Ein Luftbild von Downtown Los Angeles.
30.09.2016
Trend

Die Überflieger

Die Überflieger: Das Geo-Start-up TerraLoupe

TerraLoupe hätte den Einsatzkräften in Italien helfen können. Nach dem schweren Erdbeben dort Ende August hätte die Software des Geo-Start-ups dem Katastrophenschutz freie Rettungswege aufzeigen und zerstörte Häuser erkennen können. Denn TerraLoupe verarbeitet und analysiert Luftbilddaten mittels Künstlicher Intelligenz. So produziert TerraLoupe Informationen, die Versicherern etwa die Risikoabschätzung erleichtern oder in der Katastrophenhilfe eingesetzt werden können. Nachfrage bei Gründerin und HVB-Mentee Manuela Rasthofer.

 

Bäume und Häuser intelligent erkennen

2015 gründeten Manuela Rasthofer (34), Sebastian Gerke (35) und Christian Schaub (35) TerraLoupe mit dem Ziel, ein analysiertes, digitales und vermessbares Modell unserer Umwelt als Informationsbasis zu schaffen. „Mit TerraLoupe können autonome Systeme wie selbstfahrende Autos oder Postzustelldrohnen ihre Umgebung bis ins kleinste Detail wahrnehmen. Wir nennen das eine intelligente Datenplattform“, sagt Manuela Rasthofer, eine von insgesamt sechs Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentorings 2016. Die 34-Jährige war viele Jahre im Bereich Automotive und in der Ausbildung und Simulation für Einsatzkräfte tätig. „In beiden Branchen habe ich einen hohen Bedarf an virtuellen Welten festgestellt, die aus Geobilddaten generiert wurden“, erklärt die Gründerin ihre Motivation, im Wachstumsbereich Geodaten und Deep Learing aktiv zu werden: „Für mich war es nur logisch, nicht nur ein ‚dummes‘ 3D-Modell zu nutzen, sondern auch Bäume, Häuser, Fenster und Straßenschilder intelligent erkennen zu können.“

Das Team

Die Gründer sind nicht nur seit vielen Jahren miteinander befreundet. Jeder kennt die Fähigkeiten des anderen in- und auswendig. Fähigkeiten, die sich bei TerraLoupe bestens ergänzen. „Sebastian Gerke ist der CTO bei TerraLoupe. Er forschte viele Jahre am Fraunhofer Institut im Bereich maschinelles Lernen und Bilderkennung. Christian Schaub sammelte nach dem Wirtschaftsingenieursstudium mehrjährige Erfahrung im In- und Ausland als Strategieberater und Start-up Venture Manager. Er ist der Finanzvorstand und verantwortet das operative Geschäft.“ Manuela Rasthofer verantwortet als CEO die Bereiche Sales und Business Development. Als studierte Elektrotechnikerin bringt sie viele Jahre an Expertise im Bereich Projektmanagement und Vertrieb ein. „Aber unterm Strich sind in einem Start-up alle Disziplinen gefragt.“

Morgens 8.30 Uhr in München-Schwabing

Apple-Chef Tim Cook soll von seinem iPhone stets um 3.45 Uhr geweckt werden, um E-Mails abzuarbeiten, Starbucks-Chef Howard Schultz schwingt sich jeden Tag um 4.30 Uhr aufs Rad und Twitter-Gründer Jack Dorsey geht regelmäßig 5.30 Uhr joggen. Bei US-amerikanischen Unternehmern scheint es fast zum Standard zu gehören, spätestens um 5 Uhr aufzustehen. Ganz anders in Schwabing. Seit Juli befindet sich hier die Zentrale von TerraLoupe. Und dort ticken die Uhren anders: „Wir starten am Morgen noch sehr human zwischen 8.30 und 9.00 Uhr“, sagt Manuela Rasthofer, „dafür sind unsere Abende oft sehr lang.“ Gegen 12.30 Uhr versucht das Team zwar in der großen Büroküche gemeinsam Mittag zu essen und sich dabei auszutauschen. Was momentan nur selten klappt: „Gerade baue ich neben dem Sales auch den Bereich PR und Marketing auf, wir haben unser Team verdoppelt und große Aufträge erhalten. Deshalb gibt es keinen sehr geregelten Tagesablauf.“

