19.12.2014

Champions League Begegnungen

Learnings aus der Gruppenphase: Die deutschen Teams

München, Finale ´97. Turin gegen Dortmund. 71. Minute, 2:1 für den BVB. Youngster Lars Ricken – gerade eingewechselt – läuft 25 Meter vor dem Tor mit der Kugel auf den Kasten zu. Und ich habe Marcel Reif noch ganz genau im Ohr: „Ricken… Ricken…. Lupfen jetzt. JAAAAAAAAAAA!“ Knapp 18 Jahre später kann sich die Alte Dame rächen. Zwar nur im Achtelfinale, aber immerhin.

Juventus Turin vs Borussia Dortmund: Siegessichere Italiener

Dafür muss Juventus aber erst mal eine gute Leistung im Heimspiel abliefern. Auswärts schepperte es in der Gruppenphase nämlich – bis auf den Sieg gegen Schlusslicht Malmö – zwei Niederlagen. Selbstvertrauen holen sich die Italiener aktuell aus der eigenen Liga: Hier winken sie fröhlich mit einem Torverhältnis von 36:6 und nur einer Niederlage von der Tabellenspitze. Davon fast Lichtjahre entfernt ist der BVB und schaffte es in der Königklasse trotzdem als Gruppensieger eine Runde weiter. Aber selbst in der UEFA Champions League ist nicht alles spitze: Nach anfänglich vier Siegen gab es zuletzt eine Schlappe gegen Arsenal und nur ein Unentschieden zuhause gegen Anderlecht.

Interessanter Fact: In der Champions-League-Geschichte trat Juve bislang dreimal in Dortmund an und ging jedes Mal als Sieger vom Platz. Für Stürmer Fernando Llorente scheint der BVB sowieso nur eine Zwischenstation zu sein und ließ über Twitter verlauten: „Unser europäischer Traum beginnt gegen Dortmund. Forza Juve!“

FC Schalke 04 vs Real Madrid: Welche Form schlägt diese Klasse?

S04 gegen Real Madrid, da war doch was?! Richtig, gleiche Runde, letzte Saison. Nach Hin- und Rückspiel hieß es am Ende 9:1 für die Königlichen. Viermal Cristiano Ronaldo, jeweils zwei Treffer von Bale und Benzema. CR7 spielt derzeit sowieso auf einem ganz anderen Planeten. Nach 14 Ligaspielen hat er bereits 25(!) Treffer auf dem Konto. In der Gruppenphase traf er allerdings „nur“ fünfmal. Das wird ihn wurmen. Vielleicht liegt ja genau dort die Chance des FC Schalke. Zumindest formulierte Finanzvorstand Peter Peters nach der Auslosung ganz forsch: „Wir wollen es besser machen als im letzten Jahr. Form schlägt Klasse.“ Aber ich frage mich, welche Form genau? Bei Schalke folgte in den vergangenen zehn Spielen nahezu abwechselnd auf jeden Dreier eine Niederlage.

In der Champions League mogelte man sich nur durch einen Zittersieg ins Achtelfinale. Bemerkenswert: Im Heimspiel gegen Chelsea (0:5) zeigte Blau-Weiß seine westfälische Gastfreundlichkeit und gleichzeitige Vorliebe für große Gegner. Die Madrilenen sicherten sich Anfang der Woche wettbewerbsübergreifend den 21. Sieg in Serie und schafften es diese Saison als erste Mannschaft in der Geschichte der UEFA Champions League zweimal, alle sechs Gruppenspiele zu gewinnen. Zudem wartet im Finale der Klub-WM am Wochenende der nächste Titel. Also liebe Schalker: Aufsaugen, genießen und auf die Bundesliga konzentrieren!

