Die Coolar-Gruenderin und HVB-Mentee Julia Roemer
21.11.2016
Serie

Coolar

Coolar: HVB-Mentee Julia Römer und ihr stromloser Kühlschrank

„Mich fasziniert, dass man mit Wärme kühlen kann.“ Julia Römer, Berliner Ingenieurin und eine von sechs Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentorings 2016, hat mit ihrem Social Start-up Coolar einen Kühlschrank entwickelt, der mit Wärme anstelle von Strom angetrieben wird. Dazu benötigt das Gerät lediglich Sonnenlicht und Wasser. Vor allem in den heißen und stromlosen Regionen Asiens und Afrikas soll der Kühlschrank künftig dafür sorgen, dass Medikamente und Impfstoffe kühl gehalten werden.

Eine halbe Stunde Autofahrt westlich vom Berliner Fernsehturm: der Stadtteil Charlottenburg. Auf dem Campus der Technischen Universität Berlin, hinter Grünanlagen und Fahrradständern, steht ein Betonbau Marke 70er-Jahre-Funktionsarchitektur. Hier, in einer Werkstatt von der Größe einer Turnhalle, steht Julia Römer vor einer Werkbank und ist immer noch davon fasziniert, dass man mit Wärme kühlen kann. Der, der das kann, steht vor ihr auf dem Arbeitstisch: schwarz, mit weißer Tür und kaum größer als ein Handgepäck-Trolley.

Coolar: Von der Idee zum Start-up

Schon während ihres Studiums beschäftigt sich die Wirtschaftsingenieurin mit dem Thema Adsorptionskälte, also dem Kühlen durch Wärme. Die Berlinerin will genauer wissen, wie diese Technik funktioniert. Also schreibt sie ihre Bachelorarbeit in einer Firma, die genau diese Technik anwendet, um Rechenzentren mit Wärme zu kühlen. „Da habe ich mich gefragt, ob man dieses Kühlungssystem nicht auf etwas anwenden kann, dass allen Menschen nutzt.“ So kam die 31-Jährige 2012 zum ersten Mal auf die Idee eines stromlosen Kühlschranks. „Während meines Masterstudiums habe ich mehrere Wochen an einer Summer School des Climate-KIC teilgenommen das ist die größte europäische Innovationsinitiative für klimafreundliche Technologien. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit der Idee befasst und daraus ein Geschäftsmodell entwickelt.“ Das Aufsetzen des Businessplans im nächsten Schritt war die logische Konsequenz.

2013 verfolgt sie in ihrer Masterarbeit die Idee weiter bis zu einem theoretischen Konzept. Dann, im Frühjahr 2014, ist es schließlich soweit: Julia Römer und ihr Co-Founder Arno Zimmermann gründen Coolar. „Arno ist mein ehemaliger Kommilitone, der auch beim Climate-KIC dabei war. Wir hatten also denselben Antrieb: Unser Fachwissen klimainnovativ einsetzen und damit etwas bewirken.“

So funktioniert der Kühlschrank

Die verfahrenstechnischen Laien unter uns können sich das Prinzip wie bei einer Wasserflasche vorstellen, die man in ein nasses Handtuch schlägt und in die Sonne legt: Das Wasser im Handtuch verdunstet und entzieht der Flasche Wärmeenergie, das Resultat dieses Verdunstungskälteeffekts: Die Wasserflasche bleibt kühl. Das ist aber nur ein Teil des Prinzips, denn Coolar nutzt außerdem den Adsorptionskälteeffekt: Wir alle kennen die kleinen weißen Tütchen, die in Paketen mit zum Beispiel neuen Sneakern liegen. Die Päckchen sind mit Kieselgel-Kügelchen gefüllt, welche die Feuchtigkeit aus dem Schuhkarton adsorbieren. „Genau dieses Kieselgel ist ein wichtiger Bestandteil des Coolar-Kühlschranks, der mit dem Adsorptions-Effekt in einem Unterdrucksystem funktioniert“, erklärt die Ingenieurin.

Kühlen ohne schädliche Kältemittel

Während ein herkömmlicher Kühlschrank Strom und Kühlmittel braucht, benötigt der Coolar-Kühlschrank lediglich Wärme, die in Kälte umgewandelt wird. „Mindestens 60 Prozent der anfallenden CO2-Emissionen sowie mehr als 75 Prozent der Betriebskosten können wir so einsparen.“ Durch den Wegfall schädlicher Kälte- und Schmiermittel wird der Kühlschrank zudem äußerst langlebig. Ein weiterer Vorteil: Falls der Kühlschrank doch einmal kaputt gehen sollte, muss er nicht kostenaufwändig auf dem Sondermüll entsorgt werden.

Internationale Hilfsorganisationen im Fokus

„Etwa 75 Prozent aller Medikamente und Impfstoffe, die in Entwicklungsländer geliefert werden, werden durch mangelnde Kühlung beschädigt“, sagt Julia Römer, „und das in Regionen, wo medizinische Versorgung quasi nicht vorhanden ist.“ Mit ihrem umweltfreundlichen und stromlosen Kühlschrank haben die Berlinerin und ihr Team nun eine Perspektive für mehr als 1,2 Milliarden Menschen geschaffen, die weltweit ohne Strom leben müssen. Insbesondere in den heißen Regionen der Entwicklungsländer könnte der Kühlschrank so dabei helfen, Medikamente, Impfstoffe und Nahrungsmittel zu kühlen. „Momentan sind wir in Gesprächen mit Ärzte ohne Grenzen, aber auch kleineren Organisationen, die wiederum Krankenhäuser und Healthcenter in verschiedenen Ländern Afrikas betreiben.“

Tandem-Power im HVB Gründerinnen-Mentoring

„Uns war von Beginn an klar, dass ein stromloser Kühlschrank kein Produkt ist, das man innerhalb eines Jahres präsentieren kann. Doch relativ schnell erregte Coolar die Aufmerksamkeit eines Accelerator-Programms, das das Start-up mit einer kleinen Investition unterstützte – die Entwicklung eines funktionsfähigen Prototyps war gesichert. Auch bei der Jury des HVB Frauenbeirats konnte das Start-up auf ganzer Linie punkten: Julia Römer ist in diesem Jahr eine von sechs Gewinnerinnen des HVB-Gründerinnen-Mentorings. Als Mentorin an Römers Seite: die Unternehmerin Annette Roeckl. „Für wichtige administrative Aufgaben, die bei Coolar anstehen, ist es natürlich großartig, wenn ich mich dazu mit einer erfolgreichen Unternehmerin wie Frau Roeckl austauschen kann“, freut sich die Coolar-Gründerin.

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