Die Geschichte des Geldes
19.02.2015
Serie

Die Geschichte des Geldes

Die Geschichte des Geldes: Vom Papier zum Plastik

Papiergeld – täglich hantieren wir mit den bunten Scheinen. Doch haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, warum Sie Waren und Dienstleistungen für das an sich wertlose Papier erhalten? Die Antwort ist genauso einfach wie komplex: Der Wert von Papier- und Buchgeld beruht auf der Übereinkunft, ihm einen Wert zuzuweisen. Damit erfordern die abstrakteren Geldformen, die dem Münzgeld folgen, vor allem Vertrauen in diese geschlossene Übereinkunft und damit auch in die Wirtschaftskraft des Emittenten. Mit dem Beginn des Kapitalismus‘ lösten Geldbeziehungen feudale Herrschaftsstrukturen ab. Freiheit und die soziale Stellung waren nicht mehr qua Geburt festgeschrieben, sondern konnten nun erkauft werden. Geld hat unsere Gesellschaft mittlerweile vollständig durchdrungen. Heute können wir allem – von der Idee bis zur Insel – einen monetären Wert zuweisen. Lesen Sie im zweiten Teil über die Geschichte des Geldes, wie das flatterhafte Papiergeld zum Begleiter der handfesten Münzen wurde, um bald darauf vom unsichtbaren Buchgeld überflügelt zu werden.

Wie so vieles ist auch das Papiergeld eine Erfindung der alten Chinesen. Bereits im 7. Jahrhundert n. Chr. – als in Europa gerade zaghaft die ersten Münzen den Besitzer wechselten – nutzten die Chinesen bereits Papier als Zahlungsmedium. Die ältesten erhaltenen Geldscheine stammen aus der Ming-Dynastie im 14. Jahrhundert.

Der größte Geldschein der Weltgeschichte
Stattliche 23 cm breit und 32 cm lang war der größte Geldschein der Weltgeschichte, der von 1368 bis 1399 während der Ming-Dynastie gültig war.

Ganze tausend Jahre, nämlich bis 1661, sollte es dauern, bis auch die Europäer den Kniff mit dem Papier heraus hatten. Nachdem in Schweden die Silbermünzen knapp wurden, ließ die schwedische Nationalbank sogenannte „Credityf-Zedels“ drucken, auf denen zunächst noch Wert und Währung individuell eingetragen wurden. Eine händische Unterschrift auf Geldscheinen unterstützte noch bis ins 19. Jahrhundert hinein die Vertrauenswürdigkeit der neuartigen „Zettel“.

Frankreich, Italien, Norwegen und die US-Kolonien entdeckten schon bald die schwedische Innovation für sich. Nur in den deutschen Ländern hatte es das Papiergeld schwerer. Erst 1759 in Wien und sechs Jahre darauf in Preußen unter Friedrich dem Großen entsteht das „Banco-Pfund“ oder schlicht „Zettel“ genannte Zahlungsmittel.

Bis ins 20. Jahrhundert hinein berechtigte Papiergeld zum Umtausch in die entsprechende Summe Gold oder Silber. Daher betrachtete das Gros der Bevölkerung die Banknoten lange Zeit als Geldersatz. Noch im 19. Jahrhundert verband man die wertvollen „Zettel“ mit Zauberei, Alchemie und Hexerei. Entsprechend schleppend verbreiteten sie sich.

"I promise to pay the bearer on demand the sum of 5 Pounds"
Dieses Versprechen ist ein Relikt aus Zeiten, als jeder Geldschein in Münzgeld getauscht werden konnte. Es ziert noch heute mit dem entsprechenden Wert alle englischen Pfund-Noten.

Die deutsche Kleinstaaterei nach dem Wiener Kongress 1815 manifestierte die Zersplitterung des Geldwesens in viele Währungssysteme und ließ das Fälschertum erblühen. Das neue Papiergeld und die Unsicherheit der breiten Massen im Umgang mit dem unbekannten Medium erleichterten den Kriminellen das Handwerk. 1858 war nach zeitgenössischen Schätzungen jeder zehnte Geldschein eine Blüte. Eine Zeitschrift, in der es um die Unterschiede zwischen gefälschtem und echtem Geld ging, erreichte Rekordauflagen.

