15.09.2015

Internationalisierung

Digital-Business: Think glob@l

Innovativ, erfolgreich, schnell: Viele NewTech-Unternehmen legen bei der Erschließung internationaler Märkte eine rasante Performance hin. Ein Wirtschaftswunder? Nein! Vielmehr genetische Konsequenz: Durch die Webbasierung ihrer Geschäftsmodelle liegt der Schritt zur Internationalisierung praktisch in ihrer DNA.

„Unicorns“ nennt man die milliardenschweren Shootingstars der Szene, prominente Vertreter sind weltumspannende Internet-Riesen wie Facebook, Uber-Taxi oder der Musikstreaming-Dienst Spotify. Stolze 40 „Einhörner“ gibt es mittlerweile auch in Europa, immerhin vier davon kommen aus Deutschland. Das belegt ein aktueller Report der britischen Investmentbank GP Bullhound, der zeigt, dass digitale Erfolgsstorys nicht nur im Silicon Valley geschrieben werden. Alphatier der deutschen Einhörner ist das nicht unumstrittene Samwer-Imperium Rocket Internet. Charakteristisch für den Berliner Inkubator: die gezielte Platzierung von digitalen Geschäftsmodellen auf dem internationalen Markt. Mittlerweile ist das 2007 gegründete Internet-Unternehmen in knapp 50 Ländern aktiv, sein geschätzter Börsenwert beläuft sich auf rund acht Milliarden Euro. Auch die anderen drei deutschen Unicorns stammen aus dem Dunstkreis der Kölner Raketenbrüder: Die Shopping-Plattformen Home24 und Zalando sowie der Lieferservice-Vermittler Delivery Hero. Motiviert durch solche Vorbilder macht sich in Berlin seit einigen Jahren Goldgräberstimmung breit. Mittlerweile wird die Hauptstadt neben Metropolen wie London, Paris, Moskau und Tel Aviv zu den führenden Hotspots der europäischen New Technologie und E-Commerce Start-up-Szene gezählt.

Arbeitsumfeld mit WG-Charme: Neue Unternehmerkultur der Generation Y

Die Köpfe hinter den Berliner NewTech-Start-ups verkörpern nicht nur ambitionierte Ziele, sondern auch eine völlig neue Unternehmerkultur. Kicker-Tisch, Spielkonsole und ein Kühlschrank voll Club-Mate gehören zur Grundausstattung vieler Kreativschmieden, Pioniergeist, flache Hierarchien und ein dynamisches Arbeitsumfeld prägen ihren Berufsalltag. Der „typische“ Gründer kommt aus den Bereichen Vertrieb, Marketing oder IT und ist in der internationalen Szene bestens vernetzt. Er trägt auch in Meetings Casual, duzt Partner und Kollegen und lebt den Begriff des Teamplayers. Laut Deutschem Startup Monitor (DSM) 2014, einer aktuellen Befragung von über 900 Start-up-Gründern durch den Bundesverband Deutsche Startups e.V., der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, ist er außerdem vorwiegend männlich, hat einen Hochschulabschluss und bringt 34,9 Jahre auf die Uhr. Sein Unternehmen ist im Schnitt 2,7 Jahre alt, er beschäftigt 16,8 Mitarbeiter und plant, in den kommenden zwölf Monaten etwa zehn weitere Mitarbeiter einzustellen. Knapp die Hälfte dieser Gründer hat im letzten Geschäftsjahr mit ihrem Unternehmen einen durchschnittlichen Umsatz von mehr als 250.000 Euro erzielt. „Die Ergebnisse des DSM 2014 machen deutlich: Start-ups spielen für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Gesellschaft eine zunehmend wichtige Rolle“, betont Florian Nöll, Vorsitzender des Vorstands Bundesverband Deutsche Startups e.V.

