07.11.2014

Joe Navarro

Ex-FBI-Agent verrät: So lesen Sie Körpersprache richtig

Können Sie Körpersprache? 25 Jahre hat  Joe Navarro als Special-Agent für das FBI gearbeitet. In dieser Zeit hat der 61-Jährige Tausende Verhöre geführt und etliche Terroristen und Spione aufgrund ihrer Körpersprache überführt. Unsere Kollegen von onemarkets haben den FBI-Experten gefragt, wie man Körpersprache richtig deutet und für den persönlichen Erfolg nutzt.

Was denkt, fühlt und plant mein Gegenüber wirklich? Wie kann ich jemanden überzeugen? Wie strahle ich Selbstsicherheit, Autorität und Einfühlungsvermögen aus? All diese Fragen können wir leicht beantworten, indem wir unsere nonverbale Intelligenz schulen. 80 Prozent der zwischenmenschlichen Kommunkikation geschieht nonverbal. Das heißt, Menschen kommunizieren ständig nonverbal: durch Körpersprache und Gesichtsausdruck, Tonlage und Aussprache und sogar die Art, wie sie sich kleiden. Wer diese Signale erkennt, wird sowohl privat als auch beruflich besser kommunizieren und so seine Ziele leichter erreichen. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige der wichtigsten nonverbalen Signale aufzeigen und Ihnen ihre Bedeutung erklären. Kommunikation ist eben mehr als Worte.

Mikrogesten, authentischer Einblick in die Gefühlswelt

Mikrogesten sind flüchtige körpersprachliche Signale, die sehr aufschlussreich sein können. Weil ihr Tempo und Auftreten sich der bewussten Steuerung entziehen, gelten sie in der Regel als authentisch und aufrichtig. Sie stehen oft mit negativen Gefühlen oder Unbehagen in Verbindung. Eine Mikrogeste, die uns im Berufsleben sehr oft begegnet, ist das schnelle Blinzeln der Augenlider oder das Zusammenziehen unserer Augenbrauen. Ich habe diese entlarvende Mikrogeste oft bei Anwälten gesehen, die gerade einen Vertrag durchgingen, und zwar genau in dem Augenblick, in dem sie auf einen problematischen Passus stießen.

Gesten, die der Schwerkraft entgegenwirken

„Es geht aufwärts“ ist ein Ausdruck für eine optimistische Grundhaltung, die im nonverbalen Verhalten eine genaue Entsprechung hat. Wenn man sich gut fühlt, strebt die Körpersprache nach oben und widersetzt sich somit der Schwerkraft. Augenbrauen, Kinn, Daumen oder selbst die Zehen zeigen gen Himmel. Ich sehe diese Verhaltensweisen oft während meiner Vortragspausen, wenn die noch sitzenden Kursteilnehmer ihre SMS-Nachrichten abrufen: Erhalten sie positive Nachrichten, zeigt der Fuß nach oben. Verschränkte Finger mit aufgestellten Daumen sind ebenfalls ein Ausdruck für positive Gedanken.

Geste, die Souveränität und Dominanz ausdrückt

In die Hüften gestemmte Hände, bei denen die Finger auf Höhe des Hüftknochens aufliegen, die Daumen nach hinten und die Ellbogen nach außen zeigen, sind ein eindeutiger Ausdruck von Dominanzverhalten. Zum Beispiel pflegte mich meine Mutter so zu begrüßen, wenn ich zu spät nach Hause kam. Diese Haltung übermittelt die Botschaft „Ich habe ein Problem mit dir“ oder „Ich gebe in dieser Angelegenheit nicht nach“. Zeigen die Daumen dagegen nach vorne, nimmt man eine weniger dominante, eher neugierige Haltung ein. Dies ist eine weniger aggressive Pose, die in konfliktgeladenen Gesprächssituationen dazu beitragen kann, Spannung herauszunehmen.

“Wegweiser” beachten

Wenn ein Bekannter oder Kollege seinen Stand verändert, sodass ein Fuß oder beide Füße von Ihnen wegzeigen, ist dies ein eindeutiger Hinweis darauf, dass er gerne gehen möchte. Vielleicht fühlt er sich angesichts des Gespräches unwohl oder er steht unter Zeitdruck. Fazit: Beenden Sie das Gespräch taktvoll. Ich habe beobachtet, dass Angestellte, deren Füße von ihrem Kollegen weg zeigen (wobei die Hüfte leicht nach außen gedreht ist), während sie mit ihm sprechen, den Eindruck vermitteln, dass ein Problem besteht. Entweder haben sie es eilig oder sie wären lieber an einem anderen Ort.

Geste die hilft, zu überzeugen

Gespreizte Fingerspitzen, die mit beiden Händen ein Dach formen, sind ein deutliches Zeichen von Souveränität. Diese Geste trifft man häufig bei Politikern, Richtern, Professoren und Führungskräften an, die ihre Äußerungen, Gedanken oder ihren Status auf diese Weise untermauern. Das “Dach” vermittelt, dass man von sich, seinen Ansichten und Gedanken überzeugt ist. Wenn Sie Seminare leiten, vor Gruppen sprechen oder eine Präsentation halten, sollten Sie diese Geste in geeigneten Situationen zeigen, um andere wissen zu lassen, dass Sie voll und ganz hinter dem stehen, was Sie sagen. Im Übrigen vertrete ich die Auffassung, dass Frauen diese Geste viel häufiger benutzen könnten, um dadurch Selbstbewußtsein und Entschlusskraft – vor allem männlichen Kollegen gegenüber – zum Ausdruck zu bringen.

Die Macht des Lächelns

Ein Lächeln kann Berge versetzen und Sympathien wecken, und dennoch gelingt es den meisten Menschen nicht, sich zu dieser einfachen Geste durchzuringen. Dabei sprechen wir in jeder Phase unseres Lebens auf ein Lächeln an und lassen uns davon positiv beeinflussen. Wir müssen gerade süchtig danach. Ein Lächeln bewirkt die Freisetzung von Endorphinen, die in jedem Alter einen beruhigenden und besänftigenden Effekt auf uns haben. Beobachten Sie einmal einen Tag lang das Lächeln Ihrer Mitmenschen, und Sie werden erstaunt darüber sein, wie vielseitig diese minimalistische Ausdrucksform ist. Ich rate Geschäftsleuten immer, dass Lächeln nicht nur zu einem Bestandteil ihres Verhaltensrepertoires zu machen, sondern auch zu einem Einstellungskriterium für alle Angestellten, die mit Kunden zu tun haben. Unterschätzen Sie niemals die Macht des Lächelns. Dieser einfache mimische Ausdruck kann so vieles bewirken – aber vor allem eröffnet er Chancen und weckt das Mitgefühl und Wohlwollen Ihrer Mitmenschen.

Zum Autor

Joe Navarro, Jahrgang 1953, überführte als FBI-Special-Agent 25 Jahre lang Spione und Terroristen, indem er ihre Körpersprache beobachtete und ihre wahren Gedanken und Gefühle erkannte. Heute unterrichtet er das Entschlüsseln nonverbaler Kommunikation an Universitäten. Über seine Arbeit hat er mehrere Bestseller geschrieben, wie zum Beispiel “Menschen verstehen und lenken”.

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