Devisenhandel für Anfänger
20.01.2017

Devisenhandel für Anfänger

Forex Trading: So funktioniert der Devisenhandel

Viele kennen es aus der Wechselstube im Urlaub, professionelle Trader machen es 24/7 – und das im großen Stil: Forex-Trading, zu Deutsch Devisenhandel, betreibt im Prinzip jeder, der eine Währung in eine andere tauschen will. Seit einigen Jahren können sich nun auch Privatpersonen am Devisenmarkt beteiligen. Hier erfahren Sie, was Anfänger rund um den Währungshandel wissen sollten.

Der globale Währungsmarkt, im Fachjargon Devisenmarkt, steht niemals still. Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche gehen dort Währungen im gegenseitigen Wechsel über den Tisch. Nach Angaben von Statista liegt das tägliche Handelsvolumen im Devisenhandel bei 5,1 Billionen Dollar. Die bedeutendsten Währungen weltweit: der US-Dollar, der Euro und der japanische Yen. Im Prinzip funktioniert der professionelle Währungshandel genauso, wie es manch einer von Reisen, etwa in die Schweiz, nach Tunesien, Großbritannien oder in die USA her kennt. Mit dem Unterschied, dass professionelle Trader ihre Devisen nicht in der Wechselstube, sondern per Telefon oder elektronisch gesteuerten Kommunikationssystemen (zum Beispiel Reuters) handeln und in der Regel größere Summen bewegen. Je nach Größe des umgetauschten Volumens kann sich das – im Gegensatz zum Urlaubsbudget – auf den Wechselkurs der beiden Währungen auswirken.

Diese Akteure bestimmen das Geschehen auf den Devisenmärkten

Zu den Hedgern (aus dem Englischen „to hedge“ = absichern) zählen in erster Linie Unternehmen. Ihr Ziel ist es nicht, mit Wechselkursgeschäften Gewinne zu erzielen. Vielmehr geht es ihnen darum, bei Geschäften in einer Fremdwährung ihr Währungsrisiko abzusichern. Heißt: Sie kaufen heute schon die Währung, die sie morgen benötigen. Das Motiv ist klar: Den heutigen Preis kennen sie, mit dem können sie kalkulieren. Wie sich der Preis im Zeitablauf bis zur Lieferung der Ware ändert, ist hingegen nur schwer zu prognostizieren. Ähnlich ergeht es übrigens auch Investoren, die beispielsweise in US-Aktien investieren. Die Entwicklung des Wechselkurses kann maßgeblich über Gewinn und Verlust entscheiden. Mit einer entsprechenden Absicherung lässt sich das Risiko deutlich reduzieren.

Ihr Ziel ist es, vom Auf und Ab der verschiedenen Wechselkurse zu profitieren. Zu den größten Währungsspekulanten zählt Georg Soros, der Anfang der 90er Jahre erfolgreich gegen das britische Pfund gewettet hat. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Hedgefonds und größeren und kleineren institutionellen sowie privaten Anlegern, die vor allem mit Derivaten auf Wechselkursveränderungen spekulieren.

Hinter den Interventionisten verbergen sich die Zentral- und Notenbanken. Sie verfolgen weder eine Gewinn- noch eine Absicherungsstrategie. Sie tätigen Währungskäufe oder -verkäufe aus geldwirtschaftlicher Motivation heraus und versuchen, den Kurs der eigenen Währung in die eine oder andere Richtung zu bewegen beziehungsweise zu stabilisieren. Grundsätzlich haben Notenbanken zwei Möglichkeiten, Wechselkurse in eine bestimmte Richtung zu dirigieren: Die verbale Intervention, die so genannte „Moral Suasion“ und die direkte Intervention, das heißt, der gezielte Kauf oder Verkauf der eigenen Währung.

Von Währungskonto bis Optionsschein: Instrumente für den Devisenhandel

Für Privatanleger gibt es mehrere Möglichkeiten, an Wechselkursbewegungen teilzunehmen. So können Investoren beispielsweise ein (Fremd-) Währungskonto eröffnen. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt den gewünschten Betrag vom Giro- auf das Währungskonto – ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto. Neben den Veränderungen des Wechselkurses können Investoren unter Umständen zusätzlich noch einen entsprechenden Zinsertrag kassieren. Risikofreudige Investoren können zudem mit Derivaten auf Kursentwicklungen zahlreicher Wechselkurse spekulieren. Zu den am häufigsten gehandelten Wechselkursen zählen Euro/US-Dollar, US-Dollar/Japanischer Yen sowie Euro/Britisches Pfund. Der besondere Reiz von Derivaten, beispielsweise Optionsscheinen ist: Anleger können bereits mit kleinen Beträgen einsteigen und vermeintlich kleine Kursbewegungen in die gewünschte Richtung reichen, um hohe Gewinne zu erzielen. Diese sogenannte Hebelwirkung geht jedoch in beide Richtungen. Entwickelt sich der Wechselkurs entgegen der erwarteten Richtung, drohen schnell hohe Verluste bis hin zum Totalverlust im ungünstigsten Fall.

