UCL-Finale Opdenhoevel
29.05.2015

Finale UEFA Champions League 2015

Barca vs. Juve: Lauernde Löwen und große Sportsmänner

Kein Clásico! Diesmal gibt es kein rein spanisches Finale! Stattdessen machen sich der FC Barcelona und Juventus Turin auf die #RoadToBerlin. Wer setzt sich am 6. Juni die europäische Krone auf?

Am 24. April wurden die Halbfinals der UEFA Champions League ausgelost. Jeder, der in Spanien und Deutschland etwas zu sagen hatte, sprach den Teams seinen Respekt aus, hoffte aber insgeheim auf den vermeintlich leichtesten Gegner aus Turin. Die Fans sahen es ähnlich und drückten es in den sozialen Netzwerken auf ihre Art in Bildern aus: Barcelona, Bayern und Real als hungrige Löwen in Lauerstellung – Juventus als friedliches, grasfressendes Zebra. Und streng genommen hat mit den Italienern ja nicht mal der eigene Verband gerechnet, der das Pokalfinale auf den Tag nach dem UCL-Finale terminiert hatte und anschließend vorverlegen musste.

Alte Dame mit neuem Glanz

Die Außenseiterrolle von Juventus Turin kommt nicht von ungefähr: In den 90er Jahren feierte man mit sechs Finals in europäischen Wettbewerben seine glorreiche Zeit. Nach dem letzten UEFA-Champions-League-Finale 2003 (2:3 im Elfmeterschießen gegen AC Mailand) wurde es still. Internationale Schlagzeilen machten anschließende Manipulationsvorwürfe, die – nach dem WM-Titel 2006 für Italien – mit dem Zwangsabstieg für Juventus ihren Höhepunkt erreichten. Danach der Umbruch: neue Spieler, neues Management, neuer Trainer – sie alle leisteten permanente Wiederaufbauarbeit und belohnten sich mit drei Meisterschaften in Folge. Dann der nächste Schock: Vergangenen Sommer schmiss der Erfolgscoach Antonio Conte hin, weil er seine Wunschspieler nicht bekam und man ihm stattdessen einen bei Real Madrid aussortierten Alvaro Morata vor die Nase setzte. Wieder ergriff der Verein die richtigen Maßnahmen und installierte mit Massimiliano Allegri einen erfahrenen Coach, der als fünfter italienischer Trainer das UCL-Finale erreicht hat und dieses Jahr – nach Ligatitel und Pokalsieg – das historische Triple schaffen könnte.

Erstes Finale nach zwölf Jahren

Innerhalb des Teams beeindruckt mich besonders die perfekte Balance aus erfahrenen Italienern und optimal zugeschnittenen Spielern aus dem Ausland: Der starke Rückhalt mit Buffon, Abwehrhüne Chiellini und die künstlerische Ikone Pirlo neben Abräumer Vidal, einem außergewöhnlich veranlagten Pogba und dem dribbelstarken Carlos Tevez, der übrigens mit sieben Treffern diese UCL-Saison häufiger traf als in seinen fünf Spielzeiten zuvor. Ach ja, und dann ist da noch dieser aussortierte Morata, der fast im Alleingang seinen Ex-Club ausschaltete, um den Finaleinzug perfekt zu machen. Und so steht eine offensiv-agierende, effiziente und nimmermüde Alte Dame tatsächlich im ersten Champions-League-Finale seit zwölf Jahren. Dort wartet mit der derzeit wohl besten Vereinsmannschaft der Welt die größte Herausforderung dieser Saison.

Beim letzten Aufeinandertreffen 2003 setzte sich Juventus im Viertelfinale der UCL mit 3:2 nach Hin- und Rückspiel durch. Auch in der Gesamtstatistik führen die Bianconeri in acht Duellen mit vier Siegen, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Dafür gewann Barcelona seine drei letzten Champions-League-Finals, wohingegen Juventus dreimal das Nachsehen hatte. Alles egal. Viel Entscheidender ist aus meiner Sicht die Gegenwart: Was der FC Barcelona aktuell auf dem Rasen abliefert, ist pures Feuerwerk und kaum zu verteidigen. Wie im letzten Blog beschrieben, hat sich die Barca-DNA nicht grundlegend verändert. Das Spiel ist unter Luis Enrique aber direkter und vertikaler geworden. Sicheres Passspiel, schnelle Kombinationen, gefährliche Konter: Das alles hat zuletzt auch der FC Bayern zu spüren bekommen.

Barca mit Biss

Und diese eine Zahl finde ich unglaublich: Allein Messi, Suarez und Neymar haben diese Saison wettbewerbsübergreifend 115 Mal getroffen – das sind 19 Tore mehr als das gesamte Team von Juventus (96). Wer soll die Ballermänner also stoppen? Vielleicht ja Typen wie Giorgio Chiellini oder Patrice Evra. Man könnte meinen, die beiden hätten mit Barca-Stürmer Luis Suarez noch eine Rechnung offen, nachdem er dem Italiener in die Schulter biss und den Franzosen offenbar rassistisch beleidigte. Im Gegenteil: Evra („Ich werde ihm die Hand geben, es gibt kein Problem“) und Chiellini („Ich werde ihm begegnen wie einem großen Stürmer“) reagierten gelassen.

Aufgeregter werden wohl diese Oldies sein: Buffon und Pirlo kehren an den Ort zurück, an dem sie den WM-Titel holten. Xavi – der nach 24 Jahren beim FC Barcelona seinen Abschied bekanntgab – könnte als alleiniger Rekordhalter sein 151. Champions-League-Spiel mit dem Henkelpott krönen. Es wird wohl sein letztes Spiel im Trikot der Katalanen.

So oder so – es wird ein Spiel der ganz Großen und schön, dass Berlin die Bühne dafür sein darf.

Tschau-Tschüß,
Euer Opdi

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