Gründerteam
01.07.2015

Gründerteam

Paare als Gründer: 1 + 1 > 2

Mit dem eigenen Partner ein Unternehmen auf die Beine zu stellen, ist für viele Gründer eine wunderbare Vorstellung: Kein Chef, der ins Familienleben reinfunkt, ein Geschäftspartner, dem man voll und ganz vertrauen kann, partnerschaftliche Aufteilung von Job und Haushalt. Doch anders als bei anderen Gründerteams gehen Paare ein doppeltes Risiko ein. Mit einem geschäftlichen Misserfolg steht auch das private Glück auf dem Prüfstand und umgekehrt. Zwei, die es in Liebes- wie in Geschäftsangelegenheiten miteinander gewagt haben, sind die HypoVereinsbank-Kunden Matthias und Ines-Katleen Haferland. Uns erzählen sie, wie sie als Geschäftspartner und Ehepaar, als Kollegen und Eltern ihren Weg gehen!

Eigentlich hatte das Ehepaar Haferland nie geplant, gemeinsam zu gründen. Matthias Haferland stammt aus einer Unternehmerfamilie, hat vor seiner Gründung 28 Jahre lang im elterlichen Betrieb für Werkzeug- und Maschinenbau gearbeitet. „Von meinen Eltern kannte ich die Probleme, die bei einem Familienbetrieb entstehen können“, sagt er. Doch als sich der Generationenkonflikt im elterlichen Betrieb zuspitzte, sah er in der Gründung eines eigenen Unternehmens den einzigen Ausweg. „Als wir Anfang 2010 aus dem Betrieb meiner Eltern ausschieden, waren sie schon über 80 Jahre alt und hatten nicht vor, in Rente zu gehen“, erinnert sich der Berliner. „Meine Frau und ich hatten die ganze Arbeit, während das Geschäft für meine Eltern eine Art Zeitvertreib war. Problematisch war vor allem, dass sie Neuerungen und notwendige Marktanpassungen behindert haben. So konnten wir nicht konkurrenzfähig bleiben!“ Eine unzureichende Nachfolgeregelung verschlechterte die Aussichten des Betriebs zusätzlich und führte schließlich zur Neugründung durch die Junior-Chefs.

Von Anfang an bewusst handeln

Im Vergleich zu einer Einzelgründung muss bei einer Gründung im Team die Gruppendynamik bedacht werden. So können sich die Partner die Last der Gründung teilen, sich gegenseitig den Rücken stärken und in ihren Talenten ergänzen. Doch kann es auch zu Konflikten und Meinungsverschiedenheiten kommen. „Ein Start-up sollte von Anfang an darauf achten, entscheidungsfähig zu bleiben. Wir empfehlen grundsätzlich, dass einer der Gründer im Zweifelsfall eine Stimmmehrheit haben soll“, sagt Jan Wolkenhaar, Leiter des bundesweiten Expertenteams für Gründung und Nachfolge bei der HypoVereinsbank. Gründerteams, die auch privat ein Paar sind, sollten ihre zukünftige Geschäftsbeziehung optimalerweise schon vor der Gründung reflektieren. Denn oft bedenken Lebenspartner nicht, dass sich die private von der geschäftlichen Interaktion unterscheidet. „Bei Liebespaaren werden unausgesprochene Wünsche und Erwartungen an das gemeinsame berufliche Vorhaben häufig zum ersten Problem“, sagt Ilonka Winkler, Businesscoach aus Hamburg. „Unter dem Motto ‚Der andere kennt mich ja‘ wird vieles einfach vorausgesetzt. Doch für die Selbstständigkeit müssen sich Paare noch einmal ganz neu kennenlernen und zusammenraufen. Das wird oft unterschätzt!“ Beide Partner sollten sich im Vorwege darüber klar werden, wie sie sich die Selbstständigkeit mit ihrem Partner vorstellen: Was erwarte ich von ihm oder ihr? Welche Ziele verfolge ich? Wie trenne ich Geschäftliches von Privatem? Soll es Tage geben, an denen das Unternehmen zum Tabuthema wird? Welche Rolle spielt die Selbstständigkeit für unsere Liebesbeziehung und die Familie? Im Idealfall kommen dann beide Gründer getrennt voneinander zu demselben Ergebnis. „Das habe ich bislang aber nur selten erlebt“, lacht Ilonka Winkler. „Doch wenn beide Partner es schaffen, schon vor der Gründung einen Konsens zu finden und schriftlich zu fixieren, steht das gemeinsame Projekt von Anfang an auf einer gesunden Basis.“

