Börsenwelt
22.08.2015

Börsenwelt

Kuriose Börsenmomente: Bälle, Film-Trailer und Tippfehler im Aktienhandel

Egal ob in Frankfurt, London oder an der Wall Street in New York: Wenn Bulle und Bär außer Rand und Band geraten, kommt es in der Börsenwelt manchmal zu turbulenten Kursschwankungen. Für Aktienhändler je nachdem ein Anlass, die Reißleine zu ziehen oder in Euphorie zu verfallen, für Anleger mit langfristigen Renditezielen aber meist kein Grund, in Aktionismus zu geraten. Denn wer nicht auf schnelle Gewinne setzt, kann – trotz aller Risiken im Aktienhandel – bei kurzfristigen Börsenüberraschungen die Ruhe bewahren. Und Staunen und Schmunzeln, wie im Fall dieser sieben kuriosen Börsenmomente:   

1. Teurer Patzer

2012 rauschte die Google-Aktie innerhalb kürzester Zeit um zeitweise zehn Prozent in die Tiefe, als der Konzern seine Geschäftszahlen zum dritten Quartal vier Stunden zu früh und damit noch während des laufenden Börsenhandels in New York bekannt gab. In der versehentlich veröffentlichten Börsenmitteilung deutete der Satz „Pending Larry Quote“ zwar darauf hin, dass in dem Dokument noch ein Zitat von Firmenchef Larry Page fehlte. Doch die bereits genannten Gewinneinbußen ließen die Händler direkt reagieren. Ohne den vollständigen Bericht abzuwarten, stießen sie die Google-Aktie massenweise ab, sodass der Internetriese am Ende des Tages trotz eines zwischenzeitlichen Handelsstopps einen Milliardenverlust verbuchte.

2. Durchsichtiges Geschäft

Dass Transparenz von Anlegern nicht in jeder Hinsicht begrüßt wird, musste 2013 auch der kanadische Sportartikelhersteller Lululemon feststellen. Ausgerechnet sein Bestseller, eine sogar unter Topmodels und Schauspielerinnen beliebte schwarze Yoga-Hose, war massenhaft zu durchsichtig produziert worden und musste vorübergehend aus dem Sortiment genommen werden. Nach Bekanntgabe der Rückrufaktion brach der Aktienkurs des Unternehmens an der Börse direkt ein. Mehr Einblick bedeuteten an diesem Tag fünf Prozent Verlust. Kein gutes Karma also.

3. 50-Millionen-Dollar-Touchdown

Der große Wurf gelang 2006 dagegen einem Trainee an der New Yorker Börse. Als er im Handelssaal einen Football warf, traf er damit die Enter-Taste der Tastatur eines Händlers der Bank of America und besiegelte damit einen vorbereiteten Deal über 50 Millionen Dollar. Eigentlich zu früh, da der Händler noch auf die Anordnung seines Vorgesetzten wartete, doch am Ende nahm man es sportlich: Dem Vernehmen nach beließ man es bei einen strengen Verweis für den Trainee. Fliegende Bälle gelten seitdem jedoch als reale Gefahr in jedem Handelssaal.

4. Again and again

Dass plötzliche Deals auch weniger sportlich entstehen können, bewies 1999 ein Händler an der Londoner Börse, als er eine Order für Aktien des britischen Ölkonzerns Premier Oil aufgab. So weit, so gewöhnlich. Skurril wurde es jedoch, als auffiel, dass er den abgeschlossenen Deal 600 mal wiederholt hatte. Schuld daran war sein Ellenbogen, den er zeitweise auf der ordergebenden Taste seiner Computertastatur abstützte. Aufaddiert entstand dadurch ein Auftrag, der mit einem Volumen von insgesamt 1,8 Millionen Pfund dem Fünffachen des durchschnittlichen täglichen Handelsvolumens der Aktie entsprach. Letztlich hatte das Missgeschick aber kaum Folgen: Größtenteils konnten die Geschäfte rückgängig gemacht werden.

5. Versehen mit Folgen

Das war auch nötig, als ein Trader im Oktober 2002 an der New Yorker Börse Schwierigkeiten hatte, Millionen und Milliarden auseinanderzuhalten. Versehentlich gab er den Verkauf von Aktien im Wert von vier Milliarden statt wie beabsichtigt vier Millionen Dollar in Auftrag. Ein Tippfehler, in der Börsensprache als „fat finger“ beschrieben, der erst entdeckt wurde, nachdem schon Aktien im Wert von 600 Millionen Dollar gehandelt worden waren. Zwar wurde der Rest des Deals auch in diesem Fall gestoppt, doch auf diese blamable Lehrstunde hätte der Trader vermutlich gerne verzichtet.

6. Filmreifer Kurssprung

Kuriose Börsenmomente entstehen jedoch nicht nur durch Pannen, sondern gelegentlich auch durch unerwartete Kurssprünge. So beispielsweise im April diesen Jahres, als Disney mit der Veröffentlichung eines Trailers zur siebten Star-Wars-Episode weltweit für Begeisterung bei den Fans der Saga sorgte. Der Clip gibt zwar nicht viel vom neuen Film preis, sorgte aber auch an der Börse für einen Hype. Da der neue Streifen Disney potenzielle Milliardengewinne in Aussicht stellt, stieg der Aktienwert nach der Trailer-Veröffentlichung binnen Minuten um rund ein Prozent zu. Aufaddiert ergab sich für Disney dadurch ein plötzlicher Gewinn von rund zwei Milliarden Dollar.

7. Lukrative Verwechslung

Einen nicht ganz so hohen aber ebenfalls überraschenden Wertgewinn löste im Oktober 2013 die Bekanntgabe der geschäftlichen Details zum geplanten Börsengang von Twitter aus. „First come, first serve“ dachten vermutlich viele amerikanische Anleger und wollten sich direkt Anteile am Kurznachrichtendienst sichern. Doch zu früh gefreut. Anstatt in das soziale Netzwerk zu investieren, kauften sie fälschlicherweise Wertpapiere des namensähnlichen, bereits insolventen Unterhaltungselektronik-Händlers Tweeter. Schuld daran waren die ähnlichen Börsenkürzel der beiden Unternehmen: Während der Pennystock unter dem Kürzel TWTRQ notiert ist, wurde für Twitter TWTR das Kürzel bekannt gegeben. Tweeter dürfte die Verwechslung recht gewesen sein: Zeitweise stieg der Kurswert der Firma um 2.200 Prozent.

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