Worauf Sie beim Gebrauchtwagenkauf achten sollten
06.07.2016

Gebrauchtwagenkauf worauf achten

Lack und Räder: Worauf Sie beim Gebrauchtwagenkauf achten sollten

Ob leidenschaftlicher Autonarr oder pragmatische Alltagsfahrerin – dem Charme eines neuen Autos können sich nur wenige entziehen. Klimaanlage, Bordcomputer, Einparkhilfe oder Sitzheizung sind beliebte Extras im liebsten Spielzeug der Deutschen. Doch muss es immer ein Neuwagen sein? Angesichts eines Wertverlustes von circa 25 Prozent im ersten Jahr nach der Zulassung sind Gebrauchtwagen die wirtschaftlichere Alternative. Wer seinen neuen Gebrauchten beim Händler kauft, profitiert von einer zwölfmonatigen Sachmängelhaftung und kann die Finanzierung über das Autohaus in Anspruch nehmen. Beim Autokauf aus privater Hand können hingegen deutlich bessere Preise ausgehandelt werden. Dank des HVB Komfortkredits muss auch auf diesem Weg nicht die gesamte Summe auf einmal hingeblättert werden und es bleibt genug finanzieller Spielraum, um sich seinen persönlichen Autotraum zu erfüllen. Damit Sie beim Gebrauchtwagenkauf keinen Totalschaden erleiden, verraten wir Ihnen unsere Tipps und Tricks, worauf Sie achten sollten!

Der Verkäufer

Blenderinserate sind per se nur schwer zu erkennen. Aber mit ein wenig Geschick und Menschenkenntnis gelingt es Ihnen, schon beim ersten Kontakt, den Verkäufer richtig einzuschätzen. Ist er seriös und verlässlich oder ein „windiger Hund“? Entsprechendes können Sie auch von der feilgebotenen Ware erwarten.

Flop: Beim ersten Telefonat fragt der Verkäufer, für welchen Wagen Sie sich interessieren. Ihre Fragen beantwortet er ungenau und ausweichend, verstrickt sich in Widersprüche. Sie sind verwundert und der Anbieter entschuldigt sich, dass er das Auto „für einen Freund verkauft“. Vermutlich handelt es sich hierbei um einen getarnten Händler oder es geht anderweitig nicht mit rechten Dingen zu. Diesen Besichtigungstermin können Sie sich sparen.

Top: Am Telefon antwortet der Verkäufer zu allen Themen sofort und plausibel. Von sich aus spricht er kleinere Mängel an und hat auch einen guten Grund parat, warum der Wagen verkauft werden soll. Sie verabreden einen Termin von mindestens zwei Stunden für Besichtigung und Probefahrt. Der Verkäufer ist pünktlich und präsentiert Ihnen unaufgefordert die vollständigen Unterlagen, die er ordentlich in einer Mappe gesammelt hat. Sogar ein Gutachten von einem unabhängigen Sachverständigen ist dabei.

Die Besichtigung

Zeit und Ort der Besichtigung können Einfluss auf Ihr Urteil nehmen. Lassen Sie sich weder blenden noch hetzen. Jetzt heißt es nicht nur „Augen auf beim Autokauf“, sondern auch Nase, Ohren und Tastsinn sind gefragt! Die Checkliste des ADAC hilft Ihnen, optisch kaschierte Mängel zu entlarven.

Flop: Sie gehen allein zu der Besichtigung, der Verkäufer empfängt Sie in einer Tiefgarage. Ein Glück, draußen regnet es in Strömen. Die schwache Beleuchtung stört Sie nicht, denn bei der Probefahrt können Sie im Tageslicht noch einen Blick auf Ihren künftigen fahrbaren Untersatz werfen. Und sowieso sieht der Wagen top gepflegt aus! Alles blitzt und glänzt, sogar der Motor. Wer seinen Wagen schon von außen so gut pflegt, denken Sie sich, der wird auch auf Reparaturen geachtet haben. Der Farbton der Abdeckung des Airbags weicht ein wenig von der restlichen Verkleidung ab, doch das stört sie nicht weiter. Fensterheber, Handbremse und Pedale sind stark abgenutzt, aber das Schätzchen hat erst 40.000 Kilometer runter und Sie wollen sich den Schnapper auf keinen Fall entgehen lassen! Den leicht muffigen Geruch schieben Sie auf die Garage und das Regenwetter. Der Verkäufer mahnt zur Eile, denn gleich käme noch ein Pärchen zur Besichtigung, die sehr interessiert seien. Draußen im Regen checken Sie noch schnell die Karosserie auf Beulen, Kratzer und Rost – alles bestens.

