Geschichte des Geldes
12.02.2015
Serie

Geschichte des Geldes

Die Geschichte des Geldes: Von der Muschel zur Münze

Ob Krösus‘ sprichwörtlicher Reichtum oder Onkel Dagoberts Fantastillionen – Geld übt seit jeher eine Faszination auf uns aus. Gleichzeitig galt Geld von den griechischen Philosophen über die Kleriker des Mittelalters bis hin zu den marxistischen Denkern als der Inbegriff des Bösen: Besitzgier, Habgier, Egoismus, Materialismus, Geiz und Raffsucht sind die anstößigen Eigenschaften, mit denen es bis heute assoziiert wird. Doch Münzen und Scheine an sich sind weder gut noch böse. Einen moralischen Wert bekommt der Mammon erst durch die Art und Weise, wie er eingesetzt wird. Aber wie ist Geld überhaupt entstanden und welche Entwicklung hat es durch die Jahrhunderte genommen? Im ersten Teil unserer Serie über die Geschichte des Geldes lesen Sie, wie aus Tauschobjekten Münzen wurden, die sich zum Massenzahlungsmittel emporschwangen.

Stellen Sie sich eine Welt ohne Geld vor: Seit Stunden stehen Sie auf dem Marktplatz Ihres Stadtteils und suchen händeringend nach einem geeigneten Tauschpartner. Endlich nähert sich eine Dame Ihrem Friseurstuhl. Ja, sie hätte gerne einen neuen Haarschnitt und würde Ihnen dafür eine App zur Überwachung Ihrer Vitalfunktionen zur Verfügung stellen. Sie aber fühlen sich kerngesund und wissen mit so einer App nichts anzufangen. Stattdessen benötigen Sie dringend noch vier Eier für den Apfelkuchen, den Sie heute Nachmittag backen möchten. Geld wurde erfunden, um den doppelten Zufall – Sie treffen jemanden, der Bedarf an Ihrem Produkt hat und dessen Angebot Sie gleichzeitig benötigen – zu überwinden.

Höhlenfunde in Westeuropa belegen die Existenz von Sachgeld bereits 25.000 v. Chr. Die Palette an „Wertgegenständen“, die als Tauschobjekte genutzt wurden, ist bunt und regional verschieden: Käse, Kühe, Ketten, Kakaobohnen, Perlen und Pelze, Muscheln, Messer, Metalle, Salz und Sklaven, Federn, Frauen, Vieh und Waffen, Beile, Töpfe und Jagdtrophäen übernahmen die Funktion von Geld.

Warum entwickelte sich angesichts dieser Vielfalt aus dem Sach- das Metallgeld? Im Gegensatz zu Käse, Sklaven und Pelzen haben Münzen einige gewichtige Vorteile. Münzen sind haltbar, vergleich- und reproduzierbar. Einerseits ist Metall selten genug, um einen Wert zu haben und andererseits weltweit vorhanden. Das Metallgeldzeitalter begann im 7. Jahrhundert v. Chr. und dauerte bis in die Neuzeit hinein. Zu den frühesten bekannten Münzen zählt auch die Drachme aus Athen, die ab 594 v. Chr. in historischen Quellen erwähnt wird. Schon damals zierte das Zahlungsmittel eine Eule mit einem Ölzweig im Schnabel, die noch heute auf den griechischen Ein-Euro-Münzen zu sehen ist.

"Pecunia non olet - Geld stinkt nicht"
Diesen Ausspruch prägte der römische Kaiser Titus Flavius Vespasianus, als er 69 n. Chr. Steuern auf öffentliche Latrinen erhob.

Kaum war das Münzgeld erfunden, ließ auch der erste historisch belegte Münzbetrug nicht lange auf sich warten. 524 v. Chr. beendete Polykrates eine Belagerung durch die Spartaner mit gefälschtem Geld aus vergoldetem Blei.

In puncto Metallgeld waren die alten Römer vergleichsweise spät dran. Erst ab 289 v. Chr. produzierten sie ihre eigenen Münzen, um dann auf der Überholspur das Münzwesen zu revolutionieren: 49. v. Chr. verzierten sie ihr Bargeld mit Porträts. Damals ein Skandal, waren doch menschliche Darstellungen bis dato undenkbar. Stattdessen schmückten Götter oder regionale Produkte zu Marketingzwecken die Kupfer- und Bronzestücke. Übrigens: Kein geringerer als Julius Caesar wagte diesen Tabubruch!

"Für einen Apfel und ein Ei"
Noch im 14. Jahrhundert verwendete das Gros der Bevölkerung Naturalien als Zahlungsmittel. So entstand diese Metapher für ein Schnäppchen.

