Innovationsprozesse
14.07.2015

Innovationsprozesse

Unternehmer im Dialog: Innovation als Erfolgsfaktor?

Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Auf diese einfache Formel lässt sich die Herausforderung bringen, vor der deutsche Mittelständler aktuell stehen. Wie aber können Unternehmen den Wandel vom Traditionshersteller zum modernen Innovator souverän meistern? Welche Faktoren entscheiden über Erfolg oder Misserfolg? Welche Anpassungen sind Pflicht, welche Kür? Und: Wie innovativ sind wir in Deutschland überhaupt?

Intelligente Kleidung, selbstfahrende Autos oder Kühlschränke, die sich in Eigenregie befüllen: Digitale Innovationen sorgen für einen rasanten Technologiesprung in unserer Gesellschaft, der tiefgreifende Veränderungen in unserem Lebensalltag mit sich bringt. Die Geschwindigkeit, mit der digitale Gadgets unser Verbraucherverhalten erobern, setzt auch Unternehmen gewaltig unter Druck. Die Kraft zu stetiger Innovation, per Lexikon-Definiton bezeichnet als „Begriff für die mit technischem, sozialem und wirtschaftlichem Wandel einhergehenden (komplexen) Neuerungen“, wird mehr und mehr zum entscheidenden Faktor für die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens. Laut einer aktuellen Umfrage des Handelsblatt-Business-Monitors beabsichtigt zwar die Hälfte der deutschen Firmenmanager, ihre Investitionen im kommenden Jahr zu erhöhen. Doch nach dem KfW Innovationsbericht Mittelstand 2014 ist nicht einmal jeder dritte Unternehmer bereit, in neue Produkte und Prozesse zu investieren.

Der deutsche Mittelstand: Modernisierungsmotor im Rückwärtsgang

Von Automatisierungs- und Audiotechnik über Logistik und Kunststoffverarbeitung bis hin zum Kofferbau: Der deutsche Mittelstand kann mit einigen Champions aufwarten, in manchen Nischen sogar führend in der Weltwirtschaft. Während Auslandsaktivitäten im „German Mittelstand“ schon zur Tagesordnung gehören, besteht in puncto Innovation noch erheblicher Nachholbedarf. Der KfW Studie zufolge hat ein intensiver Preiskampf und der anhaltende konjunkturelle Stillstand in Europa dem Pioniergeist des deutschen Wirtschaftsmotors einen satten Dämpfer verpasst. Demnach ließ die Innovationstätigkeit des deutschen Mittelstands im dritten Jahr in Folge nach. Lediglich 28 Prozent der kleinen und mittleren Firmen investierten zuletzt noch in innovative Produkte oder Prozesse. Und das, obwohl die Studie deutlich zeigt, dass innovative Unternehmen erfolgreicher sind. „Der aktuelle KfW Innovationsbericht belegt: Die Umsätze innovativer Mittelständler steigen schneller, sie erzielen höhere Renditen und sie schaffen mehr Arbeitsplätze“, kommentiert Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW. „Wenn der Mittelstand an Innovationskraft einbüßt, sind das schlechte Nachrichten für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und auch für den Standort Deutschland.“

Zündende Ideen erfordern neue Strukturen

Trotz steigender Investitionen ist die Innovationskraft der deutschen Mittelständler aktuell rückläufig. Die Gründe dafür sind komplex: Oft fehlt es einfach an konkreten Strategien und der nötigen Trial & Error Mentalität, um das Thema Fortschritt zu integrieren. Denn: Innovation umfasst weit mehr als nur die Digitalisierung von Vertriebskanälen. Vielmehr geht es darum, sämtliche Strukturen an diesen Entwicklungsprozess anzupassen und auch die Belegschaft durch eine neue Unternehmenskultur mitzunehmen. Das gilt nicht nur für Mittelständler, sondern gerade auch für Global Player aller Branchen. Nicht umsonst hat etwa adidas-Chef Herbert Hainer das Konzernziel ausgerufen, jedes Jahr eine revolutionäre Innovation auf den Markt zu bringen. Um Hightech-Visionen wie einen „smarten Fußball“ zu realisieren, hat der Sportartikelhersteller in seiner Konzernzentrale im bayerischen Herzogenaurach in ein 1.300 Quadratmeter großes Forschungslabor nebst 80-köpfigem Innovation Team investiert. Auch in der vergleichsweise statischen Automobilbranche gilt es Trends aufzunehmen und nicht nur Produkt-, sondern auch Markt-Innovationen zu integrieren. So geschehen bei BMW. Mit der Erweiterung seines Markenportfolios um die BMW i Reihe sowie die Car-Sharing-Plattform „Drive now“ ist es dem Münchener Premium-Hersteller gelungen, das Markenterritorium um eine urbane und nachhaltige Komponente zu erweitern und neue Zielgruppen zu erschließen. „Es gilt, der massiven Veränderung der Kundenwünsche Rechnung zu tragen. Für uns Autobauer ist das unter anderem die Forderung nach Konnektivität“, betont Dr. Steven Althaus, Marketing-Chef bei BMW. „In einem urbanen Umfeld verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Hard- und Software, in Großstädten sind schlaue Funktionen wie eine digitale Parkplatzsuche oder die Verknüpfung mit dem öffentlichen Nahverkehr gefragt. Auch das klassische Marketing muss umdenken und sich zu einem Produktdialog mit dem Kunden entwickeln.“