Fälschungssichere Blüten
1885 unternahm die Preußische Staatsdruckerei den ersten Versuch, Papiergeld fälschungssicher zu machen, indem sie bunte Pflanzenfasern in die Papiermasse mengten.

1875 wird mit dem Deutschen Kaiserreich die Reichsbank – die Vorläuferin der Deutschen Bundesbank – gegründet. Auch sie gibt Papiergeld heraus, dessen Annahme jedoch erst 1909 verbindlich wird. Bei ihrer Gründung stoppen 13 der 32 Notenbanken ihre Geldpressen für immer. Bis 1906 folgen auch die verbleibenden und das erste Mal in der Geschichte gilt in Deutschland nur eine einzige Währung: die Reichsmark. Das Umtauschrecht zu Gold – 1392 Mark je Pfund Feingold – sollte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 bestehen bleiben. Ebenfalls 1906 gibt die Reichsbank erstmalig Scheine in kleineren Stückelungen zu 50 und 20 Mark heraus. Damit wird das Papiergeld auch für breite Bevölkerungsschichten interessant. Betrug der Anteil „kleiner Scheine“ 1906 in etwa fünf Prozent, wuchs dieser Anteil bis 1913 auf 26,3 Prozent. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Papiergeld auch für Lohnzahlungen gebräuchlich.

Der kleinste Schein der Weltgeschichte
Laut Guinessbuch der Rekorde ist der rumänische 10-Bani-Schein, der 1917 als staatliches Notgeld herausgegeben wurde, der kleinste seiner Art. Er misst lediglich 4,5 Zentimeter in der Länge und 3,3 Zentimeter in der Breite.

Während des Ersten Weltkriegs verlieren die Wächter über Wirtschaft und Politik im Deutschen Reich die Kontrolle über das Geldsystem. Anders als die USA und Großbritannien finanziert Deutschland den Krieg nicht über Steuern, sondern hauptsächlich über Anleihen. Bis 1918 vervierfachte sich die Geldmenge pro Kopf, was eine massive Inflation zur Folge hatte. Angesichts der rasenden Geldentwertung besannen sich die Menschen wieder auf die Vorteile von Sachgeld und der Tauschhandel florierte. Die Ausgabe von Lebensmittelkarten 1917 unterstützte die Entmonetarisierung der Wirtschaft zusätzlich.

3.900.000.000.000.000.000.000 Mark
1922, während der Inflation, sind 7.500 Menschen rund um die Uhr mit Gelddrucken beschäftigt. So werden 10 Milliarden Geldscheine mit einem Nominalwert von 3.900 Trillionen Mark in Umlauf gebracht.

Trotz einer etwas unorthodoxen Deckung, nämlich als Hypothek auf das gesamte deutsche Staatsgebiet, wird die Rentenmark als 1923 neu eingeführte Währung gut angenommen. In einem Verhältnis von 1:1 Billionen können die Deutschen die entwertete Reichsmark in die neue Rentenmark eintauschen. Mit der Währungsreform endete die Inflation.

Papiergeld gab es damals wie heute nur in höheren Nominalen. Schon 1937 druckten die Nationalsozialisten Papiergeld in kleinen Stückelungen, um es bei Bedarf gegen Münzen aus kriegswichtigen Materialien tauschen zu können. 1940 wird aus dem Plan dann Wirklichkeit. Übrigens: Hitler lehnte es ab, selbst auf einem Schein zu prangen. Er wollte sich erst nach dem Endsieg auf Papiergeld verewigen.

