14.01.2016
Trend

Energetische Gebäudesanierung

Winter Warm-up: Energiewende im Eigenheim

Wärmeschutzfenster, Holzpelletheizung, Dachdämmung: Eine energetische Gebäudesanierung schont nicht nur die Umwelt, sondern langfristig auch den Geldbeutel. Wer den eigenen vier Wänden eine Verjüngungskur verpassen möchte, sollte möglichst frühzeitig einen Energieberater zu Rate ziehen. Er unterstützt bei der Erstellung eines schlüssigen Modernisierungskonzepts und sorgt im Förderdschungel für den nötigen Überblick.

In deutschen Privathaushalten sind Heizung und Warmwasser die Energiefresser Nummer eins. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorschutz fallen rund 85 Prozent des Energiebedarfs allein auf diese beiden Posten. Der Grund: Rund 75 Prozent der 18 Millionen Wohngebäude in Deutschland wurden vor der ersten Wärmeschutzverordnung (EnEV) von 1978 errichtet. Also lange bevor der Staat gesetzliche Anforderungen an den Wärmeschutz von Gebäuden stellte. Die Folge: hohe Kosten, wenig Wärme – viele dieser Häuser sind nämlich bis heute gänzlich unsaniert. „Besonders Häuser aus den 50er- und 60er-Jahren sind oftmals in einem energetisch schlechten Zustand“, weiß Thorsten Grünig, Energieberater beim Energie und Thermografie Centrum Hamburg. „Marode Fenster und Dächer zählen zu den klassischen Schwachstellen. Sie sorgen dafür, dass die Energie fast ungehindert nach draußen verpufft.“ Dass hier gespart werden kann, liegt auf der Hand. „Durch fachgerechtes Sanieren und moderne Gebäudetechnik lässt sich der Energieverbrauch um bis zu 70 Prozent reduzieren“, so Grünig. „Außerdem können Sanierungswillige von staatlichen Förderprogrammen profitieren.“ Auch bei neueren Häusern gäbe es häufig Optimierungspotenzial, ergänzt der Experte. „Zum Beispiel lässt sich durch einen hydraulischen Abgleich der Heizung mit wenig Aufwand bis zu 15 Prozent Energieersparnis rausholen.“

Energieberatung: Vor dem Sanieren informieren!

Bei seiner täglichen Arbeit unterstützt der 56-Jährige Hausbesitzer dabei, ihre Energiekosten in den Griff zu bekommen. Meistens kommen sie auf ihn zu, wenn sie ohnehin eine größere Sanierung planen. Aber auch potenzielle Käufer von älteren Immobilien nehmen seine Dienste gerne in Anspruch, um den Sanierungsbedarf des Gebäudes festzustellen. Wie ein Detektiv untersucht der Energieberater dann die Objekte, klettert auf Dachböden oder steigt in muffige Heizungskeller hinab. Gut eine Stunde dauert seine Inspektion. Dabei checkt er das Haus von Kopf bis Fuß und spürt zum Beispiel mit einer Wärmebildkamera undichte Stellen und feuchte Wände auf. Danach klopft er die Vorstellungen der Eigentümer ab und spricht ihnen eine Sanierungsempfehlung aus. „Anhand meiner Ergebnisse erstelle ich ein Gutachten, in dem die notwendigen Maßnahmen und eine Berechnung von Einsparungen, voraussichtlichen Kosten und Amortisationszeit enthalten sind. Zusätzlich bekommen sie eine Übersicht über staatliche Förderprogramme, die sie für ihr Vorhaben in Anspruch nehmen können.“

Durchblick im Förderdschungel

Auf Wunsch begleitet der Hamburger Energieberater seine Kunden auch während der gesamten Sanierungsphase. Dabei unterstützt er beim Einholen und Prüfen von Angeboten, übernimmt Baubetreuung und Qualitätssicherung und hilft bei der Beantragung von Fördergeldern. Bei den vielfältigen Programmen den Durchblick zu behalten, ist für Laien nämlich alles andere als leicht. Verschiedenste Fördertöpfe von Staat, Ländern und Kommunen stehen in Form von Zuschüssen und günstigen Krediten sowohl für Einzelmaßnahmen als auch für Komplettsanierungen zur Verfügung. „Je nach Vorhaben und Region können die Fördermöglichkeiten allerdings sehr unterschiedlich sein“, erklärt Katrin Müller, Immobilienfinanzierungsexpertin bei der HypoVereinsbank in Hamburg. „Neben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt’s zum Beispiel auch Finanzspritzen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Hinzu kommen regionale Förderprogramme, hier in der Hansestadt zum Beispiel von der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB). Unter Umständen lassen sich verschiedene Förderprogramme auch miteinander kombinieren.“ Modernisierern empfiehlt die Finanzierungs-Expertin, sich mit dem Fördergeld-Service der Wüstenrot konkret über die Fördermöglichkeiten der geplanten Maßnahme zu informieren. „Die Kosten für eine Energieberatung sind übrigens förderfähig“, ergänzt Grünig. „Bei der Erstberatung übernimmt der Staat bis zu 60 Prozent, bei der Modernisierungs-Begleitung bis zu 50 Prozent.“