Wunsch und Wirklichkeit

In der Praxis hatten die Eheleute Haferland in ihrer Gründungsphase ganz andere Schwierigkeiten zu bewältigen. „Wir haben unseren Betrieb im wahrsten Sinne des Wortes auf der grünen Wiese aus dem Boden gestampft“, blickt Matthias Haferland auf die Anfangstage zurück. „Zunächst einmal mussten wir die finanziellen Hürden meistern. Mit großer Unterstützung von unserem Kundenberater bei der HypoVereinsbank ist uns das auch gelungen.“ Zusätzlich erschwerten Personalfragen den Start in die gemeinsame Selbstständigkeit. Immer wieder stellte das Gründerpaar neue Mitarbeiter ein und erlebte dabei böse Überraschungen. „Vor allem im ersten Jahr hatten wir eine hohe Fluktuation“, erinnert sich Ines-Katleen Haferland. „Wir hätten nie gedacht, dass es so schwierig sein würde, ordentliche Leute zu bekommen. Doch mittlerweile hat sich die Lage stabilisiert.“

Reden, reden, reden und zur rechten Zeit schweigen

Gerade in stressigen Phasen, wenn das eigene Unternehmen seine ersten wackeligen Schritte wagt, können Probleme im Unternehmen auch das Familienleben beeinträchtigen. Bei hoher Arbeitsbelastung und wenig Freizeit fällt das Abschalten nach Feierabend besonders schwer. „Wir arbeiten eisern daran, die Probleme aus dem Betrieb nicht mit nach Hause zu nehmen“, erzählt der fünfzigjährige Maschinenbauer. „Das gemeinsame Arbeiten kann zur Belastungsprobe für die Ehe werden. Doch selbst wenn es in der Firma zu Meinungsverschiedenheiten kommt, versuchen wir, sie zu Hause unter den Tisch fallen zu lassen. Denn letztlich sind wir auch eine Familie und unsere Tochter soll nicht unter unserem beruflichen Stress leiden.“ Konfliktgespräche tauchen in allen geschäftlichen Partnerschaften einmal auf. Doch besonders Paare sollten einen guten Umgang damit finden, denn ihre Beziehung kann sowohl von beruflichem, als auch von privatem Streit überschattet werden. „Wir probieren, uns jeden Morgen Zeit zu nehmen, um über alles zu sprechen, was in der Firma ansteht“, sagt Ines-Katleen Haferland. Regelmäßige Gesprächstermine ermöglichen, dass das Geschäftliche in der freien Zeit nicht so oft zum Thema wird. Das schafft Raum für die Pflege der privaten Beziehung. Außerdem dienen sie dazu, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und tragen maßgeblich zum Gelingen eines Unternehmens bei. „Es hat sich bewährt, unangenehme Themen frühzeitig anzuschneiden. Denn wenn sich unausgesprochene Probleme erst einmal aufsummieren, dann macht sich das letztlich auch bei den Kunden bemerkbar“, weiß die Expertin Ilonka Winkler. „Die Kunden spüren das. Erst kommen sie ungern und dann gar nicht mehr.“ So können eingeschliffene Konfliktherde schnell zum Hemmschuh der erfolgreichen Gründung werden. „Wir haben leider auch Paare erlebt, die sich im Rahmen der Gründung auseinandergelebt und sich sowohl privat als auch geschäftlich getrennt haben“, sagt der HVB-Experte. „Solche Konflikte bringen oft auch finanzielle Schwierigkeiten mit sich.“

