Geschlossene Sachwertefonds
06.05.2015

In Sachwerte investieren

Geschlossene Sachwertefonds: Investitionen zum Anfassen

Von Immobilien bis Infrastruktur: Geschlossene Sachwertefonds sind als Substanzwerte oder Sachwertanlagen nicht nur bei Währungs- und Konjunkturschwankungen ein Thema. Aufgrund ihrer geringen Abhängigkeit von Börsenzyklen können sie als Beimischung eine sinnvolle Ergänzung im Portfolio sein.

Mit über 5.000 Milliarden Euro besitzen die Deutschen so viel Vermögen wie noch nie. Allerdings fragen sich viele: Wohin mit dem ersparten Geld? Eine geeignete Kapitalanlage zu finden, ist im Moment nämlich alles andere als leicht. Die Kapitalmärkte sind von Unsicherheit geprägt, risikoarme Anlageformen wie Bankeinlagen oder Anleihen hingegen bringen nach Inflation und Steuern kaum noch Ertrag. Auf der Suche nach alternativen Geldanlagen beginnen viele Sparer, sich für Sachwerte zu interessieren. Immerhin sind sie an reale Werte gekoppelt, die sich jeder vorstellen und auch verstehen kann. Aber: Mal eben eine Immobilie kaufen? Für viele Anleger bleibt ein solches Vorhaben unerschwinglich. Geschlossene Sachwertefonds können eine interessante Alternative zum Einzelinvestment sein. In der Sonderform eines Portfoliofonds bieten sie sogar die Möglichkeit, schon mit vergleichsweise kleinen Summen in einen breiten Sachwerte-Mix zu investieren.

Asset-Allokation: Die Mischung macht den Unterschied

Vermögensanlagen reagieren höchst unterschiedlich auf Veränderungen im Wirtschaftsgeschehen. Die ökonomischen Zusammenhänge sind heutzutage derart komplex, dass letztlich viele Entwicklungen möglich bleiben. Die Asset-Allokation, also die Verteilung der Vermögenswerte auf verschiedene Anlageklassen, ist dabei der zentrale Dreh- und Angelpunkt einer wohl durchdachten Anlagestrategie. Im Auf und Ab der Märkte kann eine Streuung, die über klassische Kategorien wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe etc. hinausgeht, zur Abmilderung von Risiken durchaus sinnvoll sein. „Nicht nur die Anlageklassen selbst sind für die Wertentwicklung entscheidend, auf ihre konkrete Zusammensetzung kommt es an“, betont Frank Leistner, Leiter Produktmanagement Vermögen und Vorsorge bei der HypoVereinsbank in München. „Um Kursschwankungen in unterschiedlichen Marktszenarien zu reduzieren, kann die Beimischung von kapitalmarktunabhängigen Assets wie Geschlossene Sachwertefonds eine sinnvolle Ergänzung im Portfolio sein.“ Denn: Gerade in Zeiten niedriger Zinsen, wie wir sie aktuell erleben, ist eine breite Risikostreuung über unterschiedliche Anlageklassen und Laufzeiten das A und O. „Wer börsen- und nichtbörsennotierte Werte miteinander kombiniert und innerhalb dieser beiden Segmente in unterschiedliche Assetklassen und -produkte investiert, erzielt praktisch eine Mehrfach-Streuung“, so Leistner.

Von erneuerbaren Energien bis Flugzeugfonds: Diese Sachwerte-Beteiligungen gibt‘s

Bei Sachwerten als Anlageklasse denken viele wohl zunächst an den Klassiker: die eigene Immobilie. Der Markt bietet aber noch eine ganze Reihe weiterer Assets, in die man als Privatanleger investieren kann. „Geschlossene Sachwertefonds zum Beispiel werden in der Regel aufgelegt, um große und kapitalintensive Investitionsprojekte zu finanzieren. Sie bündeln das Kapital vieler einzelner Anleger und bieten ihnen die Möglichkeit, sich an Substanzwerten zu beteiligen, die sonst meist institutionellen Anlegern vorbehalten sind“, weiß Leistner. Kernanlageklassen sind unter anderem Immobilien, Mobile Assets, außerbörsliche Unternehmensbeteiligungen (Private Equity), Infrastrukturprojekte und erneuerbare Energien. In Form Geschlossener Sachwertefonds bzw. Alternativer Investmentfonds (AIFs), wie sie rechtlich korrekt heißen, können Anleger also zum Beispiel in Schiffe, Flugzeuge, Verkehrswege, Brücken, Flug- und Seehäfen, Einrichtungen der Wasserversorgung oder in Solar- und Windkraftanlagen investieren.

