18.10.2013

Existenzgründung

Gründervirus gegen Krankenhauskeime

Die Humanbiologin Beatrix Förster ist Mentee im HVB Gründerinnen-Programm und Macherin von PYCAB. Das Startup entwickelt Antikörperpräparate, die eine spezifische Wirksamkeit gegenüber Krankenhauskeimen besitzen und zu keiner Resistenzentwicklung führen.

Frau Förster, was hat Sie veranlasst, auf dem Gebiet der Antikörperforschung aktiv zu werden?

Als Leiterin des Antikörperentwicklungs-Labors einer Biotech-Firma lernte ich das große therapeutische Potential, die zielgerichtete und langanhaltende Wirkung und die gute Verträglichkeit dieser Moleküle schätzen. Wir entwickelten erfolgreich einen Anti-Krebs Antikörper bis zum Markteintritt. Gleichzeitig wurde ich in meinem persönlichen Umfeld mit der Problematik von Krankenhauskeimen und der damit verbundenen Hilflosigkeit konfrontiert. Aktiv bin ich in dem Bewußtsein geworden, dass ich über das nötige Expertenwissen verfüge, um dieses Problem erfolgreich anzugehen.

Was unterscheidet PYCAB-Antikörperpräparate von Produkten anderer Anbieter?

Bei unserem Präparat handelt es sich um sogenannte humane polyklone Antikörper, welche multiple Zielmoleküle binden können. Mit der damit verbundenen hochwirksamen Immunaktivierung verfügen sie über ein starkes Alleinstellungsmerkmal gegenüber herkömmlichen Therapiemethoden. Unsere Antikörper haben das Potential, resistente Erreger und freigesetzte bakterielle Giftstoffe wirkungsvoll zu eliminieren und damit sowohl Ursache als auch Symptomatik zu bekämpfen. Aufgrund ihres vielseitigen Ansatzes wirken sie einer Resistenzentwicklung entgegen und können, prophylaktisch angewendet, einen sofortigen Infektionsschutz in Echtzeit gewährleisten.

Für welche Zielgruppe sind Antikörperpräparate von PYCAB geeignet?

Krankenhauskeime sind häufig Opportunisten. Sie kommen natürlicherweise in unserer Umwelt vor und sie bereiten gesunden Menschen keine Probleme, da sie vom Immunsystem unschädlich gemacht werden. Problematisch wird es jedoch, wenn immungeschwächte Menschen diesen Keimen ausgesetzt sind. Dazu kommt, dass durch die häufige Verabreichung von Antibiotika im Krankenhaus sich dort die Keime anpassen und Resistenzen entwickeln. Damit werden Antibiotika zunehmend unwirksam. Unsere Zielgruppe sind sehr junge Patienten mit noch unausgereiftem Immunsystem, alte Patienten oder Patienten mit einem geschwächten Immunsystem, z.B. aufgrund einer Krebserkrankung. Außerdem Patienten, bei denen durch einen operativen Eingriff Keime, die normalerweise nur außerhalb des Körpers auftreten, ins Körperinnere gelangen.

Ihr Weg führt derzeit von der Wissenschaftlerin zur Unternehmerin. Was bedeutet das für Sie?

Ich habe Spaß daran, Dinge zu bewegen. Als Unternehmerin kann ich, angetrieben von meiner wissenschaftlichen Neugier, Visionen entwickeln und habe die Möglichkeit, mein gesammeltes Wissen in die Praxis umzusetzen. Es ist eine spannende Aufgabe, die wissenschaftliche Idee zum marktreifen Medikament weiterzuentwickeln und dafür die Verantwortung zu übernehmen.

Was ist das Besondere bei einer Gründung im Bereich der biomedizinischen Forschung?

Wir wissen, dass in unseren Molekülen ein großes therapeutisches Potential steckt. Die große Herausforderung ist es, einen Erfolg im Labor in ein zugelassenes Medikament zu überführen. Für eine erfolgreiche Arzneimittelentwicklung müssen Anforderungen von Patienten, Ärzten, Krankenversicherungen und Aufsichtsbehörden berücksichtigt werden. Das ist nicht im Alleingang zu bewältigen, sondern erfordert ein breit aufgestelltes interdisziplinäres Team sowie ein weitreichendes Expertennetzwerk.

Wie profitieren Sie von Ihrer Mentorin Stephanie Czerny?

Stephanie Czerny ist eine vielseitige und sehr engagierte Frau mit einem sehr guten Gespür für Innovationen und Zeitgeist. Sie ist von der Firmenidee begeistert und unterstützt mich durch ihr großes Netzwerk, wo immer sich Chancen ergeben. Ein besonderes Highlight war mein Auftritt auf der DLDwomen 2013, bei dem ich die Firmenidee vor einem großen Publikum vorstellen durfte.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von PYCAB?

Ich wünsche mir für die nächsten Jahre die erfolgreiche Entwicklung einer Therapie gegen Krankenhauskeime, damit dieses Problem bald der Vergangenheit angehört. Langfristig wünsche ich mir, das Potential unserer Technologieplattform auszuschöpfen und Lösungen für weitere drängende medizinische Probleme zu finden.

Weitere Informationen zum HVB Gründerinnen-Mentoring erhalten Sie unter www.hvb.de/frauenbeirat.

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