Erbschaft
23.02.2015

Erbfall

Erbschaft: Was im Ernstfall zu tun ist

Das deutsche Erbrecht ist eine Wissenschaft für sich. Bevor Hinterbliebene ihr Erbe antreten können, müssen sie viele, oft auch fristgebundene Formalitäten und Behördengänge erledigen. Wir erklären Ihnen, was auf Sie zukommt, wenn ein Angehöriger verstirbt und was es bei einem Erbfall zu beachten gilt.

Neben der Bewältigung ihrer Trauer wird Angehörigen im Todesfall viel Tatkraft abverlangt. Auch wenn sie sich nach dem Verlust eines geliebten Menschen nur noch zurückziehen möchten, sind viele Dinge zu regeln. Die Bestattung muss organisiert, Todesanzeigen geschaltet, Freunde, Bekannte, gegebenenfalls auch der Arbeitgeber, müssen informiert werden. Obwohl es gerade am Anfang schwerfällt, einen klaren Kopf zu behalten: Vielen hilft diese Ablenkung auch, nach dem ersten Schock besser mit ihrer Trauer zurecht zu kommen.

Notwendige Behördengänge und Dokumente

Verstirbt ein Mensch in den eigenen vier Wänden, muss ein Arzt zunächst einen Totenschein ausstellen. Dieser wird benötigt, um den Sterbefall innerhalb einer Frist von drei Werktagen beim zuständigen Standesamt anzuzeigen. Ist der Tod im Krankenhaus, Alten- oder Pflegeheim eingetreten, wird beides automatisch vom Einrichtungsträger erledigt. Im nächsten Schritt muss ebenfalls beim Standesamt eine Sterbeurkunde beantragt werden. Diese ist sowohl für die Bestattung als auch für die Nachlassregelung bei Behörden, Versicherungen und Banken eine notwendige Voraussetzung. Auf Wunsch wird auch der beauftragte Bestatter den Gang zum Standesamt übernehmen. Dazu benötigt er einige Dokumente: In der Regel Geburtsurkunde, Personalausweis, Totenschein, und, sofern vorhanden, Heirats- oder Scheidungsurkunde. Nach Erhalt der Sterbeurkunde ist der Todesfall unverzüglich der Rentenversicherung zu melden. Dort wird dann geprüft, ob ggf. Hinterbliebenenansprüche, zum Beispiel in Form einer Witwenrente, bestehen oder ob zu viel erhaltene Rentenbeträge möglicherweise zurückgezahlt werden müssen.

Woher weiß man, ob man Erbe ist?

Viele Erblasser informieren ihre Angehörigen schon zu Lebzeiten, wer den Nachlass einmal erhalten soll. Passiert das nicht, ist unmittelbar nach dem Tod zunächst noch offen, wer eigentlich Erbe geworden ist. „Nach jedem Sterbefall übermittelt das Standesamt seine Informationen an das Zentrale Testamentsregister der Bundesnotarkammer (ZTR). Dort wird dann geprüft, ob erbfolgerelevante Urkunden in notarieller oder gerichtlicher Verwahrung sind“, erklärt Dominik Hüren, Pressesprecher der Bundesnotarkammer in Berlin. Ist zum Beispiel ein Testament hinterlegt, veranlasst die Bundesnotarkammer die Übermittlung des Dokuments an das Nachlassgericht. Finden Angehörige ein privat verwahrtes Testament, so muss auch dieses beim Nachlassgericht eingereicht werden. Nach einigen Wochen erfolgt dort dann die Testamentseröffnung und die darin bestimmten Erben und sonstigen Beteiligten, zum Beispiel die Pflichtteilsberechtigten, werden informiert. Ist kein Testament oder Erbvertrag vorhanden, kommt die gesetzliche Erbfolge zur Anwendung. Hierbei bestimmt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) die Erben entsprechend ihres Verwandheitsgrads.

Annahme oder Ausschlagung der Erbschaft

Ist der vorläufige Erbe bzw. die Erbengemeinschaft ermittelt, bedarf es in Deutschland – anders als zum Beispiel in Spanien – keiner offiziellen Annahmeerklärung. Wird die Erbschaft nicht binnen einer Frist von sechs Wochen (befindet sich der Erbe im Ausland, gilt eine Frist von sechs Monaten) beim Nachlassgericht ausgeschlagen, gilt sie als angenommen. Die Ausschlagungsfrist beginnt, sobald der Erbe vom Anfall seiner Erbschaft erfahren hat. Bei einem Testament ist das meist der Zustellungszeitpunkt der Testamentseröffnungsurkunde. Mit dem Anfall der Erbschaft gehen nicht nur Vermögenswerte, sondern auch Verbindlichkeiten auf den Erben über. Das können etwa Verträge mit Strom-, Gas, Wasser- oder Telefonanbietern, Zeitschriftenabos, Mitgliedschaften in Vereinen sowie Versicherungen und Bankkonten sein. Kündigungen und Widerrufe sollten Erben allerdings nicht überstürzt angehen. In manchen Fällen kann hierin nämlich eine „schlüssige Annahmehandlung“ gesehen werden, die eine spätere Ausschlagung der Erbschaft unmöglich macht. „Gleichwohl hat der Erbe die Chance, seine Annahmeerklärung rückwirkend anzufechten. Das ist zum Beispiel dann möglich, wenn er zum Zeitpunkt der Annahme noch nicht wusste, dass der Nachlass überschuldet ist“, erklärt Hüren.

