Die erste eigene Wohnung
17.08.2016

Die erste eigene Wohnung

Endlich alleine wohnen: Mit diesen Kosten müssen Sie rechnen

Raus von Zuhause und rein in die eigenen vier Wände – davon träumen viele junge Leute. Anstatt noch länger für herumliegende Klamotten oder den Geschirrberg in der Küche ermahnt zu werden, möchten sie tun und lassen können, was sie wollen. Der Studien- und Ausbildungsbeginn ist deshalb für viele von ihnen die passende Gelegenheit, das elterliche Nest zu verlassen und die Tür zur Selbstständigkeit aufzustoßen. Wie groß der Freiraum dahinter wirklich ist, hängt allerdings davon ab, ob der nächste Schritt in die eigene Wohnung oder eine Wohngemeinschaft führt. Denn der Vergleich zeigt: Nur wer allein über den Schlüssel zur Wohnung verfügt, kann darin auch sein eigener Chef sein.

Allein zu wohnen wünscht sich laut einer Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks jeder vierte deutsche Student. Sie auch? Dann sollten Sie sich vor dem Packen der Umzugskisten bewusst sein, dass eine eigene Wohnung in der Regel mehr Budget erfordert als der Einzug in eine WG. Denn ohne Mitbewohner müssen alle Kosten allein getragen werden – von den Aufwendungen bei der Wohnungssuche und -einrichtung bis hin zu monatlichen Zahlungen für Miete und Nebenkosten. Kalkulieren Sie deshalb frühzeitig, damit Ihnen nach Abzug der Wohnkosten zukünftig noch genügend Geld für andere Ausgaben zur Verfügung bleibt. Wir sagen Ihnen, welche Kosten Sie für den Traum von der ersten eigenen Wohnung einplanen müssen:

Ausgaben bis zur Schlüsselübergabe

Wer bei der Suche nach einer eigenen Wohnung Annoncen im Internet und in der Zeitung vergleicht, wird schnell feststellen, dass bereits vor dem Einzug in die eigenen vier Wände ein Kassensturz nötig ist. Zwar entfällt seit der Einführung des sogenannten Bestellerprinzips die bisher oft automatisch vom Mieter getragene Maklercourtage. Erhält man jedoch den Zuschlag für die Wohnung seiner Wahl, so muss beim Vertragsabschluss üblicherweise eine Kaution geleistet werden. Sie wird von Vermietern als Sicherheit gefordert für den Fall, dass beispielsweise die Miete nicht rechtzeitig gezahlt wird oder nach dem Auszug Schäden in der Wohnung zu beheben sind. In der Regel beläuft sich die Kautionssumme auf zwei bis drei Kaltmieten, sodass Sie bei Vertragsabschluss eine ausreichende Reserve auf Ihrem Konto haben sollten.

Die Zahlung der Kautionssumme kann auf verschiedene Arten erfolgen. Am gängigsten sind Barzahlungen, Überweisungen oder der Nachweis über ein sogenanntes Mietkautionssparbuch.

Diese kann auch notwendig werden, wenn die Wohnungseinrichtung in Angriff genommen wird. Da die meisten Wohnungen unmöbliert vermietet werden und lediglich mit einer Küchenzeile ausgestattet sind, müssen Bett, Tisch und alle anderen Möbel selbst beschafft werden. Wer dafür nicht zu tief in die Tasche greifen möchte, kann sich zunächst innerhalb der Familie und im Bekanntenkreis nach gebrauchtem Inventar umhören oder Kleinanzeigen im Internet danach durchsuchen. Dies empfiehlt sich auch für viele andere Einrichtungsgegenstände: So lässt sich mit Omas alten Kochtöpfen sicher noch ein leckeres Abendessen zaubern und mit dem Staubsauger aus dem Internet der Wohnungsputz erledigen. Und falls nach dem Einzug doch etwas fehlen sollte: Einfach mal beim Nachbarn fragen. Dank des gegenwärtigen Trends zur Sharing Economy ist sicher mit Hilfe zu rechnen – und einem netten Gruß im Hausflur in Zukunft sicher auch.

Je länger die Liste der vorab besorgten Möbel und Einrichtungsgegenstände jedoch ist, desto wichtiger wird im nächsten Schritt die Planung des Umzugs. Denn auch dafür sind Ausgaben erforderlich – beispielsweise für den Kauf von Umzugskartons oder die Anmietung eines Kleintransporters. Möchten Sie an dieser Stelle Kosten einsparen, dann stellen Sie sich frühzeitig ein paar Fragen: Haben Bekannte eventuell noch Umzugskisten? Kann der Nachbar Ihnen vielleicht seinen VW-Bulli für den Umzug leihen? Und wer hilft Ihnen eigentlich beim Umzug? Finden Sie am besten im Freundeskreis genügend helfende Hände, damit Sie keine zusätzlichen Umzugshelfer engagieren müssen.

