicher Intelligenz befragt.

  1. Fal
    23. Februar 2017, 14:47

    Sehr informativer Artikel

  2. Sarah Thomsen
    19. August 2016, 8:49

    Lieber Benjamin Friedrich, vielen Dank für Ihren Kommentar. Mit unserem Blogbeitrag möchten wir einem breiten Publikum Allgemeinwissen zum Thema vermitteln. Daher sind wir auf die Details der Bitcoin-Regulierung nicht weiter eingegangen. Wir haben den entsprechenden Satz nun aber differenzierter formuliert. Herzliche Grüße, Sarah Thomsen

  3. Benjamin Friedrich
    19. Juli 2016, 10:48

    Zitat: „Da eine Bank oder andere Organisation als vermittelnde Instanz fehlt, überwachen auch keine Geldwäsche-Experten den Handel“

    Das ist nicht ausreichend recherchiert. Heutzutage muss sich jede Börse, bei der man Bitcoins kaufen kann, strengen Regularien unterziehen, die insbesondere der Vermeidung der Geldwäsche dienen. hier muss man z.B. einen Nachweis seiner Identität liefern. Man kann sicherlich auch Bitcoins bei LocalBTC kaufen (komplett dereguliert), da sind die Preise jedoch um einiges höher als der normale Marktpreis.

  4. Sarah Nitschke
    22. Juni 2016, 14:29

    Lieber roffl,

    vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich habe den Text nun etwas zeitloser formuliert und damit auch gleich der aktuellen Diskussion um die Blockgröße Rechnung getragen.

    Herzliche Grüße, Sarah Nitschke

  5. roffl
    19. Juni 2016, 22:20

    Maximale Blockgröße derzeit 1 MB, nicht 40 Byte

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