Mit Green Bonds investieren Sie zum Beispiel in Windparks
08.02.2016

Green Bonds

Green Bonds: Mission Klimaschutz

Sein Name ist Bond, Green Bond. Seine Mission: Der Klimaschutz. Wer in Green Bonds investiert, unterstützt mit seiner Anlage grüne Techniken, alternative Energieprojekte oder Maßnahmen zur Reduzierung von Kohlendioxid. Doch Green Bond ist nicht gleich Green Bond. Wir erklären Ihnen, was es mit den grünen Anleihen auf sich hat und worauf Sie bei einem Investment achten sollten.

Green Bonds bescheren ihren Anlegern nicht nur ein grünes Gewissen, sondern auch dieselben Chancen und Risiken wie herkömmliche, spekulative Anlageprodukte. Die grünen Anleihen finanzieren ausschließlich nachhaltige und umweltfreundliche Projekte wie CO2-arme Transportmittel, Windparks, Solaranlagen, nachhaltige Landwirtschaft und neuerdings auch Gebäude mit Umweltzertifikaten. Da immer mehr Anleger darauf achten, welchem Zweck ihr Investment dient, sind Green Bonds selbst bei großen Volumina regelmäßig überzeichnet. Doch nicht nur die grünen Ziele machen dieses Finanzprodukt bei Anlegern so beliebt. Interessant sind auch die Emittenten: Umweltauflagen, Produktverbote, Werksschließungen oder Schadensersatzklagen machen Projekten, die im Sinne von Umwelt und Klima handeln, in der Regel nicht zu schaffen. Dennoch müssen sich Anleger wie bei allen spekulativen Anlageprodukten auch bei Green Bonds der Risiken bewusst sein: Geht ein Unternehmen insolvent, trägt der Investor dafür das volle unternehmerische Risiko – bis hin zum Totalverlust.

Immer mehr Produkte drängen auf den schnell wachsenden Markt nachhaltiger Anleihen. 2014 wurden Green Bonds in Höhe von 36,6 Milliarden US-Dollar emittiert. Im Jahr 2015 waren es bereits 41,8 Milliarden US Dollar. Als einer der Wachstumstreiber gilt China. Smogalarm, verseuchte Flüsse und ein immenses Müllproblem zwingen Peking zum Umdenken und zu Investitionen in erneuerbare Energien und den Umweltschutz.

„Wir wollen in Sachen Nachhaltigkeit führend sein – und das sind wir auch.“
Antonio Keglevich, verantwortlich für Green Bonds bei der HypoVereinsbank

Dass auch der Kapitalmarkt einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten kann, erkannte die Europäische Investitionsbank schon früh und emittierte 2007 den ersten Green Bond. Mit ihren „Climate Awareness Bonds“ unterstützt sie seither die von der EU beschlossenen Klimaschutzziele. Von Anfang an dabei ist die HypoVereinsbank. Auch sie erkannte das Potenzial sofort und platzierte gemeinsam mit anderen Anbietern diese allererste grüne Anleihe am Markt. „Die HypoVereinsbank zählt seit 14 Jahren weltweit zu den nachhaltigsten Geschäftsbanken. Es stand für uns außer Frage, dass wir uns aktiv an der Einführung nachhaltiger Finanzprodukte beteiligen“, betont Antonio Keglevich, verantwortlich für Green Bonds bei der HypoVereinsbank. „Seither haben wir acht weitere Green Bonds platziert.“

Green Bonds unter Beteiligung der HypoVereinsbank

Zur Finanzierung von Windparks, Wasserkraftanlagen und Energieeffizienz-Projekten. “Second Party Opinion“ von Vigeo.

Zur Finanzierung und Refinanzierung ausgewählter grüner Projekte, zum Beispiel aus den Bereichen Luftqualität oder Wassermanagement. “Second Party Opinion“ von DNV GL.

Zur allgemeinen Finanzierung (Vestas produziert ausschließlich umweltfreundliche Produkte). “Second Party Opinion“ von DNV GL

Zur Finanzierung und Refinanzierung von 17 nach strengen Nachhaltigkeitskriterien erbaute oder sanierte Gebäude. “Second Party Opinion“ von oekom.

Mit einem speziellen Fokus emittierte 2008 die Weltbank ihre erste grüne Anleihe. Die Motivation: Was den Klimawandel stoppt, hilft auch den Armen der Welt. Denn unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden die Menschen in Entwicklungsländern am stärksten. Zu den staatlichen Förderbanken und supranationalen Institutionen aus den Anfangsjahren gesellten sich bald private Unternehmen, Kommunen und Geschäftsbanken. Heute finanzieren sogar Großstädte ihre Infrastruktur-Projekte über grüne Anleihen. So haben die Wasserwerke von Washington D.C. im Juli 2014 eine grüne Anleihe mit einem Volumen von 350 Millionen US-Dollar und einer Laufzeit von 100 Jahren zur Finanzierung des „Clean Rivers Project“ aufgelegt. Die Stadt Johannesburg sammelte 143 Millionen US-Dollar für kommunale Klimaschutzprojekte durch einem Green Bond ein, die Stadt Göteborg 1,8 Milliarden schwedische Kronen (200 Millionen Euro).