Losgelöst vom Börsengeschehen

Als Beimischung im Portfolio können Geschlossene Sachwertefonds in vielen Markt- und Konjunkturphasen eine stabilisierende Wirkung entfalten. „Im Vergleich zu börsengehandelten Anlageklassen wie beispielsweise Aktien oder Rentenpapiere zeigen diese nur eine geringe Abhängigkeit von den Kapitalmärkten“, so Leistner. So profitieren beispielsweise Solaranlagen überwiegend von gesetzlich geregelten Einspeisevergütungen, die nicht von den Finanzmärkten beeinflusst werden. Ähnlich verhält es sich bei Immobilien, bei denen in erster Linie feste Mietverträge für Ertrag sorgen. Auch im Bereich Infrastruktur gibt es meist feste Zahlungen für die Nutzung des Objekts, beispielsweise eine Brückenmaut. Die Entwicklung ist also stark von der Verkehrsfrequenz, jedoch geringer vom Status quo an den Finanzmärkten geprägt. Allerdings: Gänzlich unabhängig vom Wirtschaftsgeschehen sind auch Sachwerte-Beteiligungen natürlich nicht. Je nach Anlageklasse gibt es verschiedene Markteinflüsse, die nicht nur Renditechancen, sondern auch Verlustrisiken mit sich bringen. „Ein Marktrisiko besteht zum Beispiel, wenn ein Investmentobjekt wieder veräußert werden soll“, erklärt der Experte. „Bei Flugzeug- oder Schiffsbeteiligungen etwa können sich die konkrete Konjunkturphase oder die Höhe des Ölpreises auf den erzielbaren Verkaufserlös auswirken, der immer auch unter den Erwartungen liegen kann.“

Unternehmerische Beteiligungen: hohe Chancen, hohe Risiken

Grundsätzlich eignen sich Geschlossene Sachwertefonds für langfristige Anlageziele. Investoren sollten von einer Haltedauer von mindestens zehn bis 15 Jahren ausgehen. Für den Einstieg setzen viele Investmentgesellschaften allerdings hohe Einlagesummen ab 10.000 Euro und mehr voraus. Vor dem Investment sollten Anleger daher ein ausführliches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen und ihre finanzielle Situation nebst persönlicher Risikoneigung kritisch unter die Lupe nehmen. „Geschlossene Sachwertefonds eignen sich für viele Anleger, aber nicht für alle. Einerseits eröffnen sie gute Renditechancen, gleichzeitig bergen sie aber auch ganz erhebliche Risiken“, mahnt Leistner. Denn: Als unternehmerische Beteiligungen investieren sie meist nur in ein oder wenige Projekte und sind zudem an feste Laufzeiten gebunden. Bedeutet: Vor Beendigung des Fonds ist ein Verkauf der Anteile in aller Regel nicht möglich. Auch dann nicht, wenn es zu Verlusten kommt. „Letzten Endes lässt sich bei unternehmerischen Beteiligungen selbst ein Totalverlustrisiko nicht ausschließen. Daher sollten Geschlossene Sachwertefonds niemals übergewichtet und einem Portfolio, abgestimmt auf die individuelle Anlagestrategie, nur beigemischt werden.“

Portfoliofonds: Alternative zum Einzelinvestment

Anleger, für die ein Einzelinvestment zu riskant oder teuer ist, haben noch eine andere Wahl. Auch wer die konkrete Allokation seiner Investments nicht selbst justieren will, kann auf sogenannte Portfoliofonds setzen. Diese bündeln wie ein Dachfonds verschiedene Anlageklassen in einem Produkt. Mit ihrem Investment erwerben Anleger also Fondsanteile an einem breit gestreuten Sachwerte-Mix, beispielsweise aus Immobilien, Unternehmen, Brücken und Verkehrswegen, Flugzeugen oder Solaranlagen. Im Rahmen einer Portfolio-Lösung ist ein Einstieg bereits mit Summen ab 5.000 Euro möglich. Der Vorteil: Die Feinjustierung der Mischung übernehmen dann Experten des beauftragten Fondsmanagements. „Die dafür zusätzlich anfallenden Verwaltungskosten sind gut investiertes Geld“, betont Leistner. Denn der Anleger profitiert vom Know-how der Investmentgesellschaften und investiert in Form institutioneller Zielfonds in ein ausgewogenes Portfolio über unterschiedliche Anlageklassen, zu denen ein Privatanleger in der Regel keinen Marktzugang hat. „Trotz Risikostreuung bieten aber auch Portfoliofonds keine Garantien“, mahnt Leistner. „Neben den Marktrisiken hängt der Erfolg oder Misserfolg des Fonds ganz wesentlich von den Fähigkeiten des Fondsmanagements ab.“

Einen Überblick über das Thema Geschlossene Sachwertefonds erhalten Sie auch hier im Video:

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