Modern Banking: Digitalisierung als Innovationstreiber

Der digitale Innovationsdruck treibt nicht nur die Industrie, sondern gleichermaßen die Finanzbranche voran. Auch Banken müssen sich neu aufstellen, um einer veränderten Konkurrenzsituation und neuen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. Die Digitalisierung verändert grundlegend die Art und Weise, wie Menschen ihre Geldgeschäfte erledigen. Da die Nachfrage nach flexiblen Banking-Angeboten kontinuierlich steigt, bietet die HypoVereinsbank bereits heute einen Mix aus modernen Filialen und innovativen Beratungs- und Servicewegen über Internet, Smartphone und Tablet. Außerdem werden bis Ende des Jahres alle Filialen modernisiert. Zusätzlich investiert die Bank massiv in den Ausbau ihres Multikanalangebots sowie die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter – pro Filiale und Kunde so viel, wie keine andere Bank in Deutschland. Auch auf Unternehmensseite hat sich das Multikanalangebot etabliert: Bereits heute werden über 125.000 Geschäftskunden über die Online-Plattform Business Easy betreut, mit der UC eBanking app bietet die HypoVereinsbank Unternehmern seit mittlerweile vier Jahren eine bequeme Möglichkeit, unterwegs ihren Zahlungsverkehr zu steuern. Doch die Investitionen in Innovation spielen nicht nur für die Bank selbst eine entscheidende Rolle. Gerade auch für mittelständische Unternehmen sind diese Investitionen ein entscheidender Erfolgsfaktor. An dieser Stelle ist ein Bankpartner wichtig, der mit den Unternehmen den strategischen Dialog führt und neben exzellenter Marktkenntnis auch ein tiefes Verständnis für das Geschäftsmodell seiner Unternehmenskunden mitbringt. „Wir profitieren von langjährigen Geschäftsbeziehungen zu fast jedem zweiten Unternehmen in Deutschland, ausgewiesener Finanzierungsexpertise und unserem Branchen-Know-how“, betont Lutz Diederichs, HVB Vorstand im Bereich Unternehmer Bank. „Ein besonderer Vorteil für den Unternehmenskunden der HVB ist die regionale Aufstellung der Bank bei gleichzeitigem Zugang zum internationalen Netzwerk der UniCredit-Gruppe. Dadurch ist einerseits die Nähe zum Unternehmer mit schnellen Entscheidungen vor Ort gewährleistet und andererseits eine besonders enge und nachhaltige Begleitung der Unternehmen ins Ausland sichergestellt“, so Diederichs.

Voneinander lernen: Kooperation statt Konkurrenz

Die zentralen Herausforderungen für die Bank der Zukunft bestehen neben dem veränderten Kundenverhalten auch in einem sich wandelnden Wettbewerbsumfeld. Denn: Große digitale Player drängen in Teilmärkte der Finanzdienstleistungen ein und kleine Start-ups, sogenannte FinTechs, besetzen Nischen in der klassischen Produktpalette. Darauf gilt es schnell und mit der nötigen Konsequenz zu reagieren. Die Vielzahl junger FinTech Start-ups, die mit digitalen und neuartigen Finanzdienstleistungen derzeit den Markt erobern, können allerdings nicht nur Challenger, sondern auch eine Chance sein. Als Kooperationspartner können junge Kreativschmieden Unternehmen schließlich dabei unterstützen, Produkte und Dienstleistungen zu digitalisieren. Aus diesem Grund hat etwa auch die Deutsche Telekom den globalen Incubator Hub:raum ins Leben gerufen. Dabei investiert das Unternehmen mit Sitz in Berlin, Krakau und Tel Aviv in frühphasige Start-ups und verknüpft diese mit den passenden Geschäftseinheiten der Deutschen Telekom. „Für die Telekom ist Hub:raum eine Möglichkeit, um mit Hilfe der Start-ups ein strategisches Innovation-Sourcing zu betreiben“, erklärt Peter Borchers, Gründer und Leiter von Hub:raum. „Die Start-ups helfen uns, frühzeitig relevante Innovationen kennenzulernen und ins Unternehmen herein zu holen. Die bestehenden Strukturen und Denkweisen von etablierten Großunternehmen sind oft nicht so gut geeignet, um radikale Innovationen zu entwickeln“, so Borchers. Innovation bedeutet also nicht nur digitaler Fortschritt, sondern auch – zumindest teilweise – eine Neujustierung der Wirtschaftsordnung. Für Unternehmen ist es daher an der Zeit, den Status quo zu überdenken und zu erkennen, dass auch die Großen von den Kleinen jede Menge lernen können. Lernen können Unternehmen nicht zuletzt auch von ihren Kunden selbst. Firmen jeder Größenordnung sollten ihren Kunden aufmerksam zuhören und sie als aktive Entwicklungshelfer in Prozesse einbinden, wenn Innovation kein Zufallsprodukt bleiben soll.

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