Die Gruendertrainerin_Julia Derndinger_HVB Gruenderinnen Mentoring
23.08.2016

Gründertraining

Wonder Woman: Die Gründertrainerin Julia Derndinger

Noch nie gab es so viele neue innovative Unternehmen, hinter denen Frauen stehen. Doch der Weg dorthin ist meist ein steiniger. Julia Derndinger ist Gründertrainerin. Sie unterstützt Start-ups dabei, erfolgreich zu sein, denn das ist ihre Superkraft, wie sie selbst sagt. Dabei stellt sie immer wieder fest: Die Hindernisse für Gründerinnen sind stets ähnlich. Aber keineswegs unveränderliche Tatsachen.

Es ist ein kühler Abend in Hamburg, als wir uns in der Lounge des East Hotels treffen, einem historischen Klinkerbau aus dem 19. Jahrhundert im Herzen Hamburgs. Zügige Schritte in der Lobby, ein knappes „Hallo“ in Richtung Rezeption – Julia Derndinger steht im Raum. Sie trägt schwarze Samt-Stiefeletten und Perlen-Ohrstecker, sehr geschmackvoll, dazu einen schwarzen Rollkragen-Pullover. Die Unternehmerin ist stilistisch state of the art – und etwas verspätet. Die Hamburger Innenstadt, ein einziger Stau – aber das ist jetzt nicht das Thema. Heute geht es um die Profession der Wahlberlinerin und ihr Engagement im Frauenbeirat der HypoVereinsbank in Berlin.

Julia Derndinger ist Gründerin, Unternehmerin und Gründertrainerin und Mitglied des Berliner HVB Frauenbeirats, der 2015 gegründet wurde. Dass sich die 41-Jährige mit ihrer Expertise dort einbringt, hat einen guten Grund: „Das Berliner Chapter wurde mit den Schwerpunkten Gründer und Digitalszene gegründet, und das ist sozusagen meine Leidenschaft.“

J-Straps: Erfolgreich mit Handy-Anhängern

Julia Derndinger hat an der Handelshochschule in Leipzig BWL studiert und ist anschließend bei zwei Großkonzernen im Bereich Strategie, Marketing und Kundenbindung tätig. „In dieser Zeit habe ich mein erstes eigenes Unternehmen gegründet, Trendwerk77, das war 2004.“ Unter dem Markennamen J-Straps lässt sie damals Handy-Anhänger in Asien herstellen, die sie europaweit distribuiert. „Für mich als Gründerin war damals die prägnanteste Herausforderung, dass ich all das noch nie gemacht hatte: Ich war noch nie Unternehmerin, hatte noch nie ein Produkt in Asien produziert, noch nie um ein Produkt einen Vertrieb aufgebaut und auch noch nie einen Mitarbeiter eingestellt.“ Doch eines hatte Julia: einen Geschäftspartner, der zehn Jahre älter war als sie. „Er hat mir in vielen Dingen geholfen, war in gewisser Weise mein Mentor. Ich habe deshalb nicht so über Probleme nachgedacht, sondern einfach gemacht.“ 2008 stieg sie aus dem Unternehmen aus und gründete einen Online-Verleih für Kinderspielzeug. Mittlerweile konzentriert sich Julia auf die Arbeit als Gründertrainerin.

"Meine Mutter hat mir vorgelebt: Frau kann alles sein!"

Julia Derndinger ist in Hamburg geboren und in einem Elternhaus mit zwei Akademikern groß geworden, in dem die Mutter schon früh Karriere gemacht hat. „Sie hat mir immer vorgelebt: Eine Frau kann alles sein und hat auch einen Anspruch auf Macht. Und genau da sehe ich, dass uns die Vorbilder fehlen. A) fehlen uns unternehmerische Vorbilder und b) insbesondere weibliche. Für Frauen ist es nach wie vor kein Karriereweg, Unternehmerin zu werden.“ 1966 war es, als James Brown „It’s a Man’s World“ sang. Fünfzig Jahre später habe sich daran für Frauen, die in Deutschland gründen wollen, nicht viel geändert, wie die Gründertrainerin feststellt: „Ich kann ja mit Kindern in Deutschland fast keine Karriere machen, weil die Jobs nicht darauf ausgelegt sind. Sie sind nicht auf Teilzeit ausgelegt, sie sind nicht auf Meetings nach 17 Uhr ausgelegt. Und das finde ich frauenfeindlich und schadet der Gesellschaft noch mehr als den Frauen.“

