23.12.2012

Wirtschaftsregion Erzgebirge

Neue Boten aus dem Weihnachtsland

Hölzerne Räuchermänner, Nussknacker und Engelsorchester erzählen die faszinierende Geschichte vom Rohstoffreichtum und ökonomischen Erfindergeist der Menschen im Erzgebirge. Das soll seinem Namen bald wieder alle Ehre machen. Denn unter der Erde lagern Fluss- und Schwerspat-Minerale, deren Preise auf dem Weltmarkt mittlerweile so gestiegen sind, dass sich das Schürfen im Erzgebirge wieder lohnt.

Der Nussknacker ist wohl der berühmteste Botschafter des Erzgebirges – und hat eine glänzende Karriere hinter sich: Vom Weihnachtsaccessoire des 19. Jahrhunderts hat er es hinauf in die Höhen der Kultur geschafft und weltweite Populariät erlangt. Und sein Siegeszug ist noch nicht zu Ende, denn heute liegt der Nussknacker wieder voll im Trend, ebenso wie andere erzgebirgische Kulturschätze der Schnitzkunst.

Exportschlager mit Konkurrenz aus Fernost

Allerdings hat die Beliebtheit des Kunsthandwerks auch eine Kehrseite: Selbst in Deutschland müssen sich die handgefertigten Figuren der Billigkonkurrenz aus Fernost stellen, die mit maschinengefertigten Imitaten den Markt überschwemmt. Käufer mit Traditionsbewusstsein sollten daher darauf achten, woher die Produkte stammen. Orientierung bietet das Logo “Echt Erzgebirge – Holzkunst mit Herz” mit dem kleinen Piktogramm eines Reiterleins auf einem Schaukelpferd. Es ist zugleich Herkunfts- und Gütesiegel des Verbands Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller.

Deutsch-deutscher Konsumboom

Für die DDR waren die Produkte aus dem Erzgebirge ein wichtiges Exportgut und eine subventionierte Devisenquelle. Ein Großteil der Produktion ging in die Bundesrepublik – oder fand bereits in den USA oder Japan Abnehmer. Der Fall der Mauer brachte einen neuerlichen Umbruch. “Nach der Wiedervereinigung haben sich die Preise fast verdoppelt. Viele Käufer wussten gar nicht, dass die Produkte vorher subventioniert waren”, sagt Alfred Lutherer, der 1953 aus der DDR ausgereist war und in zehn Jahre später in Nettetal im Rheinland einen Großhandel für erzgebirgisches  Kunsthandwerk gründete. Mit der Wiedervereinigung veränderten sich auch die Produktionsbedingungen: War es in Zeiten der Planwirtschaft unmöglich, sich als Kunsthandwerker selbständig zu machen und mit eigenen Ideen Neues zu schaffen, so entstanden nun zahlreiche neue Werkstätten – und mit ihnen neue Formen und Interpretationen alter Motive.

Mit Kristallen zurück in die Zukunft

So schlägt die Holzkunst aus dem Erzgebirge den Bogen von der Tradition zur Moderne. Die Geschichte setzt sich fort – und erwacht buchstäblich zu neuem Leben. Wo vor 20 Jahren die letzte Grube aus DDR-Zeiten geschlossen wurde, erwacht nun der Bergbau aus seinem Winterschlaf. Vorkommen an Zinn, Molybdän, Indium, Lithium, Rubidium, Seltenen Erden und verschiedenen Kristallen lagern noch in der Erde unter dem Erzgebirge. Mit steigenden Rohstoffpreisen lohnt sich sich ihr Abbau wieder. In Niederschlag bei Oberwiesenthal werden bereits erste Schächte in den Fels getrieben. Bis 2014 soll die letzte Ausbaustufe erreicht sein. 135.000 Tonnen Fluss- und Schwerspatkristalle sollen dann jährlich gefördert werden. Die Mineralien werden beispielsweise zur Herstellung von Beschichtungsstoffen für Antihaft-Bratpfannen und Outdoor-Jacken verwendet. Das Erzgebirge kehrt also mit der Rohstoffförderung zu seinen Wurzeln zurück.

Zum Gastautor

Richard Pfadenhauer ist Chefredakteur des onemarkets Magazins im Bereich Corporate & Investment Banking der HVB. Darüber hinaus ist er Autor des onemarkets Wochenkommentars, eines wöchentlichen Rück- und Ausblicks auf die Märkte. Als ausgewiesener DVFA-Aktienanalyst beschäftigt sich Pfadenhauer seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten. Er gilt als ausgesprochener Derivate-Experte.

  1. 23. Juli 2014, 11:01

    Ich kann es kaum erwarten bis zu Weihnachten nur noch 5 Monate.

  2. Carsten Schmidt
    17. April 2014, 13:48

    Liebe Ursula,
    vielen Dank für Ihren Kommentar. Ob an Weihnachten nun ein billiges Nußknacker-Plagiat zum Einsatz kommt, oder das etwas teurere Original aus dem Erzgebirge, erscheint im ersten Moment tatsächlich unerheblich. Denn schließlich geht es ja um die Tradition, dass an Weihnachten überhaupt ein Nußknacker Nüsse knacken darf.

    Doch neben dieser Weihnachtstradition geht es letztlich ja auch darum, das Sie und ich die über 400-jährige Kunsthandwerk-Tradition im Erzgebirge weiter am Leben erhalten. Doch das klappt nicht mit Billigware aus China, sondern nur, wenn Sie und ich die heimischen Kunsthandwerker unterstützen.

    Viele Grüße und schöne Osterfeiertage,
    Carsten Schmidt

  3. 16. April 2014, 10:09

    Hallo,
    also ich finde ein Nußknacker gehört einfach zu Weihnachten! Und das wird bei mir so bleiben. Nun, eigentlich war es ja vorhersehbar, dass es billige Imitate geben wird. Gibt es doch heutzutage überall und von allem, was man sich vorstellen kann. Ob Original oder Imitat, ich wurde damit aufgewachsen und ich gebe es mit viel Liebe, gerne an meine Kinder weiter. Tradition ist Tradition.
    Gruß Ursi

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