11.12.2014

Spottster

Einkaufs-Lust statt Online-Frust

Rund 45 Millionen Deutsche shoppen regelmäßig im Internet. Allerdings kann auch ein digitaler Einkaufsbummel viel Zeit und Nerven kosten. Mit Spottster bekommen Nutzer jetzt einen cleveren Shopping-Assistenten: Er bringt Ordnung in die Produkt-Auswahl und übernimmt sogar die Schnäppchenjagd.

Unübersichtliche Webshops, nervige Eingabe-Prozeduren und aufdringliche Werbe-Banner, die die Sicht versperren: Online-Shopping ist zwar praktisch, wer aber im Netz vergleichen will oder nach dem besten Angebot sucht, kann auch ganz schnell die Lust verlieren. Web-Stress nennen Wissenschaftler dieses Phänomen, das Verbraucher oft ganz fahrig macht. Da gibt man zum fünften Mal Schuhgröße und Farbe ein und gelangt trotzdem nicht zum Paarvergleich.

Nervenbalsam für Online-Shopper

Bei einer virtuellen Schnäppchenjagt mag sich das Hamburger Start-up spottster.com wie eine digitale Wellnesskur anfühlen. Denn: Die Shopping-Plattform bietet dem Nutzer einen virtuellen Einkaufszettel, mit dem sich Angebote übersichtlich beobachten und Preise komfortabel vergleichen lassen. „Wer in einem Online-Shop zum Beispiel einen tollen Mantel sieht, kann ihn via Klick im Browser mit einem Wunschpreis bei uns speichern. Wir beobachten das Produkt und schicken eine Nachricht, sobald es Preissenkungen oder Rabattaktionen gibt“, erklärt Freya Oehle, eine von insgesamt sieben Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentoring, ihr Geschäftskonzept.

Weit mehr als eine "Schnäppchen-Site"

Auf ihrer Einkaufsplattform lässt sich so ziemlich alles „spotten“, was das Shopper-Herz begehrt: Von Elektro-Artikel, Bücher und Mode über Inneneinrichtung, Reisen und Auto-Zubehör bis hin zu Lebensmittel und Pharma-Artikel reicht das Angebot. Den großen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Preisvergleich- oder Schnäppchenplattformen sieht die Hamburgerin vor allem in der Merkzettel-Funktion: „Während des Shoppens lassen sich Produkte mit Bild und aktuellem Preis anschaulich in einer Galerie ablegen. Preisbenachrichtigungen im Falle von Sales oder Gutscheinen erfolgen dann von ganz alleine. Das bedeutet: Der User kann Verkaufsaktionen und Angebote einfach „mitnehmen“, ohne, dass er aktiv danach suchen muss.“

Kunden aller Altersklassen

Mit ihrem Start-up hat die Jungunternehmerin sprichwörtlich den Nerv der Zeit getroffen und ein breites Klientel erobert. Denn: Es sind nicht nur die Digital Natives, die den cleveren Einkaufszettel zu schätzen wissen. Über die bunte Zusammensetzung ihrer Kundschaft ist die 25-Jährige allerdings selbst ein wenig überrascht: „Am Anfang hatten wir eigentlich mit jungen, weiblichen Usern gerechnet. Inzwischen wissen wir, dass Männer und Frauen unser Angebot gleichermaßen nutzen. Das Interessante: Obwohl wir ein Online-Produkt sind, haben wir auch viele Nutzer aus der Generation 50+.“

Senkrecht-Starter: Vom Hörsaal in die Unternehmerwelt

Zu ihrer Geschäftsidee ist die umtriebige Gründerin eher auf Umwegen gekommen. Ein Seminar im BWL-Studium gab ihr die Initialzündung, ein eigenes Business auf die Beine zu stellen: „Wir hatten an der Uni die Finanzierungsstruktur eines amerikanischen Start-up Unternehmens besprochen. Bei einem Blick auf dessen Homepage ärgerte ich mich über die schlechte Umsetzung einer so starken Idee. Gemeinsam mit meinem Schulfreund Tobias Kempkensteffen habe ich dann kurzerhand beschlossen: Das machen wir in gut!“ Gesagt, getan – nach sieben Monaten Tüftelarbeit im elterlichen Wohnzimmer stand die erste marktgängige Spottster-Version. Nach dem Launch war die Arbeit allerdings noch lange nicht vorbei: „Da hieß es dann: Klinken putzen bis sie glänzen“, erzählt Oehle mit einem Schmunzeln. „Gerade am Anfang war es eine große Hürde, Partnershops zu akquirieren. Schließlich waren wir noch nicht am Markt und niemand wusste, wer wir sind und was wir tun.“

Kreativer Input und Business Know-how

Erst im April ist spottster an den Start gegangen und legt seither ein rasantes Wachstum hin. Ausschlaggebend für die positive Entwicklung war nicht zuletzt auch die vielfältige Unterstützung, die das Start-up von ganz verschiedenen Seiten bekommt. „Unsere Familien und Freunde haben uns von Anfang an mit positivem Feedback unterstützt. Mittlerweile bekommen wir fast täglich Mails von Kunden, die uns Vorschläge zu neuen Funktionen und Online-Shops schicken.“ Mit unternehmerischem Know-how steht Steffi Czerny, Geschäftsführerin der internationalen Konferenz- und Innovationsplattform Digital Life Design (DLD) der Hubert Burda Media und Mitglied im HVB Frauenbeirat tatkräftig zur Seite. Vor allem der Erfahrungsschatz ihrer Mentorin ist für die Gründerin eine große Bereicherung: „Man merkt beizeiten schon, dass wir so etwas wie „die jungen Wilden“ sind. Wir haben noch keine langjährige Geschäfts-Routine und müssen täglich lernen, mit neuen Herausforderungen umzugehen. Da hilft es natürlich sehr, wenn man jemanden hat, der neue Perspektiven eröffnet oder auch einfach ein wenig Ruhe in den Workflow bringt.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

back to top