FC Bayern Youth Cup
30.05.2015
Reportage

FC Bayern Youth Cup

Vom Bolzplatz ins Stadion: Der FC Bayern Youth Cup

Jedes Jahr lädt der FC Bayern München weltweit Jugendliche ein, am FC Bayern Youth Cup in der Allianz Arena teilzunehmen. Das Team Deutschland wird aus Jungs der Münchner Straßenfußball-Liga buntkicktgut zusammengestellt und von der HypoVereinsbank unterstützt. 71 Jugendliche hoffen beim Qualifikationsturnier in der Säbener Straße darauf, von Fußball-Legende Paul Breitner persönlich für den Kader ausgewählt zu werden. Wer dabei sein darf, ist nicht nur dem Traum von der Fußball-Karriere ein Stück näher gekommen, sondern auch ein „kleiner Star“ und den anderen Buntkickern ein Vorbild. Wir haben diesen Tag im Wechselbad von Coolness und Adrenalin begleitet!

1. Mai, Säbener Straße in München. Es ist ein bunt gemischter Haufen, der sich dicht gedrängt unter dem Dach des FC Bayern Fanshops vor dem Regen schützt. Immer wieder begrüßen sich Spieler lässig mit verschieden choreografierten Handschlägen und Umarmungen. Einige tragen einheitliche Trikots und sind auf Anhieb als Team erkennbar. Doch allen ist die nervöse Erwartung in die unverbrauchten Gesichter geschrieben. Ousman Kofia, Auszubildender bei buntkicktgut und „einer von ihnen“, winkt die Jungs zu sich heran: Ein Gutes hat der Regen. Die Straßenkicker dürfen sich in den Kabinen der FCB-Jugendmannschaften umziehen. Und so geht es hinein in das Allerheiligste! Ousman ist mit einem Klemmbrett bewaffnet, ruft Namen auf und verteilt nummerierte Armbinden, die Eintrittskarten zum Qualifikationsturnier für den FC Bayern Youth Cup.

Zum Greifen nah: Der Traum von der Karriere als Fußball-Profi

„Der Cup ist für die Jugendlichen das ganze Jahr hindurch ein Incentive, sich bei buntkicktgut zu engagieren“, betont Rüdiger Heid, Leiter und Gründer von buntkicktgut, die pädagogische Bedeutung des Turniers. Viele der Buntkicker haben einen schwierigen schulischen, familiären oder wirtschaftlichen Hintergrund. Eine Fußball-Karriere ist oft ihre einzige Perspektive, gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen und der FC Bayern Youth Cup eine reelle Chance. „Und die nutzen sie auch!“, sagt Heid. Viele arbeiten sehr fokussiert auf diesen Tag hin und bereiten sich auch außerhalb von buntkicktgut auf das Selektionsturnier vor. „Wir trainieren schon seit 2013 zusammen. In den letzten paar Wochen gab es Extra-Trainings und wir waren joggen. Außerdem passen wir auf unsere Ernährung auf. Nur das Training allein reicht halt nicht. Man muss auch noch selbst nebenbei etwas tun“, sagt der fünfzehnjährige Qendrim, Spieler im Team „Profil Garching“.

Auf dem Weg zum Spielfeld entdecken einige Buntkicker den Mannschaftsbus der Profis. Und tatsächlich gelingt es ihnen, einen Blick auf die großen Vorbilder zu erhaschen. Nun gibt es kein Halten mehr! Johlend, rennend und springend verwandelt sich das angestaute Adrenalin in ungezügelte Energie. Die ersten Jungen erreichen das Spielfeld und da steht – roter Adidas-Anzug auf grünem Kunstrasen – Paul Breitner. „Es ist einfach krass hier auf dem Platz der Profis vom FCB spielen zu dürfen“, sagt Qendrim. „Profi-Fußballer zu werden ist von uns allen der Traum. Aber wir versuchen natürlich, so realistisch wie möglich zu denken. Wenn’s nicht klappt, dann klappt’s halt nicht.“

"Genießt es, hier zu spielen. Das dürfen nur ganz wenige!"