Bis heute klingt die unter Kaiser Konstantin 306 bis 337 n. Chr. geprägte Goldmünze „Solidus“ nach. Von ihr stammen Worte wie „Sold“, „Soldat“ und „solide“ ab. Wenig später, nämlich 447 n. Chr., erreichte das neue Zahlungsmittel auch die germanischen Stämme und sie fertigten erstmalig Münzen. Jeder Stamm seine eigenen, versteht sich. Und so konnten 700 n. Chr. bereits über 800 Prägestätten nachgewiesen werden. Auch die karolingische Münzreform von 755 n. Chr. konnte das Münzwesen im Kaiserreich nur kurzzeitig zentralisieren. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts sollte sich das Geldwesen in Deutschland vereinheitlichen. Anders verhielt es sich bei den Wikingern und Slawen. Sie prägten keine eigenen Münzen. Fremde Münzen, Barren und Schmuckstücke dienten als Zahlungsmittel und wurden rein nach dem Gewicht des Edelmetalls gemessen.

Von Notgroschen und Notklippen
Kriegerische Zeiten brachten oft einen Zusammenbruch der Geldversorgung mit sich. 1610 ließ der Jülicher Festungskommandant Tafelsilber zerkleinern und stempeln und gab die Silberstücke als Zahlungsmittel aus - die Jülicher Notklippe.

Dennoch entfalteten die frühmittelalterlichen Reformen Karls des Großen bis ins späte 20. Jahrhundert ihre Wirkung. Der Karolinger führte nicht nur die Silberwährung „Denare“ ein, die bis zum 16. Jahrhundert die vorherrschende Währung Mitteleuropas war, sondern er legte auch einheitliche Gewichte und Stückelungen fest: Ein Pfund oder französisch „Livre“ waren 491 Gramm Silber. Auf ein Pfund kamen 20 Schillinge, die in Frankreich auch „Sols“ oder „Sous“ genannt wurden. Die Rechnungsweise Karls des Großen hielt sich in Frankreich bis zur Französischen Revolution, in Großbritannien sogar bis 1971.

Die schwerste Münze der Weltgeschichte
Die exentrische schwedische Königin Christine lässt 1659 die wohl schwerste Münze prägen: Sie war aus Kupfer und wog 22 Kilo.

1045 entert die Mark erstmalig die Bühne der Weltgeschichte. Zunächst nur in einer Statistenrolle als Gewichtseinheit für Münzen. Eine Mark war damals das Äquivalent für 233,7 Gramm. Zur Münznominale wurde die Mark erst Jahrhunderte später. Als Ausdruck für die erstarkenden Städte des Mittelalters erhält die Hansestadt Lübeck 1226 als erste Stadt das Münzrecht. Weitere sollten bald darauf folgen und die Zerstückelung des deutschen Geldwesens immer weiter voranschreiten.

Die kleinste Münze der Weltgeschichte
1700 wird in Nürnberg der 1/32 Dukat geprägt. Der goldene Winzling hatte einen Durchmesser von fünf Millimetern und wog 0,1 Gramm.

Zum Massenzahlungsmittel und damit zum festen Bestandteil des Alltagslebens breiter Bevölkerungsschichten wurden Münzen jedoch erst auf der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Erst jetzt rückte Geld in das öffentliche Bewusstsein. Die Gründe für den Aufstieg des Bargelds sind der wachsende Handel, ein rascher Bevölkerungsanstieg, neue Gewerbezweige, die fortschreitende Arbeitsteilung und Volkswirtschaften, die nicht zuletzt durch die Kolonisation der Welt immer komplexer wurden. In Deutschland wurde dank des hohen Silbervorkommens im Erzgebirge ab 1516 insbesondere der „Joachimstaler“ – später nur noch „Taler“ genannt“ – populär. Der Name geriet zum internationalen Exportschlager und lebt bis heute, zum Beispiel im „Dollar“, weiter. Ab Mitte des 16. Jahrhunderts teilte sich die Landschaft des deutschen Geldes in Talerländer (Nord- und Ostdeutschland) und in Guldenländer (Süd- und Westdeutschland).

Andere Länder, andere Sitten: Das Kaurigeld
Das Gehäuse der Kaurischnecke wurde in Afrika, Asien und im pazifischen Raum noch bis ins 20. Jahrhundert hinein als Geld verwendet.

Knapp 500 Jahre bevor in Deutschland die ersten Banknoten gedruckt werden, berichtet Seefahrer Marco Polo 1280 erstmalig von Papiergeld, das er in China kennenlernte. Doch bis es sich in Deutschland durchsetzt und in seiner heutigen Form verwendet wird, sollte das 20. Jahrhundert schon fast vor der Tür stehen.

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