Den Nachlass regeln

Zur Nachlassregelung müssen sich Erben gegenüber Dritten, zum Beispiel Banken, Versicherungen oder dem Grundbuchamt, legitimieren. Um etwa Konten auflösen oder Immobilien umschreiben zu können, ist grundsätzlich ein Erbschein vorzulegen, der beim Notar oder Nachlassgericht kostenpflichtig beantragt werden muss. Alternativ zum Erbschein kann auch ein notarielles Testament oder ein Erbvertrag mit amtlicher Eröffnungsniederschrift als Erbnachweis ausreichen. Die Gebühren für den Erbschein errechnen sich anhand des hinterlassen Vermögenswerts. Für die Beantragung sind einige Dokumente notwendig: Unter anderem Sterbeurkunde und, sofern vorhanden, eine beglaubigte Abschrift des Erbvertrags oder Testaments. Ist der Erbschein erteilt, kann die Nachlassregelung beginnen. Hinterlässt der Verstorbene mehrere Erben als Erbengemeinschaft, verursachen Streitigkeiten allerdings häufig Probleme. Großes Konfliktpotenzial birgt oft das Bankkonto. Eine Erbengemeinschaft kann nämlich nur einvernehmlich Auszahlungen veranlassen oder Überweisungen tätigen. „Hat der Verstorbene eine Bankvollmacht für sein Konto hinterlassen, erleichtert das natürlich Vieles“, erklärt Michaela Bernhart, Nachlassexpertin bei der HypoVereinsbank in Augsburg. „Ist das nicht der Fall, müssen sich die Erben zunächst einigen. Solange sind uns als Bank die Hände gebunden“, so Bernhart.

Erbauseinandersetzung: Wer bekommt was?

Die Teilung des Erbes ist ein kompliziertes Unterfangen. Greift die gesetzliche Erbfolge, kommt es auf die konkreten Familienverhältnisse an. Lebte der Erblasser zum Beispiel in einer Zugewinngemeinschaft, erbt der Ehepartner in der Regel die Hälfte des Nachlassvermögens. Sofern Kinder vorhanden sind, erhalten diese das restliche Vermögen jeweils zu gleichen Teilen. Hat der Erblasser ein Testament hinterlassen, ist die Verteilung unter den Erben weitgehend vorgegeben. Trotz testamentarischer „Enterbung“ steht Abkömmlingen des Erblassers, also Kindern, Enkeln, Urenkeln, sofern diese nach der gesetzlichen Erbfolge erbberechtigt sind, allerdings ein sogenannter Pflichtteil zu. Gleiches gilt für den Ehepartner sowie die Eltern des Erblassers. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des Werts des gesetzlichen Erbteils und ist von dem oder den Erben mit sofortiger Fälligkeit zum Erbfall als Geldforderung zu begleichen. Eine Schenkung des Erblassers an den späteren Pflichtteilsberechtigten mindert den Pflichtteilsanspruch nur dann, wenn bei der Schenkung bestimmt worden ist, dass sie auf den Pflichtteil anzurechnen ist. Hat der Erblasser innerhalb eines Zehn-Jahres-Zeitraums vor seinem Versterben Schenkungen vorgenommen und dadurch den Pflichtteil gemindert, so steht dem Pflichtteilsberechtigten ein Pflichtteilsergänzungsanspruch zu.

In unserer Checkliste finden Sie nähere Informationen über die gesetzliche Erbfolge und einen ersten Überblick über Erbschaftssteuersätze und Freibeträge.

Checkliste Erbschaft

  1. Lisa Severin
    30. August 2017, 10:47

    Liebe Frau Schmidt,
    um Ihren Einzelfall zu klären, wäre es schön, wenn Sie uns detailierte Informationen an socialmediasupport@unicredit.de schicken. Wir hoffen, wir können Ihnen dort weiterhelfen.
    Viele Grüße,
    Lisa Severin

  2. Katrin Schmidt
    29. August 2017, 10:55

    Hallo Frau Kantioler,
    bei mir geht es um eine Erbgemeinschaft, die alle Papiere zusammen hat und nur noch auf die Auszahlung warte.
    Aber sie werden immer vom Filialleiter einer Hypo Bank – Berlin vertröstet weil die Bearbeitung in Polen stattfindet. Ist diese Aussage richtig und warum in Polen?

