08.04.2015

Geldpolitik

IWF: Ein Mythos wird 70

Als „Retter“ gelobt, als „Erpresser“ kritisiert: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seit seiner Gründung im Jahr 1945 viele Namen erhalten. Was steckt hinter der Organisation? Der Mythos IWF im Faktencheck.

Der Internationale Währungsfonds (englisch: International Monetary Fund/IMF) wird am 27. Dezember 1945 mit der Unterzeichnung eines Übereinkommens in Bretton Woods, im US-amerikanischen Bundesstaat New Hampshire, durch 29 Länder offiziell ins Leben gerufen. Sieben Jahre später tritt Deutschland dem IWF bei. Aktuell sind 188 Staaten der Organisation angeschlossen, mit Ausnahme von Kuba, Nordkorea, der Palästinensischen Autonomiebehörde, Andorra und dem Vatikan. Mit der Gründung des IWF wurde zunächst das Ziel verfolgt, für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg eine funktionsfähige neue Währungsordnung zu schaffen.

Organisation

Geleitet wird der IWF von einem geschäftsführenden Direktor (Managing Director). Seit Juli 2011 ist dies erstmals eine Frau, die ehemalige französische Finanzministerin Christine Lagarde (Foto). Weitere Organe sind der Gouverneursrat, das Exekutivdirektorium, der Internationale Währungs- und Finanzausschuss (IMFC), der Entwicklungsausschuss und das Financial Stability Board (FSB).

Finanzmittel und Stimmrechte

Dem IWF stehen derzeit verschiedene Finanzmittel zur Verfügung. Neben den drittgrößten Goldreserven der Welt (2.814 Tonnen im Jahr 2014) verfügt der Fonds über Kapitaleinlagen seiner 188 Mitgliedstaaten in Höhe von insgesamt 1.000 Mrd. US-Dollar. Diese setzen sich zusammen aus Neuen Kreditvereinbarungen (NKV), bilateralen Kreditlinien und sogenannten Quoten, die mit 833 Milliarden US-Dollar den größten Anteil an der Ressourcenausstattung des IWF halten.

Die Höhe der Quoten entspricht dem Anteil der jeweiligen Länder an der Weltwirtschaft. Die höchste jährliche Quote haben die USA mit 56 Milliarden US-Dollar, die kleinste der Inselstaat Tuvalu mit etwa 2,7 Millionen US-Dollar. Trifft der Internationale Währungsfonds Entscheidungen, orientiert sich das Stimmrecht der Mitgliedsstaaten daran, wieviel Geld sie in den IWF einzahlen. Die USA als größter Einzahler verfügen somit über etwa 17 % der Stimmrechte im Gouverneursrat, gegenüber Tuvalu mit lediglich 0,01 % der Stimmen.

Stellung der EU

Zusammengenommen verfügen die 27 EU-Länder mit 22,43 Prozent über mehr Stimmen als die USA. Trotzdem hat die EU nur einen geringen Einfluss innerhalb des IWF, aus zwei Gründen: Einerseits ist sie kein eigenständiges Mitglied des Fonds. Zum anderen gelingt es den Regierungen der EU-Länder nur selten, eine gemeinsame Position einzunehmen. Dennoch: Da die Beschlüsse im IWF mit einer Mehrheit von 85 Prozent getroffen werden müssen, verfügen jeweils die USA allein und die EU-Staaten gemeinsam de facto über eine Sperrminorität gegen Beschlüsse im Gouverneursrat.

Kurswechsel

Nach dem Zusammenbruch des Währungssystems von Bretton Woods im Jahr 1973 veränderte sich auch die Rolle des IWF. Er übernahm immer mehr die Rolle einer „monetären Feuerwehr“, die mit Krediten (Fazilitäten) und wirtschaftlichen Hilfspaketen notleidende Länder unterstützt. Seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008 ist ein erneuter Wandel zu beobachten. Der IWF soll sich im Kern zu einer internationalen Finanzmarktordnung entwickeln.

Kritik

Die Kreditvergabe des IWF ist in der Regel an bestimmte Bedingungen geknüpft. Dazu zählen auch Maßnahmen zur Strukturanpassung, wie zum Beispiel die Kürzung von Staatsausgaben und Sozialleistungen oder die Liberalisierung von Märkten. Solche Auflagen stoßen häufig auf Kritik, da sie von den betreffenden Ländern nicht selten als sozial unzumutbar und für das Wachstum als schädlich erachtet werden.

Höhepunkte aus 70 Jahren IWF

Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird am 27. Dezember 1945 mit der Unterzeichnung eines Übereinkommens durch 29 Länder offiziell ins Leben gerufen. Ausgearbeitet wurde das Übereinkommen schon früher, und zwar vom 1. bis 22. Juli 1944 auf einer Konferenz in Bretton Woods, im amerikanischen Bundesstaat New Hampshire.

Am 1. März 1947 nimmt der IWF schließlich seine Finanzoperationen auf.

Deutschland tritt dem IWF am 14. August 1952 bei und erfährt dadurch eine politische Aufwertung. Die Bundesrepublik hat bis auf wenige Ausnahmen in den späten sechziger und siebziger Jahren die Mittel des IWF nie beansprucht.

In der Ölkrise legt der IWF erstmals zwei Öl-Kreditlinien auf, um Ländern in Zahlungsschwierigkeiten zu helfen.

Weltweit steigende Zinsen führen zu einer internationalen Schuldenkrise, in der Mexiko zahlungsunfähig wird. Der IWF koordiniert Hilfen und macht sich für drastische Strukturreformen stark.

Der IWF führt Strukturanpassungsprogramme ein, das heißt, Kredite werden an makroökonomische Auflagen geknüpft.

In Asien bricht eine Finanzkrise aus. Der IWF springt mit Krediten in Höhe von rund 36 Mrd. US-Dollar ein.

Die Asien-Krise breitet sich nach Europa aus: Russland muss den Rubel abwerten und steht vor der Pleite. IWF und Weltbank schnüren ein 23 Mrd. US-Dollar schweres Kreditpaket.

Argentinien wird von einer Finanzkrise in Mitleidenschaft gezogen.  Der IWF hilft mit 39,7 Mrd. US-Dollar. Das Land erleidet dennoch einen Staatsbankrott.

Nach einer Phase des Bedeutungsverlustes gewinnt der IWF in der Finanzmarktkrise wieder an Gewicht. Er weitet seine Kreditlinien aus und springt Ländern wie Ungarn, Rumänien und der Ukraine mit Milliardenhilfen bei.

Griechenland-Krise. EU und IWF vergeben Kredite im Volumen von mehr als 30 Mrd. Euro. Weitere Hilfspakete folgen. Auch Irland und Portugal erhalten Rettungspakete.

Der Internationale Währungsfonds räumt der Ukraine im Rahmen eines zweijährigen Anpassungsprogramms einen Kredit über 17 Mrd. US-Dollar ein.

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