05.11.2014
Tipp

Kostenkontrolle

Haushaltsbuch im Selbstversuch

Die Möbel sind aufgebaut, die Kartons aufgeräumt und mein Name klebt an Klingelschild und Briefkasten. Ich wohne in meiner ersten ganz und gar eigenen Wohnung. Während diese nun ordentlich hergerichtet ist, herrscht auf meinem Bankkonto Chaos. Die Übersicht über meine Finanzen muss mir bei einem Besuch eines schwedischen Möbelhauses verloren gegangen sein. Um für Ordnung auf meinem Bankkonto zu sorgen, greife ich in Muttis Trickkiste: Ein Haushaltsbuch soll mir übersichtlich darstellen, wohin mein Geld entschwindet und wo ich sparen kann. Ein Selbstversuch.

Da Stift und Papier für einen „Digital Native“ sowas von unzeitgemäß sind, schaue ich mich im Netz um. Dort gibt es nicht nur PC-Programme, sondern unzählige Apps, die mit unterschiedlichen Funktionen um meinen Download konkurrieren. Während iOS und Android-Nutzer vor der Qual der Wahl stehen, fällt mir als Windows-Nutzer die Entscheidung angesichts der überschaubaren Anzahl der Apps verhältnismäßig leicht. Ich entscheide mich für eine gängige App, die für alle drei Betriebssysteme auf verschiedenen Endgeräten bereitgestellt wird.

Auf den ersten Blick erscheint die App denkbar simpel: Ich gebe ein Startguthaben an – also am besten meinen Kontostand – ein und ziehe meine Ausgaben davon ab. Passenderweise kann ich über die App unterschiedliche Konten anlegen, von denen die jeweiligen Ausgaben abgezogen werden: das Girokonto, das Sparkonto, die Kreditkarte oder ganz einfach mein Bargeld.

Viele Funktionen, schnelle Integration in den Alltag

Feste Einnahmen und Ausgaben lassen sich standardisieren – so können wiederholt getätigte Buchungen, wie Gehalt, Miete, Telefon- oder Stromkosten, automatisiert verbucht werden. Kleine Symbole ordnen den Einnahmen und Ausgaben Funktion und Herkunft zu. Häufige Ausgaben, wie beispielsweise Lebensmittel, können schnell verbucht werden, indem man sie als Shortcuts anlegt. Die Zuordnungen werden in einem schicken Tortendiagram aufbereitet und zeigen, welche Anteile die einzelnen Positionen an meinen gesamten Ausgaben haben.

Damit man seine persönliche Bilanz ausführlich analysieren kann, bietet die App die Möglichkeit, Berichte als PDF zu exportieren, beispielsweise per Mail. Mich persönlich hat die Auswertung etwas enttäuscht – sie sind mehr Kontoauszug als Big Data meines Konsumverhaltens. Vielleicht liegt das auch am Wermutstropfen dieser App: Besondere Features, wie mehr als 20 Einzelbuchungen oder die Vollversion der Berichte, sind nur per In-App-Kauf möglich.

Die Frage, ob ich mich in die DeluxeVersion des Haushaltsbuchvergnügens stürzen soll, stellt sich mir nach knapp drei Wochen. Ich muss gestehen, so „Digital Native”, wie ich es mir wünschen würde, bin ich wohl doch nicht. Mein Smartphone ist mir zu klein und unübersichtlich, um alle Features der App vollständig nutzen zu können. Auch wenn die App einfach in den Alltag integrierbar ist, fehlen mir die Möglichkeiten, meine Ausgaben Schritt für Schritt zu überprüfen und zu reflektieren. Ich werde mir für den Preis der DeluxeVersion lieber ein Notizbuch kaufen und ein Haushaltsbuch anno dazumal führen.

Sparen ermöglicht mehr finanzielle Freiheit

Einige Lektionen habe ich aus meinem Selbstversuch allerdings gelernt. Ein Haushaltsbuch zu führen benötigt vor allem eines: Disziplin – oder zumindest eine Gewöhnungsphase. Die Äpfel vom Markt, der Kaffee um die Ecke oder der Snack bei der Arbeit sind schnell gekauft und die Ausgaben dafür ebenso schnell vergessen. Wenn man nicht aufpasst, läppern sich diese “Nebenbei-Käufe“ in schwindelerregende Höhen zusammen. Was mich zu meiner zweiten Lektion führt: Sparen und Faulheit vertragen sich nicht gut miteinander. Statt sich in der Mittagspause im Restaurant bedienen zu lassen, spart man ungemein viel Geld, wenn man sein Lunchpaket zu Hause zubereitet.

Wenn das Haushaltsbuch diesbezüglich erst einmal die eigenen menschlichen Schwächen aufgedeckt hat, macht es aber ungemein viel Spaß, Ehrgeiz beim Sparen zu entwickeln. Fast wie von selbst bin ich dazu motiviert, Elektrogeräte aus den Steckdosen zu ziehen, brav mein Essen vorzubereiten und Discounter-Sonderangebote vor dem Schreiben des Einkaufszettels zu studieren. Das Chaos auf dem Konto ist schnell wieder in Ordnung, wenn man weiß, welche Fixkosten im Monat entstehen, mit welchen variablen Kosten man im Laufe der Zeit rechnen muss und ob man sogar eine kleine Summe zur Seite legen kann. Dann lassen sich in der neuen Wohnung wieder neue Pläne schmieden – zum Beispiel der nächste Urlaub.

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