Finanzierung: Für jedes Bedürfnis die passende Lösung

Die Vergabe von Förderkrediten erfolgt meist über das sogenannte Hausbankverfahren. Das bedeutet, dass die Bank als “Vermittler” zwischen Antragsteller und Förderinstitut fungiert und bei einer Zusage auch das subventionierte Darlehen ausbezahlt. „Für ein konkretes Finanzierungsangebot gilt es dann, die individuellen Voraussetzungen und Bedürfnisse des Kunden genau zu analysieren“, erläutert Müller. „Gerade bei größeren Finanzierungen bindet er sich schließlich für einen langen Zeitraum. Finanzierungskredite haben in der Regel eine Laufzeit von einem bis zu 35 Jahren.“ Dabei prüft die Bank zum einen, welche monatliche Finanzierungsrate der Kunde überhaupt tragen kann. Auf der anderen Seite wird die Immobilie unter die Lupe genommen und geguckt, ob es beispielsweise schon bestehende Finanzierungen gibt oder ob noch freie Grundschulden für die Modernisierung zur Verfügung stehen. „Bei kleineren Vorhaben von bis zu 30.000 Euro ist die Beantragung eines Darlehens oft deutlich einfacher“, so die 28-Jährige. „Für einen kurzfristigen ‘Tapetenwechsel‘ eignet sich beispielsweise oftmals das Wüstenrot Wohndarlehen Turbo, das der Kunde schnell, unbürokratisch und vor allem ohne Grundschuldeintragung beantragen kann.“

Modernisieren mit Augenmaß

Da sie als Bankberaterin die Immobilie in der Regel nicht kenne, sei es für die Erstellung eines Finanzierungsangebots sehr hilfreich, wenn Kunden bereits einen Kostenvoranschlag, zum Beispiel ein Gutachten eines Energieberaters vorlegen könnten, ergänzt Müller. Qualifizierte Berater findet man übrigens bei Organisationen und Verbänden, die eigene Zertifikate vergeben, darunter die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Deutsche Energieagentur (Dena), das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sowie viele Verbraucherzentralen und Handwerkskammern. Um ein Gebäude im energetischen Gleichgewicht zu halten, rät ein qualifizierter Energieberater gelegentlich auch von einer staatlichen Förderung ab. „Manchmal kann es sinnvoller sein, nur nach den Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu sanieren und auf die Fördergelder zu verzichten“, so Grünig. „Das gilt vor allem bei Fenstern. Die KfW verlangt im Rahmen einer Förderung eine Dreifachverglasung. Gerade bei älteren Häusern hat das zur Folge, dass die Fenster besser isolieren als die Wände und sich die Feuchtigkeit auf den Mauern niederschlägt, was zu Schimmelbildung führt. In diesem Fall macht es Sinn, auf die Förderung zu verzichten und günstigere Fenster zu nehmen.“

Sie möchten sich über den wärmetechnischen Zustand Ihres Gebäudes und die Wirtschaftlichkeit von Modernisierungsmaßnahmen informieren? Mit unserem ModernisierungsCheck bekommen Sie einen ersten Überblick.

  1. Andrea Kantioler
    29. Januar 2016, 17:47

    Hallo Herr Streubel,
    vielen Dank für Ihren Kommentar! Die Daten zum Energiebedarf deutscher Haushalte stammen vom Bundesamt für Naturschutz, Umwelt, Bau und Reaktorsicherheit – mit Klick auf den Link können Sie die Informationsquelle direkt einsehen. Ob ein hydraulischer Abgleich zur Senkung des Energiebedarfs beitragen kann, hängt sicherlich vom Einzelfall ab. Sie haben vollkommen Recht, dass diese Maßnahme keine Universallösung bieten kann. Um unseren Lesern verschiedene Einsparpotenziale aufzuzeigen, haben wir uns dennoch dafür entschieden, diese Option anzusprechen.
    Viele Grüße,
    Andrea Kantioler

  2. Henner Streubel
    27. Januar 2016, 14:17

    Ich weiß ja nicht, wie diese Daten von wem erhoben werden, bei mir werden nur 40% des Gesamtenergie-Verbrauches im Haus für Heizung und WW benötigt.
    Auch der hydraulische Abgleich wird total überbewertet, weil es zu viele „wenn’s“ dabei zu berücksichtigen gilt.

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