    Vielen Dank
    Schmidt

  3. Niko Karcher-Jüngling
    13. April 2017, 14:32

    Hallo Klatte Kesslin, falls kein Testament vorhanden ist, kommt die gesetzliche Erbfolge zum Tragen. Hier erben zunächst der Ehepartner und die eigenen Kinder bzw. deren Nachfahren, danach die Eltern der Verstorbenen bzw. deren weitere Nachfahren (also Geschwister) bzw. wiederum deren Nachfahren. Infos dazu finden Sie auch nochmal bei der Bundesnotarkammer unter http://www.bnotk.de/Buergerservice/Informationen/Erben/Erbfolge.php. Viele Grüße, Niko Karcher

  4. Klatte Kesslin
    13. April 2017, 7:39

    außerdem muß man erst mal wissen ob es sich rentiert seinen anspruch geltend zu machen. Schließlich kriegt man erst Auskunft über alles wenn man den Erbschein hat.

  5. Klatte Kesslin
    13. April 2017, 7:33

    mein verstorbener mann ist d. bruder der erblasserin. wir haben einen 14-j. sohn. ich lebe in münchen. die verstorbene ist verheiratet und hat ein haus in berlin. dies wiederrum wurde beerbt zu gleichen teilen von den eltern meines mannes u. der erblasserin.problem ist das ich nicht weiß ob mein sohn (also neffe) erbt o. nicht u. ob es sich lohnt überhaupt nachzufragen. vielen dank

  6. Andrea Kantioler
    22. Januar 2016, 15:31

    Lieber Herr Dobokay,
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar! Rechtlich korrekt verhält es sich mit dem Pflichtteilsanspruch so: Der Pflichtteilsanspruch entsteht mit dem Tod des Erblassers, die Forderung ist also sofort fällig. Wie immer, wenn jemand einen Anspruch, also eine schuldrechtliche Forderung hat, kann er diesen Anspruch geltend machen, er muss es aber nicht. Der Erbe ist also nicht von sich aus verpflichtet, dem/den Pflichtteilsberechtigten den Pflichtteil „aufzudrängen“, sondern er muss ihn nur erfüllen, wenn er auch geltend gemacht wird. Der Pflichtteilsanspruch verjährt nach drei Jahren, genauer gesagt beginnt die Verjährungsfrist mit Ablauf des Todesjahres und endet mit Ablauf des dritten darauf folgenden Jahres. Nach Ablauf der Verjährungsfrist kann sich der Erbe auf die Verjährung berufen.
    Beste Grüße,
    Andrea Kantioler

  7. Jens Dobokay
    21. Januar 2016, 12:54

    wobei zu beachten ist, dass das Pflichtteil nicht automatisch fällig wird sondern von den Pflichtteilsberechtigten innerhalb einer Frist von 3 Jahren gefordert werden kann.

  8. Jürgen Kellner
    5. Januar 2016, 10:37

    Hallo,
    auch wenn die/der Verstorbenebis zum Ableben in einem Seniorenwohnheim gewohnt hat, ist einiges zu beachten: zur Kündigung des Mietverhältnisses ist eine Betreuungsverfügung, die ausdrücklich über den Tod hinhaus gilt, vorzulegen. Andernfalls ist das nur mttels Erbschein möglich. Bei mehreren Erben ist das nur geminschaftlich möglich!
    Viele Grüße
    Jürgen Kellner

  9. Andrea Kantioler
    15. September 2015, 15:08

    Hallo Herr Meier, auch wenn der Verstorbene im Ausland gelebt hat und eine andere Rechtsordnung zur Anwendung kommt, ist davon auszugehen, dass die jeweils zuständige Stelle versucht, den oder die Erben im In- und Ausland zu ermitteln und zu benachrichtigen. Haben Sie nach dem Tode einer im Ausland lebenden Person Sorge, dass Sie zwar erben würden, aber hierüber nicht benachrichtigt werden, ist anzuraten, sich an einen Anwalt im betreffenden Ausland zu wenden.
    Viele Grüße, Andrea Kantioler

  10. meier
    10. September 2015, 9:50

    das gilt nur innerhalb Deutschlands. Was ist wenn die verstorbenen im Ausland leben? dann erfährt man doch nie etwas!!

  11. Simone
    21. Juli 2015, 17:02

    Hallo Hackel,
    mal ne Info..
    Gruß Hansel

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