Nach der Kapitulation Deutschlands 1945 brach das Geldsystem erneut zusammen und Tauschobjekte wie Zigaretten, Schokolade, Kaffee und Nylonstrümpfe übernahmen die Funktion von Geld. Mit der Währungsreform von 1948 wurden alle noch im Umlauf befindlichen Geldsorten und Übergangswährungen ungültig. Die D-Mark stabilisierte nicht nur das Währungssystem, sondern brachte den Deutschen auch bald das Wirtschaftswunder.

Weniger glückreich war die ostdeutsche Währungsreform. Bereits 1957 erklärt die noch junge DDR ihr Papiergeld überraschend wieder für ungültig. Die offizielle Begründung: West-Deutschland würde die Ost-Mark horten, um die Wirtschaft der DDR zu unterminieren und Spionagetätigkeiten zu finanzieren.

1964 druckte die DDR erstmals Kopfbilder auf ihre Geldnoten. Der 100-Mark-Schein war Marx vorbehalten, gefolgt von Engels auf dem 50-Mark-Schein. Die kleineren Nominalen wurden mit Humboldt, Schiller und Goethe besetzt. Erst nach 42 Jahren beendete die Deutsche Einheit die Teilung der Währungssysteme. Ab 1990 zahlen Deutsche in Ost und West mit der D-Mark.

Frauenquote für Geldscheine
Nach der Wende zierten Kopfbilder von Frauen und Männern die neuen D-Mark-Scheine erstmals paritätisch.

Die D-Mark als gemeinsame Währung des vereinten Deutschlands sollte nicht lange Bestand haben. Bereits in den 1990er Jahren starteten die Vorbereitungen zur europäischen Gemeinschaftswährung, dessen Vorgängerin die 1975 aus der Taufe gehobene Kunst- und Korbwährung ECU ist. 2002 wird der Euro als Bargeld nicht nur in Deutschland, sondern auch in Luxemburg, Finnland, Irland, Belgien, den Niederlanden, Österreich, Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland eingeführt. Der Abschied von der D-Mark als treuer Begleiter durch von Wohlstand und wirtschaftlicher Stabilität geprägte Jahre fällt manchen Deutschen noch heute schwer.

Keine sechzig Jahre nach den ersten Geldnoten fällt der Startschuss für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Deutschland: 1823 wird der Berliner Kassenverein gegründet, dessen erklärtes Ziel es war, bargeldlose Zahlungen zu ermöglichen. Anders als das Papiergeld entwickelte sich das Zahlen ohne Münzen und Scheine schneller. Bereits 1895 gab es in Deutschland ebenso viel Giroverkehr wie Bargeldumlauf. Auch der 1908 eingeführte Scheck erfreute sich schnell großer Beliebtheit, bot er doch erstmals die Möglichkeit, Buchgeld von Hand zu Hand weiterzureichen. Der Scheck ist das klassische Übergangsmedium vom Bar- zum Buchgeld. Ab den 1920er Jahren ermöglichte ein flächendeckendes Bankennetz das Girokonto für jedermann.

Und auch die Kreditkarte ist nicht erst eine Erfindung des Computer-Zeitalters: 1917 erfindet das Chicagoer Kaufhaus Sears einen Vorläufer des heute so beliebten Plastikgeldes, um das Anschreiben zu erleichtern. Die erste Kreditkartengesellschaft war der 1950 gegründete Diners Club, dessen Karte – wie es der Name schon sagt – zunächst nur in einigen New Yorker Restaurants akzeptiert wurde.

Seit Einführung des Giroverkehrs sinkt der Bargeldumlauf fortlaufend, während mit voranschreitender Digitalisierung der Gesellschaft die bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten stetig wachsen. 1980 besaßen eine halbe Million Deutsche eine Kreditkarte. Innerhalb eines Jahrzehnts verzwölffachte sich diese Zahl.

Nicht nur Banken, sondern auch Unternehmen wie PayPal, Apple oder Facebook bieten heute Möglichkeiten zum bargeldlosen Bezahlen an. Ist Bargeld bald ein Relikt vergangener Zeiten? Diese Frage versuchen wir im dritten und letzten Teil unserer Serie zu beantworten.

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