Nach und nach erreichen alle Teams das Spielfeld. Jedes sucht sich zum Aufwärmen eine Ecke. Das Team „BKG United“ motiviert sich mit Sprungübungen. „Wir sind schon ein wenig aufgeregt, aber wir haben uns gut vorbereitet und machen uns nicht verrückt“, sagt Torwart Mergim. „Man muss einfach nur hart arbeiten, um seinem Traum ein Stück näher zu kommen.“

Und dann wird es ernst. Paul Breitner ruft alle Spieler zusammen, begrüßt sie und erklärt ihnen, worauf es ihm ankommt. „Gebt alles, was Ihr könnt – aber nicht mehr! Probiert nichts, nur um mich zu beeindrucken“, sagt er und führt aus, dass vor allem Fairplay und Teamgeist zum Erfolg führen. „Und zu guter Letzt: Genießt es, hier zu spielen. Das dürfen nur ganz wenige!“

Mit Schirm, Charme und Klemmbrett

Die 71 Spieler, die in zwei Gruppen à vier Teams das Turnier kicken, geben alles. Fußballlegende Paul Breitner steht in Gesellschaft von Schirm und Klemmbrett wie ein Leuchtturm zwischen den beiden Kleinfeldern, guckt mal bei den einen, mal bei den anderen und macht sich Notizen zu den Spielern.

Trotz des Regens sammeln sich einige schaulustige FC Bayern-Fans um den Platz – fast wie bei den Profis. Wer nicht spielt, beobachtet das Geschehen aufmerksam und fachsimpelt: Welches Team wird das Turnier gewinnen? Welche Spieler haben die größte Chance in den Kader zu kommen?

Die jordanische Familie Assaf feuert lautstark ihren Sohn und Bruder Ahmad an. „Das ist total aufregend hier an der Säbener Straße mit dabei zu sein“, sagt seine Schwester. „Wir sind richtig am Mitfiebern. Ahmad spielt wirklich gut und wir hoffen, dass er von Paul Breitner ausgewählt wird!“

„Nicht alles, was ihr in der Bundesliga seht, ist richtig und macht Sinn“

Nach den ersten Spielen stehen auch Mergim und seine Teamkollegen verschwitzt am Spielfeldrand. „Die Konkurrenz ist schon hart“, gibt er zu Bedenken. „Aber wir hoffen, dass ein paar aus unserer Mannschaft genommen werden. Jeder gibt einfach sein Bestes!“ Paul Breitner schart noch einmal alle Nachwuchs-Kicker um sich. „Ich bekomme langsam ein Magengeschwür vor lauter Pässen zurück zum Torwart – und das wollt ihr doch nicht, oder?“, wendet er sich an die Jugendlichen. Alle sind still und lauschen respektvoll der bayerischen Bassstimme des Profis. Breitner spricht voller Leidenschaft, unterstreicht seine Worte mit großen Gesten. „Nicht alles, was ihr in der Bundesliga seht, ist richtig und macht Sinn. Und nicht jeder Torwart ist so ein guter Feldspieler wie der Manuel Neuer. Dieses immer wieder Weiterschieben ist oft auch ein Versuch, Verantwortung weiterzugeben. Und ihr seid in einem Alter, wo ihr lernen müsst, Verantwortung zu übernehmen!“