Antonio Keglevich ist bei der HypoVereinsbank verantwortlich für Green Bonds.

Der Pfandbrief für nachhaltige Gebäude Neues Finanzprodukt

Gebäude sind für fast ein Fünftel des CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Sie möglichst energieeffizient zu bauen und zu sanieren, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Zur Finanzierung von „grünen“ Immobilien emittierte die Berlin Hyp, eine der führenden deutschen Immobilien- und Pfandbriefbanken, im April 2015 den ersten Grünen Pfandbrief am Kapitalmarkt. Der Emissionserlös finanziert und refinanziert europaweit 17 Gebäude, die nach strengen Nachhaltigkeitskriterien erbaut oder saniert wurden und entsprechende Zertifikate wie das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen aufweisen. In Friesland (Niederlande) finanzierte die Bank beispielsweise den Ankauf eines modernen Bürogebäudes, in Paris die umfassende energetische Sanierung eines Altbaus aus der Jahrhundertwende. Das neue Finanzprodukt verbindet das Deckungsprinzip des Pfandbriefs mit dem Green-Bond-Prinzip und gilt damit als sichere und nachhaltige Anlage. Die Auswahl der Immobilien, die zweckgebundene Mittelverwendung und die ökologische Performance der Anleihe prüft die Ratingagentur oekom research jährlich in einer sogenannten Second Party Opinion. Die Platzierung am Kapitalmarkt übernahm ein Konsortium aus fünf Banken. Ihre Partner wählte die Berlin Hyp sorgfältig aus, erläutert Bodo Winkler, Leiter Investor Relations/Kredit Treasury: „Uns war wichtig, dass die Konsortialführer Expertise für Green Bonds und Pfandbriefe besitzen – und selbst über eine nachhaltige Unternehmensausrichtung verfügen.“ Bei der HypoVereinsbank sei das „zweifelsohne der Fall“, so Winkler. Mit einem Orderbuch von knapp 2 Milliarden Euro war die Anleihe vierfach überzeichnet. Winkler: „Mit dem Grünen Pfandbrief haben wir den Nerv der Zeit getroffen und sowohl neue nachhaltige als auch unsere traditionellen Investoren überzeugt.“

Die Stückelung von Green Bonds liegt  in der Regel um die 100.000 Euro. Daher eignen sich die nachhaltigen Finanzprodukte vor allem für institutionelle Anleger. Doch über Versicherungen und Rentenfonds können auch Privatanleger in die grüne Wirtschaft investieren. Der Begriff „Green Bond“ ist nicht geschützt und so ist die Beurteilung einzelner grüner Anleihen für Privatanleger herausfordernd. Orientierung bieten die „Green Bonds Principles“, die internationale Großbanken – darunter auch die HypoVereinsbank – 2014 definierten. Die freiwilligen Leitlinien sollen den Markt transparent und glaubwürdig halten. Sie empfehlen Angaben zur Mittelverwendung, zu internen Projektauswahlverfahren, zur Verwaltung der Mittelzuführung und regelmäßige Berichterstattung. Aufschlussreich kann außerdem die Zweitmeinung, die sogenannte „Second Party Opinion“ einer unabhängigen Nachhaltigkeits-Ratingagentur wie beispielsweise DNV-GL oder oekom research sein. Sie überprüft noch einmal die Klima- und Umweltrelevanz eines Green Bonds. Eine veröffentlichte „Second Party Opinion“ ist im Markt jedoch keine Selbstverständlichkeit. Auch die Definition von „Nachhaltigkeit“ ist nicht einheitlich geregelt. Letztlich muss jeder Anleger selbst entscheiden, welches Investment seinen Ansprüchen von nachhaltigem Klima- und Umweltschutz standhält. Dabei kann eine professionelle Beratung helfen, sich im Dickicht der grünen Finanzprodukte zurecht zu finden. Auch sollten sich Anleger vor einem Engagement nicht nur über ihre finanziellen Kapazitäten, sondern auch über ihr Risikoprofil im Klaren sein. Aufgrund der vielfältigen Risiken sollten Anleger Green Bonds nur als angemessene Beimischung im Gesamtvermögen tätigen und vor dem Investment ein ausführliches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen.

Übrigens: Mit Ausnahme derjenigen der European Investment Bank sind die Second Party Opinions aller Green Bonds, an denen die UniCredit beteiligt ist, im Internet veröffentlicht.

  1. Yuhui Zhang
    3. März 2016, 0:51

    2014 wurden Green Bonds in Höhe von 36,6 Milliarden (bn, quelle: https://www.climatebonds.net/market/explaining-green-bonds) US-Dollar emittiert.

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