Jedem das Seine

Für das Ehepaar Haferland ist die Arbeitsteilung ein wichtiger Baustein ihres geschäftlichen und privaten Erfolgs. Er ist für die Maschinen, die Technik und die Produktion zuständig, sie organisiert das Büro, die Finanzen und den Kundenkontakt. „Als Bank haben wir positive Erfahrungen mit Paaren gemacht, die ihre Aufgabenbereiche in der Firma klar trennen“, berichtet Jan Wolkenhaar. „So kann jeder seine Stärken eigenständig einbringen.“ Wer möchte, kann Aufgabenverteilung, Arbeitszeiten, Verantwortlichkeiten oder Regelungen für den Krankheitsfall schriftlich festhalten. So können sich beide Partner in Krisenzeiten auf ein klares Regelwerk berufen und Streit vorbeugen. Bei den Haferlands klappt die Zusammenarbeit auch ohne schriftliche Vereinbarungen. „Wenn Not am Mann ist, fahre ich auch kurz vor Feierabend noch einmal quer durch Berlin und liefere aus“, sagt Frau Haferland. „Wir rechnen uns unsere Leistungen nicht gegenseitig auf. Es hängt eben die Existenz unserer Familie daran und dann frage ich nicht nach Arbeitszeiten.“

Die schöne Seite der Medaille

Sicherlich müssen besonders Paare auf einen fairen und verbindlichen Umgang miteinander achten. Doch funken auch im Business beide Partner auf derselben Frequenz, so kann sich der Glücksgewinn verdoppeln. „Das gemeinsame Arbeiten hat uns als Paar fest zusammengeschweißt“, findet die fünfzigjährige Ines-Katleen Haferland. Und ihr Mann ergänzt: „Durch die große Nähe haben wir ein viel intensiveres Verständnis füreinander. Gegenseitige Vorwürfe anderer Paare wie ‚Nie hast Du Zeit für mich‘ oder ‚Dein Job ist Dir wichtiger als die Familie‘ kennen wir gar nicht. Wir wissen jederzeit, wie es um die zeitliche und finanzielle Situation des anderen bestellt ist.“ Auch gegenseitiges Lob und Anerkennung spielt bei Gründerpaaren eine besonders wichtige Rolle. Denn die kommen bei Paaren oft zu kurz, wie Ilonka Winkler aus ihrer Praxis weiß. Das Ehepaar Haferland kann sich immer aufeinander verlassen und ergänzt sich gut. „Ich schätze an meiner Frau ganz besonders, dass sie Ordnung in den Geschäftsablauf bringt. Das könnte ich lange nicht so gut!“, sagt der Familienvater und Unternehmer. Für seine Ehefrau sind der Einfallsreichtum und Erfahrungsschatz ihres Mannes seine besten Qualitäten als Geschäftspartner: „Wenn zum Beispiel mal eine Maschine ausfällt, dann krempelt mein Mann eben die Ärmel hoch und macht einfach. Ich habe immer die Gewissheit, dass er sich etwas einfallen lässt, und kann so die innere Ruhe bewahren.“

Wenn das Geschäft der alleinige Inhalt einer Paarbeziehung ist, kann eine Gründung schon mal zum Beziehungskiller werden. Doch umgekehrt kann sich ein offener und ehrlicher Umgang im Business auch positiv auf die private Lebensgemeinschaft auswirken. Wie auch immer Paare ihre berufliche Zusammenarbeit organisieren, am Ende gilt für jedes erfolgreiche Gründungsteam: 1 + 1 > 2.

Gründen als Paar: Dreimal Pro und Contra vom Ehepaar Haferland

  • Pro: Wir haben dasselbe Interesse – gerade auch beim Finanziellen.
  • Contra: Das finanzielle Risiko trifft beide.
  • Pro: Wir vertrauen uns zu 100 Prozent.
  • Contra: Der Spielraum für die Familie ist geringer.
  • Pro: Wir haben bei unseren Absprachen kurze Wege.
  • Contra: Einen dritten Nachteil können wir nicht finden.

Drei Tipps an Gründerpaare von Coach Ilonka Winkler

  1. Frühzeitig Probleme ansprechen, bevor es für eine friedliche Lösung zu spät ist.
  2. Lieber eine klare Vereinbarung zu viel als zu wenig.
  3. Lob und Anerkennung ausdrücken.

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