Digitalisierung in der Bank
31.05.2016
Interview

Digitalisierung Banken

Digitalisierung: „Wir müssen veränderungswillig sein!“

Vor zwanzig Jahren prophezeite Bill Gates mit seiner Behauptung „Banking is necessary, banks are not“ das Ende der klassischen Banken. Damit der Microsoft-Gründer auch in Zukunft nicht Recht behält, müssten sich Banken in Teilen neu erfinden, betont Boris Scukanec Hopinski, Chief Digital Officer und Leiter Konzernentwicklung der HypoVereinsbank. Er steuert die Digitalisierung bereichsübergreifend, die dann dezentral in den einzelnen Geschäftsfeldern umgesetzt wird. Das Kundenerlebnis stehe dabei absolut im Mittelpunkt, so Scukanec Hopinski. Lesen Sie im Interview, was er über FinTechs denkt und wie die Bank den digitalen Wandel lebt!

Herr Scukanec Hopinski, warum ist die Digitalisierung ein so entscheidendes Thema für Banken?

Zwanzig Jahre Internet und acht Jahre Smartphone haben die Lebenswelt der Menschen verändert – und mit ihr die Erwartungshaltung unserer Kunden hinsichtlich Verfügbarkeit, Schnelligkeit, Nutzerfreundlichkeit und Transparenz von Bankdienstleistungen. Das haben wir frühzeitig erkannt und beispielsweise als erste Bank in Deutschland unser Privatkundengeschäft modernisiert und dabei Maßstäbe hinsichtlich der digitalen Zugangswege zu unseren Angeboten gesetzt. Auch unseren Unternehmenskunden bieten wir eine Palette digitaler Lösungen. Auf der anderen Seite drängen viele neue Wettbewerber auf den Markt, die mit modernen Technologien auf einzelne Anforderungen schnelle und innovative Antworten geben. Wir sehen die Potenziale dieser FinTechs und bringen sie dort mit unseren Stärken zusammen, wo Mehrwert für unsere Kunden entstehen kann.

FinTech-Fakten

Der Marktanteil von FinTechs liegt in Deutschland noch unter einem Prozent, bis 2019 wird er sich im Privatkundenbereich schätzungsweise auf acht bis zwölf Prozent erhöhen. Im Jahr 2015 sind weltweit im Durchschnitt rund zwei Milliarden US-Dollar Venture Capital pro Monat in den FinTech-Bereich geflossen.

Wo ergänzen FinTechs das klassische Bankengeschäft besonders?

Die Stärke der FinTechs liegt unter anderem darin, Trends in Bezug auf klassische Bankprodukte frühzeitig zu antizipieren und diese schnell zu bedienen. Sie haben eine hohe Umsetzungskompetenz und können ihre Infrastruktur in hoher Geschwindigkeit aufsetzen. FinTechs sind jedoch meist Monoliner – das heißt, sie bieten nicht alle Leistungen aus einer Hand an und sie verfügen auch nicht über langjährige und gewachsene Kundenbeziehungen. Hier liegen die Stärken der Banken – und dies gekoppelt mit viel Erfahrung und Know-how bei Finanzprodukten, Datensicherheit, Regulatorik und Risikomanagement. Wir sehen also komplementäre Potenziale bei den Banken und den FinTechs, die wir bei der digitalen Weiterentwicklung aller Geschäftssegmente und Prozesse, beispielsweise im Rahmen von Kooperationen, intelligent kombinieren müssen. Mittlerweile streben viele FinTechs nicht mehr nach einer eigenen Banklizenz. Sie haben erkannt, dass damit nicht nur Vorteile, sondern auch Verpflichtungen verbunden sind. FinTechs und Banken werden künftig noch enger kooperieren.

Bedeuten diese Veränderungen eher Chance oder Risiko?

Eindeutig Chance – sowohl für die Mehrwerte für den Kunden als auch die Effizienz der Bank. Die Digitalisierung bietet generell Potenziale für schnelle, innovative und veränderungswillige Banken. Durch Digitalisierung und neue Wettbewerber werden Innovationen beschleunigt. Sie eröffnen Chancen, um die Kundenbindung zu erhöhen, neue Kunden zu gewinnen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Welche wesentlichen Ziele verfolgt die Digitalisierungsstrategie der HVB?

Digitale Transformation heißt für die HypoVereinsbank, das Stammgeschäft umzugestalten und parallel neue Geschäftsfelder und -modelle zu entwickeln. Wir müssen sämtliche Neuerungen stets vom Kunden her denken. Impulse von außen sind dabei ebenso unabdingbar wie neue Wege der Innovation und deren Umsetzung. Wir müssen allem voran schneller werden. Neben Kooperationen mit Fintechs haben wir vor diesem Hintergrund unter anderem das HVB Innovation Lab ins Leben gerufen. Dort entwickeln wir in Co-Creation mit unserem Innovationspartner HYVE neue Kundenlösungen außerhalb der konventionellen Standardprozesse. Mit unserer Teilnahme am Accelerator-Programm unseres Partners Techfounders der UnternehmerTUM verstärken wir ferner den Austausch mit Start-up-Unternehmen und arbeiten zusammen mit diesen an Kundenlösungen. Und wir investieren selektiv direkt und über Venture Capital Funds in den Fintech-Sektor, um eine effiziente und strategisch wichtige Teilnahme an der digitalen Markt-Entwicklung sicherzustellen.

Wie müssen sich Banken wie die HypoVereinsbank verändern, damit Bill Gates nicht doch Recht behält?

Um digital erfolgreich zu sein, müssen wir veränderungswillig sein. Es zählen Geschwindigkeit, unbedingter Umsetzungswille, eine gelebte Trial-and-Error-Kultur und der starke Fokus auf das Kundenerlebnis beziehungsweise die Nutzerfreundlichkeit. Der Wandel muss in den Köpfen aller stattfinden. Dieser Kulturwandel ist natürlich elementarer Bestandteil unserer Digitalisierungsaktivitäten. Wir begleiten diesen Wandel unter anderem mit diversen Schulungsangeboten für unsere Mitarbeiter sowie eigens dafür geschaffene Formate wie „Hackathons“. Auch die oben beschriebenen Aktivitäten wie das HVB Innovation Lab und das Accelerator-Programm der Techfounders tragen zu diesem Kulturwandel bei.

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