Bayer Leverkusen vs Atletico Madrid: Glück im Unglück

Deutlich Spannenderes erwarte ich zwischen Leverkusen und Atletico. Und zum ersten Mal wird es einen Sieger geben, denn dieses Duell gab es auf internationaler Bühne bislang nur zweimal. In der Gruppenphase der UEFA Europa League 2010/2011 trennte man sich in beiden Partien mit 1:1. Zugegeben: Atletico gehört in Europa nicht in das aller oberste Regal. So musste Trainer Diego Simeone nach dem erfolgreichen Sommer zahlreiche Abgänge von Leistungsträgern verschmerzen: Diego Costa, Thibaut Courtois und Felipe Luis wechselten zum FC Chelsea, David Villa zog es in die USA.

Obwohl der Achtelfinal-Gegner schwerer hätte ausfallen können, wird sich Bayers Sportchef Rudi Völler geärgert haben: Nach zwei sieglosen Spielen musste Leverkusen am Ende den Gruppensieg noch an den AS Monaco weiterreichen. Völlig unnötig. Dabei steckt im Sturm so viel Potenzial: Calhanoglu als Zehner, Kießling als Stoßstürmer, daneben die Offensivzange aus Bellarabi und Son. Dahinter wird es allerdings etwas dünner. Nicht falsch verstehen: Toprak und Spahic sind sehr gute Innenverteidiger – aber reicht das auf Dauer für die dicken Fische in der Königsklasse? Ich denke eher nicht. Immerhin wurde Atletico ohne Probleme Gruppensieger, schenkte allein Malmö und Piräus in beiden Heimspielen neun Stück ein und holte gegen Juventus in zwei Spielen vier Punkte.

Außerdem sprechen wir hier vom amtierenden spanischen Meister und Champions-League-Finalisten der vergangenen Saison. Einem Mann gilt besonderer Fokus: Der Ex-Münchener Mario Mandzukic – von Pep Guardiola nicht geliebt und fort gejagt – traf in sechs Spielen schon fünf Mal.

Schachtar Donezk vs FC Bayern München: Böses Erwachen

Die letzte Betriebsreise von Schachtar Donezk geht in in dieser Champions-League-Saison nach München. In der Historie hat es dieses Aufeinandertreffen zwar noch nie gegeben, aber mal ehrlich: So eng es für die übrigen drei deutschen Teams sein mag, so eindeutig wird es hier. Bis auf den kleinen Ausrutscher in Manchester sind die Bayern souverän durch die Gruppenphase marschiert. Unter anderem ballerte man – motiviert von der bevorstehenden Audienz beim Papst – den AS Rom mit 7:1 aus dem eigenen Stadion. Nach den Siegen gegen Lissabon (7:1, 2009) und Basel (7:0, 2011) gelang es den Bayern damit als einziges Team in der Geschichte der UEFA Champions League dreimal sieben Tore zu erzielen.

Und Schachtar? Der ukrainische Meister zog mit einem Torverhältnis von 15:4 als Gruppenzweiter ins Achtelfinale. Mit Porto, Bilbao und Borisov fehlte aber auch ein echter Härtetest. Auffällig: 13 der 31 Kicker stammen aus Brasilien. Und einem von ihnen wird Pep Guardiola besondere Aufmerksamkeit schenken: Rekord-Stürmer Luiz Adriano gelangen fünf Tore in einem Spiel (schaffte bislang nur Lionel Messi), insgesamt neun Treffer nach der Gruppenphase (zog mit der alten Bestmarke von Cristiano Ronaldo gleich) und mindestens ein Hattrick in zwei aufeinanderfolgenden Partien (einsame Spitze). Der politische Konflikt zwingt den Oligarchen-Klub allerdings dazu seine Heimspiele im 1.000 Kilometer entfernten Lwiw (Lemberg) auszurichten. Weiteres Plus für die Münchener: Bis Ende Februar befindet sich Schachtar im Winterschlaf. Träumt schön, denn im Spiel gegen den Rekordmeister Mitte Februar droht euch ein böses Erwachen!

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