Breitners Liste

„Wir machen es dieses Jahr wieder so“, läutet Paul Breitner den wichtigsten Moment des Tages ein und erklärt noch einmal kurz das Prozedere. Er würde ohne Rücksprache mit buntkicktgut zehn Spieler für den Cup auswählen. Diese würden dann durch sechs weitere Spieler, die das Leitungsteam des Straßenfußball-Projekts bestimmt, ergänzt. Die Anspannung unter den Jungen ist mit Händen greifbar. Einige starren auf den Boden, andere ziehen unwillkürlich Grimassen. „Was mich so freut, ist, dass das Niveau jedes Jahr ein wenig besser wird.“ Noch werden die Kicker nicht erlöst. „Ich muss sagen: Großen Respekt an alle!“ Breitner lobt besonders das ehrliche Spiel der Münchener Jungs, es sei „ein bisserl was Englisches“, ohne Schauspielereien und Tricks. „Wenn einer mal was abkriegt, dann schüttelt er sich, steht auf und spielt weiter. Das ist sehr wertvoll, Leute, weil ihr Partnerschaft und Respekt, sowohl vor dem Mitspieler, als auch vor dem Gegner zeigt!“
„Jetzt greife ich ‚Partnerschaft‘ und ‚Respekt‘ gleich mal auf“, unterbricht Rüdiger Heid die Ansprache des FC Bayern-Urgesteins. Er bedankt sich beim FC Bayern für die tolle Möglichkeit, auf dem Gelände des „vielleicht wichtigsten Vereins Europas“ das Selektionsturnier austragen zu dürfen, und bei Paul Breitner für die Schirmherrschaft. „Dafür mal einen kräftigen Applaus!“, fordert er seine Jungs auf. „Und ein großer Applaus geht natürlich auch an die HypoVereinsbank und die UniCredit, die das Turnier möglich machen.“ Und dann ist es endlich soweit: Der Fußball-Weltmeister verkündet seine Auswahl. Unter Applaus, anerkennenden Pfiffen und Jubelschreien stellen sich die glücklichen Sieger zu Breitner und Heid nach vorne. Der prominente Schirmherr schüttelt allen persönlich die Hand. Auch Ahmad hat es geschafft!
„Wir freuen uns so! Wir haben richtig mitgezittert, aber jetzt ist er dabei“, jubelt seine Familie.

„Kleine Stars“ für Fairness, Charakter und Respekt

Stolz und zufrieden stehen die Helden des Tages beisammen und lassen sich von ihren Kameraden feiern. Immer wieder demonstrieren weniger erfolgreiche Spieler mit spontanen Liegestützen, dass Sportsgeist und Motivation stärker sind als die aufkeimende Enttäuschung. „Solche Erlebnisse schulen die Frustrationstoleranz bei den Jugendlichen ungemein. Denn auch wenn sie nicht ausgewählt wurden, machen sie die Erfahrung, dass sie nicht allein sind“, kommentiert Rüdiger Heid die Stimmung nach dem Selektionsturnier. „Der Youth Cup stärkt auch das Zusammengehörigkeitsgefühl bei buntkicktgut. Die Spieler, die ausgewählt wurden, sind bei uns ‚kleine Stars‘ und dürfen sich auch ruhig als solche fühlen. Denn sie sind Vorbilder für alle anderen Jugendlichen.“ Aus diesem Grund erfolgt die letztendliche Auswahl, wer in der Allianz Arena spielen darf, auch nach pädagogischen Aspekten. Ein gleichermaßen charakterliches wie sportliches Vorbild ist Mergim, der Torwart von „BKG United“. Auch wenn der Siebzehnjährige nicht von Paul Breitner ausgewählt wurde, so hat er sich durch seinen Ehrgeiz, seine Zuverlässigkeit und sein Fairplay doch einen Platz in der Auswahl sichern können. Und was sagt der buntkicktgut-Star zu seinem Erfolg?
„Passt schon.“
Wenigstens das Understatement ist bei den „kleinen Stars“ schon ganz groß.

Videotagebuch vom Trainingslager und dem Turnier

Mergim und seine Teamkollegen Samuel und Ricardo berichten in einem selbst gefilmten Videotagebuch von ihren Erlebnissen während des Trainingslagers und vom internationalen FC Bayern Youth Cup in der Allianz Arena.

Die HypoVereinsbank unterstützt buntkicktgut und den FC Bayern Youth Cup im Rahmen ihrer Initiative „Fußball integriert“. Hier finden Sie mehr Informationen zum Leuchtturmprojekt!

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