13.06.2017
Tipp

ETF Indexfonds

ETFs für Einsteiger: Wann Indexfonds sinnvoll sind

In Zeiten historisch niedriger Zinsen sind Exchange Traded Funds (ETFs), zu Deutsch: börsengehandelte Indexfonds, die neuen Hoffnungsträger vieler Anleger. Denn: Ihre Investmentstrategie ist deutlich verständlicher, als es ihre kryptische Begrifflichkeit zunächst vermuten lässt. Als passiv gemanagte Fonds bilden sie Indizes wie DAX, Dow Jones oder Euro Stoxx konsequent in ihrer Entwicklung nach und kosten den Anleger deutlich weniger Verwaltungsgebühr als aktiv gemanagte Fonds. Hier erfahren Sie, was Einsteiger rund um das Thema ETFs wissen sollten.

„Der Markt lässt sich nicht schlagen“ – so zumindest lautet das Plädoyer der Befürworter von ETFs. Ihre simple Botschaft scheint den Geschmack vieler Anleger zu treffen: Keine teuren Management-Gebühren, stattdessen gibt’s gute Renditechancen und hohe Transparenz. Das Konzept der Emittenten scheint aufzugehen. Zumindest legten ETFs seit ihrem Markteintritt vor gut 15 Jahren einen rasanten Aufstieg hin. Laut Rating-Agentur Morning Star feierten die passiv gemanagten Fonds erst 2015 ein neues Rekordniveau: Das in europäischen ETFs verwaltete Vermögen erreichte Ende des Jahres ein Volumen von 467,41 Milliarden Euro.

Aktiver Fonds vs. Indexfonds: Das Management macht den Unterschied

Mit Blick auf die Bedürfnisse vieler Anleger mag diese Entwicklung kaum verwundern. Schließlich bieten Fonds in Zeiten volatiler Märkte und mickriger Zinsen durch ihre breite Streuung einen guten Kompromiss aus Renditechancen und Risiko. Der oft genannte Kostenvorteil von ETFs erklärt letztlich auch den maßgeblichen Unterschied gegenüber „klassischen“, also aktiv gemanagten Fonds. Ein ETF basiert nämlich auf einem meist computerunterstützten, also passivem Management. „Bei einem aktiv gemanagten Fonds entscheidet der Manager über Titelwahl und Gewichtung und versucht, mit seiner Auslese den Markt zu schlagen“, erklärt Wolfgang Kramer von der HypoVereinsbank in München. „Ein ETF hingegen bildet einen Index, beispielsweise den DAX, im Prinzip 1:1 nach. Das bedeutet einen geringeren Personalaufwand seitens des Managements und geringere Kosten für den Anleger“, so der Produktmanager. Ein Vergleich: Ein aktiver Aktienfonds verlangt im Schnitt 1,5 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr. Ein ETF auf einen großen Index wie den DAX kommt dagegen maximal auf 0,2 Prozent.

Fondsauswahl: Anlageklasse und Märkte im Fokus

Die Frage, welche Fondsgattung eine passende Kapitalanlage bieten kann, lässt sich allerdings nicht allein auf Basis von Kosten entscheiden. Bei der Wahl eines Fonds-Produktes kommt es nämlich ganz maßgeblich auf die konkrete Anlageklasse und auch auf die fokussierten Märkte an. „Als Daumenregel kann man sagen: Transparente Märkte mit vielen Marktteilnehmen und hohem Informationsgehalt – zum Beispiel der DAX oder Dow Jones – eignen sich für ETFs. Intransparente Märkte hingegen – etwa der MDAX oder der indische Aktienmarkt – bieten höhere Chancen über ein aktives Management“, erklärt Kramer. Auch bei Investments in spezielle Themenbereiche, beispielsweise Robotik, böte ein aktives Management sicherlich Vorteile gegenüber ETFs, ergänzt der Experte. „Hinsichtlich ihrer Risiken unterscheiden sich ETFs aber nicht wesentlich von aktiven Fonds. Sie sind so risikoreich wie die darunterliegenden Indizes.“

Börsenhandel: Wie erwirbt man eigentlich ETFs?

Rein rechtlich handelt es sich auch bei ETFs um sogenannte Sondervermögen, wie man es von aktiven, also klassischen, Fonds her kennt. Grundlegende Unterschiede innerhalb der Gattungen gibt es allerdings hinsichtlich des Handels, also dahingehend, wie und zu welchem Preis man die Wertpapiere erwerben oder auch veräußern kann. „ETFs lassen sich nur über eine Börse handeln, während aktive Fonds im Normalfall über die jeweilige Kapitalverwaltungsgesellschaft abgewickelt werden“, erklärt Kramer. „Diese errechnet einmal täglich einen Rücknahmekurs, der weitestgehend dem realen Wert aller im Fonds befindlicher Wertpapiere entspricht.“ Der Kurs eines ETFs hingegen würde an der Börse laufend auf Basis von Angebot und Nachfrage bestimmt und könne dadurch durchaus vom „fairen“ Wert abweichen, ergänzt der Produktmanager und rät zur Besonnenheit: „Der Kauf von ETFs an der Börse erscheint zunächst günstiger, da der Ausgabeaufschlag entfällt. Aber Vorsicht: Aufgrund möglicher Kursspreads (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) sowie anfallender Maklerspesen kann dieser Kostenvorteil auch relativ schnell aufgebraucht sein.“

Day-Trading vs. Langzeitinvestment: Für beide Ziele geeignet

Eines ist jedenfalls sicher: Eine Rendite-Garantie kann keine Fondsgattung bieten – ein Investment in Wertpapiere birgt immer auch Verlustrisiken. Für welches Produkt sich ein Anleger letztlich entscheidet, sollte er auch ganz maßgeblich von seinen Anlagezielen und seiner individuellen Risikoneigung abhängig machen. „Durch ihre Börsennotierung sind ETFs zweifelsohne reaktionsschneller als ein klassischer Fonds. Für sehr aktive Trader, die schnell auf Marktveränderungen reagieren wollen, sind sie daher sicherlich ein effizientes Instrument“, erklärt Kramer. „Sofern sie zu den persönlichen Anlagezielen passen, können ETF-Sparpläne schon wegen ihrer geringen Kostenbelastung auch für ein langfristiges Investment interessant sein.“ Einsteigern rät der Experte, vor dem Investment in einem Musterdepot zu üben und den Rat eines Experten einzuholen. Gemeinsam mit ihm sollte der Anleger wichtige Fragen, beispielsweise zur Verfügbarkeit des Geldes und zur persönlichen Risikoneigung klären, um auf dieser Basis geeignete Märkte, Branchen und Titel zu finden. „Bei der Titelwahl empfiehlt es sich zu checken, welche ETFs im Zielmarkt am intensivsten gehandelt werden, da ihre Preise in der Regel am fairsten sind. Diese Daten lassen sich beispielsweise über das Internet auf der größten ETF Börse XETRA zu finden.“

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