Platzhirsch am Geomarkt

Dass sich TerraLoupe innerhalb von 18 Monaten zu einem wichtigen Spieler im Bereich Objekterkennungen auf Geo-Daten entwickelt hat, liegt nicht nur am Know-how der Entrepreneure. „Es gibt kaum vergleichbare Unternehmen, da es bisher technologisch schwer möglich war, sehr große Datenmengen schnell zu verarbeiten.“ Erst der jetzige Technologiesprung habe eine Disruption ermöglicht, so Rasthofer. Nun sei man in die Lage, dem Kunden die gewünschte Information aus einer Hand zur Verfügung zu stellen. „Dabei bedienen wir die gesamte Wertschöpfungskette, vom Dateninput bis zur Schnittstelle beim Kunden.“ Hinzu kommt, dass TerraLoupe zwei aktuell sehr gefragte Disziplinen miteinander vernetzt, Big Data und Computer Vision. Das ist ein Grund dafür, dass beispielsweise Versicherer, aber auch die Automotive-, Gaming- und Baubranche, die Arbeit des 12-köpfigen Teams um Mitgründerin Manuela Rasthofer sehr aufmerksam verfolgen. „Unser Ziel ist es, eine Grundlagentechnologie zu bieten, auf die andere Firmen aufbauen können“, sagt Manuela Rasthofer, die TerraLoupe weltweit als führende Digitalisierungsfirma im Bereich Geo und neuronale Netze etablieren möchte.

Befliegungsfirmen als Partner

Dass TerraLoupe in der Lage ist, hochqualitative digitale Informationen liefern zu können, liegt vor allen an den Geobilddaten. Bereits heute gibt es eine große Zahl an Befliegungsfirmen, von denen das Start-up seine Geobilddaten bezieht. „Je nach Anwendungsfall nutzen wir einen dieser Lieferanten, zum Beispiel das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR).“ Von Partnern wie diesen beziehen Manuela Rasthofer und ihr Team nicht nur verschieden aufgelöste, sondern auch verschieden aufgenommene Daten. „Das können Nadiraufnahmen sein, also lotrecht von oben aufgenommene Bilder für Straßenkarten, oder Schrägluftbilder, sogenannte Oblique-Daten, auf denen man Häuserfassaden erkennen kann.“ Auch beim Thema Drohnen sind die Bayern ganz weit vorne, zukünftig wollen sie damit Luftaufnahmen in Echtzeit beziehen und verarbeiten. Logisch also, dass TerraLoupe bereits erste Partnerschaften geschlossen und ein Pilotprojekt mit Geobilddaten aus Drohnenflügen gestartet hat.

Sparring der Unternehmerinnen

Mit ihrem innovativen Geschäftsmodell hat Manuela Rasthofer bereits für einige Furore gesorgt: Platz 1 aller Phasen beim Münchener Businessplanwettbewerb 2015, erfolgreiche Seedfinanzierung unterstützt von BayStartUP, Finalistin des BILANZ-Gründerwettbewerbs „Start me up!“, Gewinnerin von Weconomy und Gewinnerin des HVB Gründerinnen-Mentorings. Womit wir noch einmal beim Thema wären und der Frage, was die Unternehmerin von ihrer Mentorin, Christine Frfr. von Münchhausen, erwartet? „Ich denke, dass ihr Input und ihre Beratung als erfahrene Geschäftsfrau sehr hilfreich für mich sein werden. Vor allem ihre Analysefähigkeit von Stärken und Schwächen im Team schätze ich sehr. Im Gegenzug biete ich einen Einblick in die Start-up-Welt und neue Technologien.“

Apropos neue Technologien: Manuela Rasthofer ist übrigens auch die diesjährige Gewinnerin der „Boot Camp“-Einführungswoche des German Accelerator (GA) Programms im Silicon Valley. Die Experten-Kommission des GA sieht gute Erfolgschancen für die neuartige Verarbeitung und Analyse von großen Mengen präziser Geo-Bilddaten. Der von der HVB gesponserte Aufenthalt in den USA ist Teil des sechsmonatigen HVB Mentoring-Programms, über den Manuela Rasthofer ausgiebig im HVB Corporate Blog und auf Instagram berichten wird.

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