Top: Bei strahlendem Sonnenschein empfängt Sie der Verkäufer auf dem Parkplatz vor seinem Haus. Fachmännisch inspiziert Ihre Begleitung die Karosserie. Ohne Regentropfen und im hellen Tageslicht erkennen Sie jede noch so kleine Macke. Weder in den Türrahmen noch in der Kofferraumöffnung finden sich Roststellen. Ein gutes Zeichen, denn hier nimmt das oxidierende Übel oft seinen Anfang. Alle Spalten zwischen den Autoteilen sind gleichmäßig groß, einzelne Teile wurden also nicht ausgetauscht. Der Innenraum riecht angenehm, die Karosserie wird dicht sein. Die Gebrauchsteile des Innenraums sind zwar abgenutzt, aber der Wagen hat ja auch schon einiges an Laufleistung hinter sich. Hier wurde bestimmt nicht am Tacho gedreht! Ihre Begleitung klopft auf die Abdeckung vom Airbag, das Geräusch ist satt und klingt nicht hohl. Beim Herumdrehen des Zündschlüssels leuchtet die Kontrollleuchte für den Airbag auf und geht nach wenigen Sekunden wieder aus. Sie wissen: Der Airbag ist funktionstüchtig, es wurde keine Attrappe in einen Unfallwagen gebaut. Der Motorraum ist weder stark verschmutzt, noch blitzend sauber. Austretende Flüssigkeiten könnten Sie gut erkennen. Der Ölstand stimmt, das Motoröl ist pechschwarz und nicht schleimig. Ein Zeichen, dass kein Wasser eintritt. Kühl- und Bremsflüssigkeit? Check. Auch das Reifenprofil ist ausreichend (Winterreifen mindestens vier Millimeter, Sommerreifen mindestens 1,6 Millimeter). Auf den Reifen finden Sie Herstellungswoche und -jahr. Älter als zehn Jahre sollten Autoreifen auch bei ausreichendem Profil nicht sein.

Die Probefahrt

Bei der Probefahrt gehen Sie das erste Mal mit Ihrem potenziellen „Neuen“ auf Tuchfühlung. Damit Sie nicht die sprichwörtliche Katze im Sack kaufen, sollten Sie den Wagen auf Herz und Nieren prüfen und alle Eventualitäten austesten.

Flop: Der Motor des Autos ist bereits warm, denn der Verkäufer hatte gerade eine Besichtigung, wie er Ihnen mitteilt. Als erstes zeigt er Ihnen den satten Sound des Radios, das während der gesamten Probefahrt läuft. Sie würden sich lieber auf die sonderbaren Geräusche konzentrieren, die Sie zu hören meinen, aber bei dem Lärm fällt es Ihnen schwer, sich zu konzentrieren. Dazu redet der Verkäufer unentwegt über die Vorzüge der Benzinkutsche. Nach zehn Minuten Fahrt durch die Siedlung ist die Probefahrt auch schon wieder vorbei, die nächsten Interessenten kommen gleich. Zeit um alle elektrisch bedienbaren Teile wie Fensterheber, Spiegel, Klimaanlage, Navi oder Rückfahrkamera zu testen, bleibt Ihnen nicht mehr.

Top: Der Motor ist noch kalt, als Sie ihn starten, aber Probleme mit der Zündung gibt es keine. Während der Fahrt hält sich der Verkäufer im Hintergrund und lässt sie in Ruhe alles ausprobieren: Sie fahren in der Stadt, auf Landstraße und Autobahn, machen Vollbremsungen, fahren enge Kurven. Einige Fehler wie eine verzogene Spur oder Probleme mit den Stoßdämpfern machen sich erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Der Antrieb läuft sauber, die Schaltung hakt nicht und der PKW ruckelt oder vibriert während der Fahrt nicht ungewöhnlich. Die Handbremse benötigt weniger als zehn „Zacken“ bis sie greift und auch alle elektronischen Teile funktionieren einwandfrei. Zum Schluss fahren Sie noch zum Gebrauchtwagencheck, den Profis wie ADAC, TÜV oder Dekra anbieten. Haben Sie selbst nur wenig Ahnung von Autos, können die 70 bis 150 Euro Gebühr eine lohnenswerte Investition sein. Übrigens: Stimmt der Verkäufer einem Gebrauchtwagencheck zu, so hat er sicherlich nichts zu verbergen.

