Gründungsfinanzierung

29.04.2014

Darauf sollten Start-ups achten

Hinter jeder erfolgreichen Gründung stehen eine gute Idee und ein Mensch, der diese mit Leidenschaft vertritt. Gründer sind mit ihrer Branche bestens vertraut – aber reicht das aus? Jein, denn jede noch so gute Idee steht und fällt mit der Gründungsfinanzierung. Worauf Existenzgründer dabei achten sollten, verrät unsere Expertin Birgit Kownatzki.

Als Spezialistin für Gründungs- und Nachfolgefinanzierungen berät Birgit Kownatzki bei der HypoVereinsbank angehende Gründer bei der Finanzierung ihres Vorhabens. Sie wälzt also Businesspläne, fühlt deren Verfassern auf den Zahn und hilft dabei, Lebensträume zu verwirklichen.

Frau Kownatzki, Stichwort Stolperstein: Was sind die häufigsten Fehler bei einer Unternehmensgründung – und wie kann man sie vermeiden?

Meiner Erfahrung nach unterschätzen Gründer häufig die Länge der Anlaufphase, in der die Umsätze noch sehr überschaubar sind. Dadurch kann es zu Liquiditätsengpässen bei der Gründungsfinanzierung kommen. Auch der Kapitalbedarf für Investitionen und laufende Kosten wir oft zu knapp kalkuliert. Wir empfehlen deshalb, eine Reserve von etwa zehn Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens einzuplanen und gerade die Anfangsphase sehr vorsichtig zu planen. Eine weiterer Stolperstein sind zu geringe Eigenmittel  – die richtige Höhe ist abhängig von Vorhaben und Kapitalbedarf. Wenn man hier also überhaupt eine Pauschale nennen kann, dann etwa 15 bis 25 Prozent auf die notwendigen Investitionen. Eigenmittel sind einfach wichtig, damit die monatlichen Tilgungen nicht zu hoch werden.

Außerdem stellen wir oft fest, dass das fachliche Know-how von Gründern exzellent ist, das kaufmännische jedoch unterschätzt wird – das eine gleicht das andere aber nicht aus. Man muss kein Betriebswirt sein, um erfolgreich zu gründen, aber ein gesundes Basiswissen sollte vorhanden sein. Ist das nicht der Fall, gehört ergänzend unbedingt ein guter Kaufmann ins Team. Teilweise werden auch die emotionalen Herausforderungen einer Selbständigkeit unterschätzt – es ist einfach ein großer Unterschied, ob ich Angestellter oder selbständiger Unternehmer bin.

Worauf kommt es beim Businessplan an?

Auf Vollständigkeit. Es gibt diverse Checklisten im Internet – zum Beispiel im HVB-Gründerportal  – an denen man sich gut orientieren kann. Dazu noch ein paar Tipps von mir:

  • Schreiben Sie den Businessplan verständlich, auch für Branchenfremde – schließlich müssen zunächst wir Bankmitarbeiter ihn verstehen.
  • Die Planzahlen müssen nachvollziehbar und betriebswirtschaftlich korrekt sein.
  • Außerdem freuen wir uns immer über Nebenrechnungen, wenn also zum Beispiel die Umsatzplanung gesondert hergeleitet wird. Das ist ja bei der Planung immer das Schwierigste, man kann sich dem aber relativ gut nähern, indem man überlegt, wie viele Produkte beziehungsweise Dienstleistungen man pro Tag/Woche/Monat verkaufen kann.
  • Ganz wichtig ist darüber hinaus Ehrlichkeit: Chancen, aber eben auch Risiken müssen benannt werden. Eine Gründung ohne Risiko gibt es nicht – deshalb schätze ich es sehr, wenn ein Gründer sich Gedanken darüber macht.

Wenn der Businessplan geschrieben ist – was sind die nächsten Schritte?