Wichtige Einflußfaktoren: So bilden sich Wechselkurse

Grundsätzlich wird ein Wechselkurs wird durch Angebot und Nachfrage einer Währung bestimmt. Allerdings gibt es eine Reihe von Faktoren, die Wechselkurse mittelfristig nach oben oder auch nach unten bewegen. Dazu zählt beispielsweise die Realwirtschaft, gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Ein starkes (erwartetes) Wachstum des BIP stützt die entsprechende Währung. Viele Investoren blicken nicht nur auf die makroökonomischen Daten, sondern auch auf die Zinsdifferenz und Kapitalströme. Haben Anleger die Möglichkeit risikolos in Währung A beispielsweise fünf Prozent Zinsen für 1-Jahres-Festgeld zu bekommen und in Währung B nur drei Prozent, werden viele Investoren Kapital von Währung B in Währung A umschichten. Die Nachfrage nach Währung A steigt und treibt den Wechselkurs A / B. Mitunter verschulden sich auch Investoren in der Währung mit dem niedrigeren Zinssatz zu entsprechend niedrigen Zinsen, um in eine andere Währung mit höheren Zinsen zu investieren. Im Fachjargon spricht man dann auch von sogenannten Carry Trades.

Tausch ist nicht gleich Tausch: Diese Devisengeschäfte

Von Devisenkassageschäften (auch Spotgeschäften) wird gesprochen, wenn zwischen dem Tag des Geschäftsabschlusses und dem Tag der Erfüllung ein Zeitraum von maximal zwei Bankarbeitstagen liegt. Am Tag der Erfüllung liefert der Verkäufer die verkauften Devisen auf das vereinbarte Konto, während der Käufer der Devisen den vereinbarten Gegenwert zu leisten hat. Es handelt sich mithin um einen reinen Währungstausch.

Bei Devisentermingeschäften (auch Forward genannt) liegt zwischen dem Tag des Geschäftsabschlusses und dem Erfüllungstag ein Zeitraum von mindestens drei Arbeitstagen oder zwischen ein bis zwölf oder mehr Monate, wobei beide Vertragsparteien die am Tag des Geschäftsabschlusses vereinbarten Bedingungen (insbesondere Devisenkurs) unabhängig davon zu erfüllen haben, ob sich die aktuelle Kurssituation verändert hat. Aus diesem Grunde gehört das Devisentermingeschäft zu den Kurssicherungs- oder Hedgegeschäften.

Bei einem Devisenswapgeschäften (auch kurz Swap, vom eng. to swap, ‚tauschen‘) handelt es sich um die Kombination eines Kassageschäftes mit einem Termingeschäft, und zwar werden Devisenkassakauf mit Devisenterminverkauf oder umgekehrt getauscht. Dabei wird gleichzeitig der Tausch zweier Währungen zum Tag des Geschäftsabschlusses und der Rücktausch zu einem späteren Zeitpunkt vereinbart. Wegen der Kombination mit einem Termingeschäft ist auch das Swapgeschäft ein Kurssicherungsgeschäft.

Eine Devisenoption ist eine Vereinbarung, die dem Optionskäufer das Recht einräumt, eine Währung zu einem bestimmten Kurs und zu einem bestimmten Zeitpunkt oder innerhalb eines Zeitraumes zu beziehen oder zu liefern. Für dieses Recht zahlt der Käufer dem Verkäufer einen Preis (Optionsprämie). Der Verkäufer der Option übernimmt dafür die Verpflichtung, die Währung zu liefern oder entgegenzunehmen.

Devisenhandel für Einsteiger: Worauf Sie achten sollten

Viele Devisenspekulanten agieren nach fundamentalen oder charttechnischen Kriterien. Bei der fundamentalen Analyse spielen vor allem makroökonomische beziehungsweise wirtschaftliche Daten der jeweiligen Währungsräume und längerfristige Zeithorizonte eine Rolle. Bei der Chartanalyse werden hingegen die historischen Kursverläufe (englisch: Charts) und entsprechende technische Indikatoren analysiert und für eine Anlageentscheidung herangezogen. Die meisten Privatanleger handeln mit Hebelprodukten auf Euro/US-Dollar und andere Währungspaare. Hier locken vor allem die hohen Hebeleffekte. Ein Hebel von 50 bedeutet beispielsweise, dass sich der Wert eines Hebelprodukts um 50 Prozent bewegt, wenn der Wechselkurs sich um ein Prozent bewegt. Der Hebel wirkt jedoch in beide Richtungen. Es bestehen somit hohe Verlustrisiken. Anleger sollten daher ein diszipliniertes Risikomanagement verfolgen, um Verluste der Einzelpositionen als auch des gesamten Depots zu begrenzen. Ehe ein Anleger in den Devisenhandel einsteigt, sollte er sich zudem über die Währungspaare genau Gedanken machen. Der Euro/US-Dollar-Wechselkurs drückt aus, wie viel US-Dollar nötig sind, um einen Euro zu kaufen. Ein Anstieg dieses Wechselkurses bedeutet somit, dass der Euro stärker bzw. der US-Dollar schwächer wird. Sinkt der Wechselkurs zeugt dies von US-Dollar-Stärke bzw. Euro-Schwäche. Wer also einen stärkeren Euro erwartet, müsste in diesem Fall auf einen Anstieg des Euro/Dollar-Wechselkurses spekulieren. Wer mit einem stärkeren US-Dollar rechnet, müsste mit einem Kursrückgang des Wechselkurses spekulieren.

Devisenhandel für Anfänger

Über den Autor

Nach seinem BWL-Studium in Münster (Westfalen) startete Sebastian Bleser als Spezialist für strukturierte Finanzprodukte bei der Société Générale in Frankfurt. Im Jahre 2011 wechselte der Betriebswirt zur UniCredit nach München. Heute betreut in der Position des Directors im Bereich Corporate & Investment Banking der UniCredit das Zertifikate- und Hebelproduktegeschäft in Deutschland unter der Marke HypoVereinsbank onemarkets.

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