Die Papiere

Ohne korrekte Papiere läuft beim Autokauf gar nichts. Auch sie sollten Sie mit Zeit und Ruhe prüfen und bei Ungereimtheiten nachhaken.

Flop: Der Verkäufer zeigt Ihnen bereitwillig Zulassungsbescheinigung I und II und das lückenlos geführte Serviceheft. Sie bemerken: Die Person vor Ihnen ist nicht der Eigentümer des Wagens. Der nette Herr regelt hier für einen Freund den Verkauf. Was ist schon dabei? Die Stempel im Serviceheft stammen alle von derselben Werkstatt. Sie meinen sich zu erinnern, dass der erste Stempel immer vom Händler, der den Neuwagen verkauft hat, stammt. Misstrauisch googlen Sie die Werkstatt und finden keine Einträge. Sie überlegen noch, ob das Serviceheft eine Fälschung sein könnte, schieben den Gedanken aber wieder beiseite.

Top: Zulassungsbescheinigung I und II sind unauffällig und der Personalausweis des Verkäufers beweist, dass er der Eigentümer ist. Auch die Fahrgestellnummer am Fahrzeug ist mit denen in den Unterlagen identisch. Das Serviceheft ist zwar nicht lückenlos geführt und die Inspektionen wurden bei verschiedenen Werkstätten durchgeführt, aber Sie kennen einige und wissen, dass sie gute Arbeit leisten. Sie überschlagen die Kilometerstände im Heft und vergleichen sie mit dem des Tachos. Alles plausibel. Viel mehr Sicherheit als das Serviceheft bieten Ihnen ohnehin TÜV-Berichte und Reparaturbelege. Hier können Sie genau nachvollziehen, welche Arbeiten am PKW gemacht wurden. Auch Gebrauchsanweisungen zum Fahrzeug selbst und zu nachträglichen Einbauten sind vorhanden.

Verhandlung, Preis und Vertrag

Gefällt Ihnen der Wagen, wird es ernst. Der Preis sollte fair verhandelt werden – und zwar von beiden Seiten. Kritisieren Sie nicht zu hart. Vielleicht hat der Verkäufer viel Herzblut in Hege und Pflege des guten Stücks investiert und verkauft aus einer Notlage heraus.

Flop: Sie machen den Verkäufer auf die gefundenen Mängel aufmerksam, doch das beeindruckt ihn gar nicht. Hartnäckig beharrt er auf seinem Preis, denn immerhin habe er noch weitere Interessenten an der Hand. Aufgrund der geringen Laufleistung wollen Sie sich den Wagen nicht entgehen lassen und schlagen ein. Der Verkäufer präsentiert Ihnen einen handgeschriebenen Vertrag mit Ihren Namen, Preis, Automarke und -modell. Sie unterschreiben, zahlen in bar und nehmen Ihren neuen Gebrauchten mit den Kennzeichen des Vorbesitzers gleich mit. Ummelden werden Sie es später.

Top: Einige kleinere Mängel müssten ihrer Meinung nach behoben werden. Daher fordern Sie einen entsprechenden Preisnachlass. Der Verkäufer bietet Ihnen stattdessen an, dass er die nötigen Reparaturen noch erledigt und Sie den Wagen dann zum vollen Preis kaufen. Sie stimmen dem fairen Angebot zu. Der Anbieter hat einen Standardvertrag vom ADAC vorbereitet, der neben genauen Angaben zu Käufer, Verkäufer und Fahrzeug auch auf Sonderausstattung, Mängel und die verabredeten Reparaturen eingeht. Mit dem Vertrag unterschreiben Sie auch, dass der Verkäufer als Privatperson von der einjährigen Sachmängelhaftung entbunden ist. Sie verabreden einen erneuten Termin und besprechen, wie Sie den Kennzeichenwechsel organisieren, damit es im Zweifelsfall keine Probleme mit der KfZ-Versicherung gibt.

 

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  1. Sarah Thomsen
    12. Juli 2016, 11:06

    Lieber Bernhard Kammerl, wir folgen in dem Text einer Empfehlung des ADAC https://www.adac.de/infotestrat/reifen/pflege-und-lagerung/alter/
    Viele Grüße, Sarah Thomsen

  2. Bernhard Kammerl
    12. Juli 2016, 9:43

    Top ???
    Reifen die älter als 5-6 Jahre sind können Sie sofort austauschen !!!

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