Die Bank prüft die eingereichten Unterlagen und lädt den Gründer anschließend zu einem persönlichen Kennenlernen ein, in dem weitere Fragen geklärt werden. Danach sollte die Bank einen Finanzierungsvorschlag unterbreiten, dem man die Kreditarten, die Zins- und Tilgungsmodalitäten und die angedachten Sicherheiten entnehmen kann. Für mich ist es eindeutig Aufgabe der Bank, den optimalen Finanzierungsplan für ein Vorhaben zur erstellen, und dabei auch öffentliche Fördermittel zu berücksichtigen. Es gibt unendlich viele Fördermöglichkeiten zur Gründungsfinanzierung, damit sollte sich der Gründer selber nicht zu viel befassen müssen. Üblicherweise werden im Anschluss Förderinstitute wie die KfW-Mittelstandsbank und eine Bürgschaftsbank eingebunden. Darum kümmert sich ebenfalls die Bank: Sie erstellt Anträge und koordiniert die Kontaktaufnahme zu den Instituten. Insgesamt unterstützt die Bank den Gründer natürlich vor allem in puncto Kreditgenehmigung.

Wodurch zeichnen sich erfolgreiche Gründerpersönlichkeiten aus?

Wir achten natürlich sehr darauf, dass der Gründer Fach- bzw. Branchenwissen mitbringt – das ist bei einem Großteil der Fall. Auch kaufmännisches Verständnis ist wie gesagt wichtig, damit der Gründer seine Unternehmenszahlen planen und auswerten kann, aber auch Warnsignale rechtzeitig erkennt. Obligatorisch ist außerdem die Vertriebsmentalität: Die beste Idee nützt nichts, wenn man sie nicht verkaufen kann.” Ein ganz wichtiger Punkt ist auch, was ich gern “Unternehmerpersönlichkeit” nenne: Dazu gehört, sein Vorhaben mit Leidenschaft und Biss zu verfolgen, mit Konzentration auf das Wesentliche und Entscheidungsfreude. Und sicher auch die Erkenntnis, dass man es nicht allen recht machen kann – und das auch nicht muss.

Perspektivenwechsel: Worauf sollten Gründer bei der Auswahl der Bank achten?

Die Bank sollte über Spezialisten für Unternehmensgründungen verfügen. Die Prüfung von Businessplänen, die Zusammenstellung der Finanzierungsmittel, die Koordination der einzelnen Anträge und auch die Begleitung der ersten Monate der Selbständigkeit erfordern ein besonderes Know-how. Im Idealfall gibt es auch noch Spezialisten für öffentliche Fördermittel. Ich finde es außerdem ganz wichtig, dass der Bankberater auf das persönliche Gespräch mit dem Gründer gut vorbereitet ist, also den Businessplan intensiv gelesen und seine Fragen dazu zusammengestellt hat. Das ist nicht nur eine Frage der Wertschätzung – bei jeder Gründung geht es schließlich um einen Lebenstraum und um eine wirtschaftliche Existenz. Und ansonsten ist es wie immer im Leben: Die persönliche Chemie muss stimmen. Gründer und Berater müssen sich gegenseitig vertrauen. Dann kann man auch schwierige Phasen – wenn sie denn kommen sollten – gemeinsam meistern.

Sie haben eine Frage zum Thema Gründungsfinanzierung? Dann schreiben Sie Birgit Kownatzki  eine E-Mail!

  1. Andrea Kantioler
    14. Juli 2014, 10:36

    Hallo Sven,
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Es freut uns sehr, wenn wir Ihnen mit unserem Beitrag weiterhelfen konnten. Wir wünschen viel Erfolg für Ihr Vorhaben!
    Beste Grüße, Andrea Kantioler

  2. 11. Juli 2014, 19:46

    Das ist wirklich eine treffende Beschreibung und sehr hilfreich.
    Beim Businessplan lautet die einfache Formell wohl:
    So optimistisch, dass man es finanzieren möchte, aber so zurückhaltend, dass man überhaupt noch eine Finanzierung braucht.

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