Internationalisierung: Mit Highspeed über die Datenautobahn

Mit ausgeprägtem Gespür für den Zeitgeist revolutionieren diese jungen Tech Companies traditionelle Branchen durch innovative Service- und Produktideen. Mittels moderner Technologien geben sie neue Antworten auf alte Fragen, während sich viele Platzhirsche noch immer im digitalen Dornröschenschlaf befinden. „Durch die Webbasierung ihrer Geschäftsmodelle wachsen viele Start-ups überdurchschnittlich schnell“, erklärt Patrick Lindstädt, Unternehmenskundenberater bei der HypoVereinsbank, der sich mit seiner Berliner Unit auf die Finanzbetreuung von Tech Companies spezialisiert hat. Genau das gäbe ihnen auch das Potenzial, völlig neue Wettbewerbsumfelder zu erschaffen und ganze Wirtschaftszweige durcheinander zu wirbeln. „Für einen internationalen Rollout braucht es vereinfacht gesagt nicht mehr, als den Online-Dienst auf neue Domains zu heben. Ganz so leicht ist es natürlich nicht. Aber: Der logistische, strukturelle und finanzielle Aufwand einer Internationalisierung ist mit der Expansion eines klassischen Mittelständlers, etwa aus dem produzierenden Gewerbe, nicht zu vergleichen“, so Lindstädt. Jüngstes Beispiel für einen kometenhaften Aufstieg liefert das 2011 gegründete Start-up Delivery Hero mit seiner deutschen Marke Lieferheld. Innerhalb von nur drei Jahren entwickelte sich das Tech-Unternehmen zu einem der weltweit größten Onlineportale für Essenslieferungen und ist bereits heute in 34 Ländern aktiv.

HVB Tech-Unit in Berlin: Finanzberatung auf Augenhöhe

Um den Bedürfnissen solcher Kunden gerecht zu werden, hat die HVB neben ihren bundesweit sechs Kompetenzzentren für „Gründung & Fördermittel“ im vergangenen Jahr auch das Berliner Expertenteam um Lindstädt ins Leben gerufen, das sich speziell an den Anforderungen junger Tech-Unternehmer orientiert. Internationale Rollouts sind ein zentrales Beratungsthema, vor allem im Bereich Cash Management, Trade Finance, Devisenmanagement und die Veranlagung von Sichteinlagen. „Unser Ansatz: Das neu gegründete Unternehmen wird von Anfang an als Corporate Kunde im Bereich der Unternehmer Bank angesiedelt und erhält von Beginn an Zugriff auf die vollständige Produktpalette des Corporate- und Investmentbankings“, erklärt Lindstädt, dessen Unit seit ihrer Gründung bereits rund 140 Neukunden, darunter Delivery Hero, aus dem Segment New Technologies und E-Commerce akquiriert hat. Als Teil der UniCredit-Gruppe kann das Berliner Spezialistenteam nicht nur die Vorteile einer Universalbank bieten, sondern auch auf das internationale Gruppennetzwerk mit Büros, beispielsweise in New York und Hong Kong, zugreifen und damit eine schnelle Expansion in die USA und Asien begleiten. „Für die meisten unserer Kunden steht zunächst die reine Umsatzmaximierung im Fokus. Erst im nächsten Schritt folgt die Kostendeckung“, weiß Lindstädt. „Für uns als Finanzpartner bedeutet das eine sehr intensive Auseinandersetzung mit dem Geschäftsmodell, dem jeweiligen Wettbewerbsumfeld sowie den künftigen Marktprognosen. Detailliertes Branchen-Know-how, umfangreiche Kenntnis der Tech-Szene sowie die Zugehörigkeit zu einem internationalen Bankennetzwerk sind Vorteile, die die HypoVereinsbank im Tech-Segment zu einem etablierten Marktplayer machen.“

Neuauflage eines Szenetreffs: Zweite Tech Night in Berlin

Die Expansionsdynamik von New Technology Start-ups wird am 17. September auch Thema auf der zweiten Tech Night by UniCredit im Berliner Metropolpark sein. Unter dem Motto: „Intern@tionalisation! The World is not enough“ diskutieren Experten aus Tech-Branche, Finanzwesen und Industrie gemeinsam mit hochkarätigen Gästen, darunter HVB-Vorstand Lutz Diederichs, Gabriele Zedlmayer (Vice President & Chief Progress Officer Corporate Affairs, Hewlett-Packard Company), Sebastian Bileski (CSO Delivery Hero), Gregory Heibel (Partner Orrick Herrington Sutcliffe LLP, Menlo Park) und Boris Scukanec (Digital Officer UniCredit Bank AG) über Internationalisierungsmöglichkeiten und -perspektiven der deutschen Digitalwirtschaft.

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