Mehr als nur die Miete: die monatlichen Kosten

Folgt dann der Tag der Schlüsselübergabe, kann der Traum von der eigenen Wohnung endlich wahr werden: Kisten schleppen, Möbel aufbauen und vielleicht noch eine Lampe anklemmen. Jetzt sind Sie der Chef in Ihren vier Wänden! Planen Sie aber ein, dass am Ende des Tages nicht nur Ihre Helfer abgezogen sein werden, sondern auch die erste Miete von Ihrem Konto. Wie hoch sie ausfällt, hängt beispielsweise davon ab, auf wie vielen Quadratmetern sich nun Ihre Kisten sammeln, ob Ihre Wohnung in einer beliebten Metropole wie Hamburg oder München liegt und ob Sie dort eine Adresse mitten in der Innenstadt oder doch eher am Stadtrand gewählt haben. Damit Sie also in der ersten Nacht in Ihrem neuen Reich keinen Albtraum erleben, sollten Sie sich bei der Wohnungssuche bereits ein Limit für den Mietpreis gesetzt haben.

Ist im Mietvertrag eine Staffelmiete festgelegt, so erhöht sich die Mietsumme regelmäßig zu einem bestimmten Zeitpunkt, beispielsweise immer nach einem Jahr. Prüfen Sie die festgelegten Neubeträge direkt bei Vertragsabschluss.

Haben Sie zudem im Hinterkopf, dass jeden Monat zusätzlich zur sogenannten Kaltmiete verschiedene Nebenkosten zu zahlen sind. Diese Extraposten umfassen in der Regel Gebühren für die individuelle Nutzung von Heizung und Warmwasser sowie von der Hausgemeinschaft geteilte Kosten für zum Beispiel die Müllabfuhr und die Flurreinigung. Aufaddiert zahlen Studenten in Deutschland dadurch pro Monat eine Warmmiete von durchschnittlich 357 Euro. Darin allerdings nur teilweise inbegriffen ist der Verbrauch von Strom. Während etwa die Beleuchtung im Hausflur durch die Nebenkosten gedeckt ist, müssen Sie die in der Wohnung beim Kochen oder Fernsehgucken anfallenden Stromkosten direkt an einen von Ihnen gewählten Anbieter zahlen. Generell als Faustregel für Miete und Nebenkosten zu beachten: Die Ausgaben für diese Punkte sollten maximal ein Drittel Ihres monatlichen Budgets ausmachen.

Einen Schlussstrich unter die Rechnung ziehen können Sie nun allerdings noch nicht. Denn als Mieter einer eigenen Wohnung müssen Sie monatlich noch einige Zusatzkosten einplanen. Dazu zählen unter anderem die Gebühren für den Festnetz- und Internetanschluss, die dank Studenten- und Azubitarifen zwar recht günstig sein können, aber dennoch von Ihnen allein getragen werden müssen. Ebenso verhält es sich mit dem Rundfunkbeitrag: Er ist mit wenigen Ausnahmen verpflichtend zu zahlen, egal ob Sie nur mit Ihrem Laptop für die Uni recherchieren oder ab und zu auch den Fernseher oder das Radio anstellen.

Mit Vor(aus)sicht planen

Kalkulieren Sie alle diese Kostenpunkte ein, so können Sie den verbleibenden Rest Ihres Monatsbudgets ruhigen Gewissens im Supermarkt, für Klamotten, Freizeitaktivitäten und andere Zwecke ausgeben. Gleichzeitig ist es jedoch ratsam, sich ein finanzielles Polster anzulegen, um beispielsweise eine unerwartete Nachzahlung an den Stromanbieter leisten zu können oder die Reparatur der plötzlich defekten Waschmaschine stemmen zu können. Bezahlt werden kann von dem gesparten Geld zudem der Jahresbeitrag einer Hausratversicherung, die mögliche Kosten für durch Brand, Einbruch oder andere Ereignisse verursachte Schäden übernimmt. Wie Sie das Geld für diese Notreserve trotz laufender Kosten am besten ansparen? Behalten Sie Ihre Kontoausgaben im Blick oder führen Sie für ein paar Wochen ein Haushaltsbuch. Und keine Sorge: Sollten Sie dabei feststellen, dass Ihr Budget zu knapp ist, so gibt es genügend zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für Sie – vom Nebenjob bis hin zu BAföG, Stipendien oder einem Studienkredit.

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