E-Commerce

09.12.2013

Startup-Idee: Crowdfunding im Sport

Von der Bachelorarbeit zum angesagtesten E-Commerce-Startup für Sportvereine und Athleten: Wie Marthe-Victoria Lorenz mit der Crowdfundingplattform fairplaid ein Business neu erfunden hat.

Dienstagmorgen. Ein Geschäftsgebäude am südwestlichen Rand der Stuttgarter Innenstadt. Ein heller Büroraum in der zweiten Etage. Marthe-Victoria Lorenz, 25, steht vor einem Schreibtisch und liest eine E-Mail auf dem Monitor ihres Laptops, “Betreff: Neue Uniformen für Red Poison Cheerleader 67% finanziert.” Lorenz notiert sich die Zahl und liest die nächste Mail: “Kraftraum für Eishockey-Spieler 9% finanziert” finanziert.” Eine Kollege mit Kaffe-Becher betritt das Büro, grüßt freundlich und setzt sich an den Schreibtisch am Fenster. Willkommen bei den Machern von fairplaid.org, Deutschlands angesagtester Crowdfundingplattform für Sportvereine und Athleten.

Von der Bachelorarbeit zum Startup

Gründerin Marthe-Victoria Lorenz erklärt das Prinzip: “Vereine, Sportler und Organisationen können auf fairplaid Projekte veröffentlichen und kostenlos Gelder einsammeln. Die fahrt ins Trainingslager, der Bau eines Stadions oder der Rasen dafür – alles ist möglich.” Wie Sie auf die Idee gekommen ist? “Eigentlich recht simpel”, erinnert sich die 25-Jährige und setzt sich auf die schwarze Bürocouch. “Ich saß im Zug und habe im Time Magazin einen Artikel über Crowdfunding im Musikbereich gelesen. Zu diesem Zeitpunkt habe ich neben dem Studium beim Stuttgarter EC gearbeitet, die nach zwei Meisterschaften immer noch nicht aufsteigen konnten. Das Geld fehlte. Ich habe direkt gedacht, dass das doch eine Möglichkeit sein könte und meine Bachelorarbeit über Crowdfunding als alternatives Finanzierungsprojekt am Beispiel des Stuttgarter EC geschrieben.” In der Landesbibliothek fasst die Medienwissenschaftlerin beim vergeblichen googeln nach “Crowdfunding Sports” schließlich den Entschluss, Crowdfunding für Sportler und Sportvereine zu etablieren.”

Biete Sport, brauche Geld

Im November 2012 ist es soweit: Marthe-Victoria Lorenz startet fairplaid.org, die erste deutsche Online-Plattform zur Finanzierung und Verwirklichung von Sportprojekten. Die Besonderheit: Im klassischen Crowdfunding erhalten Unterstützer meist Belohnungen beziehungsweise Prämien vom Projektstarter. “Welcher Dorfverein in der Kreisliga kann aber hier Mehrwerte bieten, wenn schlicht und einfach Tankgeld für den Bus benötigt wird, Tickets nichts kosten und kaum ein Zuschauer jemals ein Sponsor-Logo auf dem Trikot sieht?”, fragt die 25-Jährige. “Ich habe daraufhin das Konzept um die Komponente Unternehmen erweitert, welche die Belohnungen in Form von Gutscheinen sponsorn und so dem Unterstützer einen persönlichen Vorteil bieten.”

Arbeitsalltag: Klinkenputzen

Vor diesem Hintergrund unterteilt sich die Zielgruppe von fairplaid einerseits in Athleten und Sportvereine, die für ihre Projekte noch ein Budget benötigen, andererseits in Unternehmen, die über exklusive Preisvorteile neue Kunden gewinnen und gleichzeitig den Sport hierzulande förden möchten. Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, erhalten die Unterstützer ihre Gelder zurück. Damit dieser Fall nicht eintritt, liegen die zentralen Aufgaben von Marthe-Victoria Lorenz derzeit darin, fairplaid bekannt zu machen und die Vertreter von Vereinen und Unternehmen von einer Teilnahme zu überzeugen. “Für meinen Arbeitsalltag bedeutet das Planung, Koordinierung und Umsetzung von Vertriebs- und Marketingmaßnahmen, das Durchführen der Pressearbeit und natürlich Kontakte aufzubaue.”

Von den Großen lernen

Weil das Unternehmertum während Schule und Studium nach eigener Aussage zu kurz gekommen ist, hat sich die Jungunternehmerin mit ihrer Geschäftsidee für das diesjährige HVB Gründerinnen-Mentoring beworben – mit Erfolg. Seit Juni 2013 bildet Marthe-Victoria Lorenz mit der Unternehmensberaterin Alexandra Schöneck ein Mentoring-Tandem. Lorenz: “Alexandra hilft mir insbesondere, mit bestimmten Situationen und Entscheidungen umzugehen, bei denen ich noch unsicher bin.” Konnte die begeisterte Basketballerin darüber hinaus von dem Programm profitieren? “Alle Vorstellungen wurden mehr als efüllt. Das Team ist unglaublich hilfsbereit. zudem habe ich Gleichgesinnte kennengelernt, die auch gerade in den Startlöchern stehen und die Achterbahnfahrt genauso erleben wie ich.” Mit einem “Pling” öffnet sich ein neues E-Mail-Fenster auf dem Laptop der fairplaid-Macherin, “Betreff: Neue Uniformen für die Red Poison Cheerleader 100% finanziert.” Lorenz lächelt zufrieden.

Weitere Informationen zum HVB Gründerinnen-Mentoring erhalten Sie unter www.hvb.de/frauenbeirat.

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