Hand in einem Laborhandschuh hält einen Probenbecher.
08.11.2016
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HealthTech

HealthTech: Start-up entwickelt Biomarker-Test für Zuhause

Das Dresdner HealthTech-Start-up Anvajo hat gemeinsam mit der TU Dresden und der Universität Trondheim ein Minilabor entwickelt, mit dem verschiedene Biomarker in den eigenen vier Wänden getestet und überwacht werden können. In den Markt einsteigen wollen die Anvajo-Gründer Verena Kretschmann und Stefan Fraedrich Ende 2017 mit einem Fertility Kit, dass es zunächst ermöglichen soll, eingeschränkte männliche Fruchtbarkeit zu Hause zu detektieren, zu beobachten und zu verbessern. Damit will das Start-up Paaren dabei helfen, sich ihren Kinderwunsch schneller und auf möglichst natürliche Weise zu erfüllen.

Biomarker-Test für Zuhause

Es sieht aus wie ein kleiner Würfel: Das Mini-Lab für Biomarker-Schnelltests von Verena Kretschmann und Stefan Fraedrich, den Gründern des Dresdner HealthTech-Start-ups Anvajo. „Mit unserem Minilabor für Zuhause ermöglichen wir das problemlose Testen und Überwachen verschiedener Biomarker wie Blut, Speichel, Urin oder Sperma“, sagt Verena Kretschmann, in diesem Jahr eine von sechs Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentorings. In den Markt einsteigen will Anvajo Ende 2017 zuerst mit einem Fertility-Kit, mit dem eingeschränkte männliche Fertilität in den eigenen vier Wänden getestet, getrackt und verbessert werden kann. Die Handhabung des Geräts ist simpel und benutzerfreundlich: Die entsprechende Probe der Körperflüssigkeit wird von einer sogenannten Testcatridge automatisch in der richtigen Menge eingesaugt. Die Catridge muss dann nur noch in das Minilab gesteckt werden. Innerhalb weniger Minuten werden die Ergebnisse dann über eine Bluetooth-Verbindung auf das Smartphone des Nutzers übertragen und in einer App angezeigt.

Minilabor in der Seedfinanzierung

Verena Kretschmann und ihr Co-Founder Stefan Fraedrich kennen sich bereits seit vielen Jahren. „Ich fand Stefans Forschung, die er auf diesem Gebiet mit Unterstützung der Unis bereits vor sechs Jahren begonnen hat, schon immer sehr spannend. Daher haben wir uns regelmäßig über den aktuellen Stand ausgetauscht“, erklärt die 31-jährige Unternehmerin. Irgendwann kam das Minilab seiner Marktreife immer näher und die beiden beschlossen, diese gemeinsam voranzutreiben. Ihre Forschung und Entwicklung haben Kretschmann und Fraedrich über Eigenmittel, ein Exist-Gründerstipendium sowie die Teilnahme am Pre-Accelerator-Programm Dubai100 finanziert. „Momentan stecken wir mitten in unserer Seedfinanzierung“, so die HVB-Mentee. Die nächsten großen Meilensteine im kommenden Jahr sind der Abschluss der klinischen Studien für die ersten Anwendungen, die Zertifizierung des Minilabs sowie das Aufsetzen der Serienfertigung. 199 Euro soll das Gerät am Ende voraussichtlich kosten, die Cartridges für das Erstellen eines Spermiogramms unter 50 Euro.

Umfassendste Zellanalyse am Markt

In den vergangenen Monaten sind einige Start-ups gegründet worden, deren Ziel es ist, Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Für die Dresdner Gründer kein Problem, sie heben sich von ihren Konkurrenten vor allem durch die enorme Bandbreite ihres Produkts ab: „Für die Feststellung der männlichen Fertilität, also der Fruchtbarkeit des Mannes, gibt es bisher keinen Heimtest, der komplett laborkonforme Werte ermittelt“, sagt Verena Kretschmann.

Und welche Zielgruppe haben die Dresdner im Visier? „Im ersten Schritt ganz klar die Frau mit aktivem Kinderwunsch, die ihrem Mann unser Testkit kauft. Ebenso interessant für uns sind aber auch Paare, die generell einen Kinderwunsch haben, welcher aber nicht unbedingt akut ist. Wir geben ihnen die Möglichkeit, regelmäßig zu checken, ob grundsätzlich alles in Ordnung ist.“

Mentee und Mentorin im kreativen Austausch

Mit ihrem innovativen Ansatz im Bereich HealthTech hat Verena Kretschmann übrigens nicht nur Universitäten und Accelerator-Programme, sondern auch den HVB Frauenbeirat sowie die Jury des HVB Gründerinnen-Mentorings überzeugt. Mit Nina Hugendubel hat sie eine Unternehmerin zur Mentorin, die in der Buchbranche aktiv ist. Ein Nachteil? Keineswegs: „Erst kürzlich haben wir über die Vermarktung des E-Readers Tolino gesprochen, dessen Plattformtechnologie tatsächlich Parallelen zu der von uns angestrebten Nutzung unseres Minilabs als Plattform aufweist.“ Grundsätzlich erwartet die Dresdnerin von ihrer Mentorin eine neue Perspektive und ehrliches Feedback. „Darüber hinaus habe ich mit ihr sowohl allgemeine strategische Schritte besprochen, als auch in ganz konkreten operativen Fragen um ihre Hilfe gebeten.“

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