Crowdfunding

20.05.2014

Die Masse als Investor

Die Kinokomödie “Stromberg – der Film” ist ein beeindruckendes Beispiel für gelungenes Crowdfunding. Wir verraten Ihnen 10 Tipps, mit denen auch Ihr Crowdfunding-Projekt ein durchschlagender Erfolg wird.

Von Gastautor Richard Pfadenhauer

Kennen Sie Bernd Stromberg? Dass ist der Chef, der kein Fettnäpfchen auslässt, der Untergebene in den Wahnsinn treibt, Vorgesetzte zur Verzweiflung bringt und Sprüche loslässt wie: “Als Chef hast du mehr Leichen im Keller als ein Krematorium”, oder: “Ich mach’s wie der liebe Gott. Der lässt sich auch nicht so oft blicken, hat aber trotzdem ein gutes Image.” Dieser Bernd Stromberg (genial gespielt von Christoph Maria Herbst) ist Abteilungsleiter Schadensregulierung bei der fiktiven Capitol-Versicherung und damit die Hauptfigur der gleichnamigen Kultserie, die in Deutschland von 2004 bis 2012 in fünf Staffeln erfolgreich über die Bildschirme gelaufen ist. Dann war Schluss, Zumindest im Fernsehen – lediglich einen Kinofilm wollten die Verantwortlichen noch nachschieben.

Der Plan sah vor, einen Teil der Produktionskosten über Crowdfunding zu finanzieren. Das heißt, jeder, der wollte, konnte Produzent werden und sich über eine spezielle Internetseite an dem Film beteiligen – angefangen bei 50 Euro bis maximal 1.000 Euro. Der Plan ging auf. Innerhalb von nur einer Woche war die Zielsumme von einer Million Euro eingesammelt.

Win-win-Situation

“Stromberg – der Film” lief am 20. Februar 2014 in Deutschland an und nach nicht einmal vier Wochen war bereits die Marke von einer Million Zuschauer geknackt. Die rund 3.300 Crowdfunder dürfte es gefreut haben. Denn von diesem Zeitpunkt an machten sie Gewinn. Bis dahin floss je verkaufte Kinokarte 1 Euro an die Gemeinschaft der Investoren zurück. Bei einer Million verkauften Karten war der Einsatz von einer Million Euro also eingespielt. Für jede darüber hinaus verkaufte Kinokarte zahlt der Produzent Brainpool 0,50 Euro aus. So würde ein Investor, der 1.000 Euro investiert hat, bei 1,4 Millionen verkauften Kinotickets eine Rückzahlung von 1.200 Euro erhalten. Das wäre immerhin ein Ertrag von 20 Prozent. Ob die Finanzierung über Crowdfunding auch für andere Filmprojekte einträglich ist, ist allerdings fraglich. Denn eine Kultfigur wie Stromberg hat von einer treuen Frangemeinde profitiert.

Kreative Herzensangelegenheit

Crowdfunding dürfte weiter an Beliebtheit gewinnen. Denn vielen Menschen geht es gar nicht um den Ertrag, sondern um das finanzierende Projekt selbst, das für sie eine Herzensangelegenhiet darstellt. Mittlerweile gibt es hunderte solcher kulturellen und sozialen Projekte. Zu finden sind sie auf Internet-Plattformen wie Startnext, die nach eigenen Angaben größte Crowdfunding-Community für kreative Projekte im deutschsprachigen Raum. Filmemacher, Musiker, Journalisten, Designer, Künstler, erfinder und andere Kreative stellen Ihre Ideen auf Startnext vor und finanzieren sie mit der direkten Unterstützung von vielen Menschen. Seit der Gründung von Startnext im Jahr 2010 wurden schon mehr als 1.200 Projekte mit einem Finanzierungsvolumen von insgesamt über sieben Millionen Euro realisiert.

Wirtschaft entdeckt Schwarm-Finanzierung

Mittlerweile ist Crowdfunding aber auch in der Wirtschaft angekommen. Die größte deutsche Plattform für die Finanzierung von Start-up-Firmen ist Seedmatch  – die erste Crowdfunding-Plattform für Start-up-Investments in Deutschland und in diesem Bereich deutscher Marktführer. Investitionen sind ab 250 Euro möglich. Nach einer Kapitalanlage erhält der Crowdfunder Zugriff auf einen geschützten Bereich, in dem er sich mit dem Start-up austauschen und die vertraglich festgelegten Reportings einsehen kann. In welchem Umfang sich eine Investition verzinst bzw. in welchem Umfang der Crowdfunder an einem unternehmerischen Erfolg teilnimmt, regelt ein individueller und mit einer Mindestlaufzeit ausgestatteter Investmentvertrag. Die getätigten Einlagen haben die Rechtsform eines paritätischen Nachrangdarlehens. Seit der Gründung von Seedmatch im Jahr 2011 wurden 58 Start-ups finanziert. Das investierte Kapital beläuft sich auf 11,8 Millionen Euro.

Vorfreude bei “Stromberg”-Investoren

Ob die Macher des “Stromberg”-Kinofilms nach der erfolgreichen Finanzierung des Projekts bereits an einem zweiten Teil arbeiten, ist nicht bekant. Klar ist allerdings: Sollte der Streifen  eine weitere Million Besucher in die Kinos locken, erhalten die beteiligten Crowdfunder für ihren 1.000 Euro-Anteil eine Rückzahlung von stattlichen 1.500 Euro. Das Geld soll sechs Monate nach Filmstart ausgezahlt werden.

10 Tipps für erfolgreiches Crowdfunding

Marthe-Victoria Lorenz ist Gründerin und Geschäftsführerin der Crowdfundingplattform fairplaid. Dort können Sportler und Vereine kostenlos Projekte einstellen, für die Geld benötigt wird. Von den zahlreichen Crowdfunding-Projekten, die Sie inzwischen begleitet und beraten hat, konnte Marthe-Victoria Lorenz viel darüber lernen, warum Projekte erfolgreich finanziert werden oder warum die Finanzierung nicht funktioniert.

Hier ihre 10 Tipps für erfolgreiches Crowdfunding als PDF zum Download.

Zum Gastautor

Richard Pfadenhauer ist Chefredakteur des onemarkets Magazins und des onemarkets Blogs  im Bereich Corporate & Investment Banking der HVB. Darüber hinaus ist er Autor des onemarkets Wochenkommentars, eines wöchentlichen Rück- und Ausblicks auf die Märkte. Als ausgewiesener DVFA-Aktienanalyst beschäftigt sich Pfadenhauer seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Er gilt als ausgesprochener Derivate-Experte.

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