07.01.2015

Industrie 4.0

Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus?

Viele Unternehmen stehen derzeit vor den Herausforderungen der Digitalisierung. Und: Wir erleben erst den Anfang eines rasanten Technologiesprungs, der selbst etablierte Branchen aus den Fugen hebt. Auf dem Podium des ExpertenForum Mittelstand diskutierten unlängst Vertreter aus der Wirtschaft, welche tiefgreifenden Veränderungen der digitale Wandel mit sich bringt.

Der Online-Dienstleister Airbnb verkaufte im vergangenen Jahr mehr Übernachtungen, als die Hilton Hotelkette weltweit. Und das, ohne ein einziges Bett im Unternehmenskapital. Auch Uber Taxi besitzt keine Fahrzeugflotte. Trotzdem setzt der nicht unumstrittene Online-Fahrdienst-Vermittler gerade das Taxigewerbe weltweit unter Druck. Digitale Bezahlsysteme wie PayPal machen den Banken Konkurrenz im Zahlungsverkehr. Beispiele wie diese ließen sich beliebig fortsetzen. Mit ungeheurem Tempo mischen digitale Innovationen gerade die Wirtschaft auf und bringen mit vergleichsweise geringem Kapitaleinsatz sogar Global Player kräftig ins Wanken.

Geschwindigkeit setzt neue Maßstäbe

Technologiesprünge in der Wirtschaft sind grundsätzlich nicht neu. Nicht zuletzt bildete die Erfindung der Dampfmaschine den Ausgangspunkt der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. In den 1970ern rief die Einführung der EDV-Technik einen weiteren Quantensprung hervor. Durch die Digitalisierung stehen wir heute auf der dritten Stufe dieses Evolutionsprozesses. Das gänzlich Neue aber ist: Die digitale Revolution betrifft ausnahmslos alle Lebensbereiche, sie greift also tiefer und allumfassender als alles bisher da gewesene. Und sie ist vor allem eines: extrem schnell! „Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft, die sich früher über Jahrzehnte oder Jahrhunderte entwickelt haben, vollziehen sich heute innerhalb von zwei bis fünf Jahren“, betont Karl-Heinz Land, Geschäftsführer der Neuland GmbH, der in Zusammenarbeit mit der Universität Berlin das Buch „Digitaler Darwinismus“ geschrieben hat. Seine These: „Adapt or die“, wer sich nicht anpasst, stirbt aus. „70 Prozent der Unternehmen werden die digitale Evolution nicht überleben und durch neue Player ersetzt“, so Land. Viele Unternehmen hätten den Handlungsbedarf zwar erkannt, wüssten aber nicht, wie sie damit umgehen sollen. Die Komplexität, die es zu händeln gebe, sei überwältigend und es fehle an vielen Strukturen. „Die Änderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben, werden sehr viel schneller und gravierender sein, als wir uns das momentan vorstellen können“, prognostiziert auch Prof. Dr. Utz Claassen, Aufsichtsratsvorsitzender der Syntellix AG in Hannover. „Schon jetzt explodieren die Datenfluten. Ihre Handhabung wird uns vor Herausforderungen stellen, an die wir heute noch gar nicht denken.“

Digitalisierung verändert das Verbraucherverhalten

Besonders drastisch vollziehen sich die digitalen Umwälzungen derzeit im Dienstleistungsbereich. „Durch Smartphone & Co erleben wir eine radikale Verhaltensänderung der Verbraucher hin zu einer ‚Alles-sofort-überall-Mentalität‘. Wir sind eine ‚Instant-Gesellschaft‘ geworden, wollen alles in bester Qualität und vor allem sofort haben“, erklärt Land. Auch Finanzdienstleister sehen sich mit diesen neuen Bedürfnissen konfrontiert: „Kunden kommen kaum noch in die Filialen, Bankangebote werden im Internet gesucht und zum günstigsten Preis online abgewickelt“, sagt Jan Kupfer, Bereichsvorstand der HypoVereinsbank: „Wir Banken müssen uns schnell neu aufstellen, um für den Kunden in Zukunft überhaupt noch eine Rolle zu spielen.“ Auch was das Tempo der Veränderungen anbelangt, teilt der Banker die Einschätzung von Land. „Die Entwicklung im Dienstleistungsbereich ist eine dramatische“, sagt Kupfer: „In Deutschland gibt es aktuell 36.000 Bankfilialen, also mehr als Tankstellen. Ich gehe davon aus, dass es in vier bis fünf Jahren noch 20.000 sein werden.“

Die Industrie von morgen

Auch das produzierende Gewerbe ist von der Digitalisierung betroffen, wenngleich nicht mit der selben Geschwindigkeit wie der Dienstleistungsbereich. „Selbst Bau- oder Stahlindustrie sind vor gravierenden Veränderungen nicht mehr gefeit. Die ersten 3D gedruckten Häuser zum Beispiel gibt es bereits„, weiß Claassen. Andreas Pfannenberg, CEO der Pfannenberg Group Holding, einem weltweit agierenden Engeneering-Konzern in den Bereichen Klimatisierung und Signaltechnologie, sieht die Entwicklung indessen gelassen: „Wir erleben eine Evolution, keine Revolution! Natürlich müssen wir unsere Geschäftsmodelle überdenken. Aber wir werden uns in den kommenden fünf Jahren nicht vom Hardware Lieferanten zum Solution Partner entwickeln. Gleichwohl wird es neue Global Player geben, mit denen wir dann im Wettbewerb stehen.“

Die deutsche Wirtschaft im globalen Wettbewerb

Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW-Consult) und des Bundesverbandes für Informationswirtschaft (BitKom) ist das Internet lediglich für 50 Prozent der deutschen Unternehmen ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Geschäftsmodells. Angesichts dieser Zahlen stellt sich die Frage: Wie zukunftsfähig ist unsere Volkswirtschaft bzw. welche Rolle spielt sie in der Weltwirtschaft? In diesem Punkt herrschte auf dem Podium große Einigkeit: Deutschland zählt auch in absehbarer Zukunft nicht zur ‚innovativen Front‘. Im Vergleich zu den USA führt Utz Claassen einen gravierenden Unterschied an: „In Amerika stehen unglaubliche Mengen an Venture Capital zur Verfügung. Diese finanzielle Power bildet sich natürlich auch in der Geschwindigkeit der digitalen Entwicklung ab.“

  1. Locheinheit
    25. März 2015, 17:26

    Die Digitalisierung ist es heutzutage ein Muss.

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