27.11.2015
Tipp

Enkeltrick

Enkeltrick: Mit diesen 5 Tipps schützen Sie Ihre Familie

„Rate mal wer dran ist!“ und „Oma, ich brauche Geld!“ – mit diesen beiden Aufforderungen erschleichen sich mafiöse Banden jedes Jahr Hunderttausende Euro. Am Telefon gaukeln die Kriminellen vertrauensseligen alten Menschen vor, ein enger Verwandter zu sein, der sich in akuten finanziellen Schwierigkeiten befindet. Mal wird für ein Immobiliengeschäft schnell Geld benötigt, mal für eine Ladeneröffnung. Doch immer hängt die Zukunft des „Enkels“ daran, schnell an Bargeld zu kommen. Oft als Bagatelle belächelt, ist der Enkeltrick Teil der organisierten Kriminalität und hat weitreichende Folgen für die Opfer und deren Familien. 2014 entstand durch den Enkeltrick allein in München ein Schaden von über einer halben Million Euro, bundesweit ein von mehreren Millionen  Euro. Doch schwerer als der finanzielle Verlust wiegt für die Opfer das traumatische Erlebnis. Angst, ins Altersheim abgeschoben oder entmündigt zu werden, Selbstzweifel bis hin zu Depressionen belasten die Geschädigten. Einer dieser Betrugsfälle konnte durch das beherzte Eingreifen von Markus Scherübel, Berater bei der HypoVereinsbank, in letzter Sekunde verhindert werden. Für seine mutige Tatkraft wurde er kürzlich von der Polizei München ausgezeichnet! Uns gibt er fünf Tipps, was Angehörige tun können, um Ihre Eltern, Tanten, Onkel oder Großeltern vor dem Enkeltrick zu schützen.

1. Misstrauen schulen

„Wie konnte das nur passieren? Mutter ist doch geistig topfit!“ Haben die Enkeltrickbetrüger zugeschlagen, sind Opfer wie Angehörige oft fassungslos. Denn die meisten alten Menschen kennen den Enkeltrick und dennoch gehen sie den Ganoven auf den Leim. Schuld daran ist eine Gehirnregion, die als unser Frühwarnsystem für ein „ungutes Gefühl“ sorgt. Studien haben gezeigt, dass deren Aktivität im Alter nachlässt. Als Folge können betagte Menschen Risiken schlechter abschätzen und sind vertrauensseliger. Machen Sie diesen Umstand Ihren Eltern oder Großeltern bewusst und schulen Sie so deren Misstrauen.

2. Nehmen Sie den Druck raus

Ihre Effizienz steigern die oft in Familienclans organisierten Banden durch Arbeitsteilung. Der sogenannte „Keiler“ sitzt am Telefon und ist darauf geschult, die Opfer um den Finger zu wickeln und Druck aufzubauen. Greift das „Wildschwein“ an, macht es alte Menschen blind vor Sorge um den vermeintlichen Verwandten in Not. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen und machen Sie deutlich, dass weder Kinder, Neffen, Nichten noch Enkel einen derartigen Druck aufbauen würden. Auch nicht, wenn sie sich in einem finanziellen Engpass befinden.

3. Verabreden Sie Kontrollfragen

Kontrollfragen nach dem Geburtstag, der Adresse oder gemeinsamen Erlebnissen beenden den Telefon-Spuk in der Regel sofort. Verabreden Sie mit Ihren Angehörigen, dass sie am Telefon nie über Finanzen sprechen, ohne sich vorher über Kontrollfragen oder Codewörter der Identität des Anrufers versichert zu haben. Vereinbaren Sie außerdem, zunächst das Gespräch zu beenden und selbst zurückzurufen, wenn es in einem Telefonat um Geld geht.

4. Kein Geld an Unbekannte

Am Ende eines jeden Enkeltricks kommt das „Abholer“ genannte Bandenmitglied und vollzieht seine „Jobbezeichnung“: Er oder sie holt das ergaunerte Geld direkt bei den Opfern ab. Versichern Sie den alten Menschen in Ihrem Umfeld, dass kein Familienmitglied jemals einen Fremden schicken würde, um Bargeld abzuholen. Auch nicht in einer Ausnahmesituation!

5. Ändern Sie den Telefonbucheintrag

Im Telefonbuch sucht der „Keiler“ seine Opfer anhand „alt“ klingender Vornamen aus. Kurt, Hans, Inge oder Adelheid stehen im Fadenkreuz der Banditen, während sie Leon, Julian, Mareike oder Nathalie links liegen lassen. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen darüber und bieten Sie an, den Telefonbucheintrag zu ändern. Sie können entweder den Vornamen weglassen oder ihn abkürzen. Übrigens: Enkeltrick-Gauner schlagen gerne zweimal zu. Es lohnt sich also, den Eintrag auch noch nach einer Tat zu ändern.

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