Gründer als Vorbilder

Für die Gründer-Strategin ist es deshalb wenig überraschend, dass der Frauenanteil in Aufsichtsräten und Vorständen börsennotierter Unternehmen hierzulande magere 12,3 Prozent beträgt. Julia Derndinger weiß, dass Kandidatinnen für Führungsjobs häufig auf informellem Wege auserkoren werden. „Hier sind nur diejenigen Frauen im Vorteil, die Zugang zu den sogenannten ‚Old Boys’ Networks‘ haben, also mit den meist älteren und männlichen Entscheidern befreundet sind. Doch diesen Zugang haben die wenigsten.“ Auch um dieses Muster zu durchbrechen, hat die HypoVereinsbank 2012 ein Mentoringprogramm für Existenzgründerinnen ins Leben gerufen. Weibliche Gründerinnen werden dabei von erfahrenen Unternehmerinnen aus dem HVB Frauenbeirat und den Gründungsexperten der HypoVereinsbank mit Praxistipps, Hintergrundwissen und langjähriger Expertise auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit begleitet und unterstützt. Ebenso spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle. Problematisch findet Julia Derndinger, wenn dieses Thema vor allem als Frauenproblem verstanden wird. Das erschwere Frauen den Karriereweg zur Unternehmerin. „Deshalb braucht es Vorbilder, die zeigen, dass es geht.“

"Ideas are nothing, execution is everything"

Apropos Vorbild: Hat Julia Derndinger eines? „Ich habe immer nach einem Menschen gesucht, von dem ich sagen kann, der oder die kann etwas, dass mich begeistert.“ Fündig sei sie bisher noch nicht in einer einzigen Person geworden, weil diese Person nicht nur fachlich gut sein, sondern auch ein integres Wertesystem haben müsse, welches man häufig erst im Zeitverlauf validieren kann. „Aber ich treffe immer wieder Menschen, die mich inspirieren und zu denen ich aufschaue. Und manchmal sind das auch Menschen, die deutlich jünger sind als ich. Gründer zum Beispiel.“ Doch die müssen Macher sein. „Ideas are nothing, execution is everything“ – daran glaube sie. „Es ist schließlich meine Aufgabe zu sagen: ‚Naja, wenn alles Scheiße ist, dann kann es nur an einem liegen, nämlich an Dir“, sagt sie lachend und ergänzt: „Man muss schon ein bisschen masochistisch veranlagt sein, um sich von mir immer wieder die Watschen abzuholen. Aber es lohnt sich.“

Die Superkraft, Unternehmer besser zu machen

Julia Derndinger lässt keinen Zweifel daran, dass sie dafür lebt, sich für Gründer und Unternehmer ins Zeug zu werfen. „Ich habe für mich erkannt, dass ich eine Superkraft darin habe, Unternehmer noch besser zu machen. Das ist glaube ich das, was die meisten Menschen ihr ganzen Leben versuchen – ihre Superkraft zu finden, mit der sie besser sind als andere.“ Deshalb ist es für sie auch keine Arbeit, keine Anstrengung, Gründern dabei zu helfen, ihre Firma groß zu machen und Sparringspartner für wichtige Entscheidungen zu sein. „Ich mache das auch am Wochenende. Und jeder Gründer, der nicht schnell genug auf dem Baum ist, läuft Gefahr, dass ich versuchen werde, sein Leben zu optimieren.“

Machen Sie sich ein genaues Bild vom HVB Frauenbeirat, unseren Mentees und ihren Geschäftsideen und folgen Sie unseren Blog-Beiträgen zum aktuellen HVB Gründerinnen-Mentoring 2016.

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