23.09.2015

Internet Startups

Melting Pot Berlin: Eine Stadt im Aufbruch

Kreative Köpfe aus der Tech-Szene zieht es an die Spree. Innerhalb weniger Jahre hat sich Berlin von einem lokalen Hub zu einem internationalen Hotspot für Internet-Start-ups entwickelt. Schon heute muss die Hauptstadt den Vergleich mit Innovationszentren wie London oder Tel Aviv nicht mehr scheuen. Im Gegenteil: Mit ihrem einzigartigen Ökosystem ist sie drauf und dran, sich im Ranking der europäischen Digital-Hochburgen ganz vorne einzureihen. Unter dem Motto: Intern@tionalisation! The World is not enough“ lud das auf Internet-Unternehmen spezialisierte HVB Experten-Team unlängst auf die Tech Night in Berlin. Vertreter aus der Finanzbranche, Digitalwirtschaft und Industrie kamen dort zusammen, um die Perspektiven der deutschen Tech-Szene zu diskutieren.

Silicon Valley Europas, Start-up-Mekka, Tech-Boom-Town: Berlin hat mittlerweile viele Namen, mit denen es sich als Zentrum der deutschen Gründerszene feiern lässt. Mit der Initiative „Pop into Berlin“ geht die Hauptstadt seit Kurzem sogar, quasi als Botschafterin in eigener Sache, ganz offiziell auf Europatournee, um noch mehr Digitalunternehmen und Kapitalgeber anzuziehen. Findige Wirtschaftsförderer haben sich dabei das beliebte Gründer-Prinzip der Pop-up-Stores zu eigen gemacht, um in europäischen Metropolen die Werbetrommel für Berlin als New-Tech- und eCommerce-Standort zu rühren. Ein erster „Berlin-Laden“ ging Ende September in Stockholm an den Start, bis Jahresende sollen weitere Stores in London, Wien, Amsterdam und Paris für jeweils eine Woche ihre Türen öffnen. „Berliner Gründer aus der Tech- und Digitalszene sollen dort ihre Erfolgsgeschichten präsentieren“, erklärt Stefan Franzke, Sprecher der Geschäftsführung Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, das Konzept. „Unsere Botschaft an die Besucher: Wer die Wirtschaftsgeschichte einer Stadt im Aufbruch mitschreiben will, ist in Berlin am richtigen Ort“, so Franzke.

Aufholjagd: Auf dem Weg zum Big Player

Mit den Pop-up-Stores beweisen die Stadtverantwortlichen genauso viel Pioniergeist und Innovationsdynamik wie die ansässigen Tech Companies selbst. Fakt ist: Berlin ist den Kinderschuhen entwachsen und hat sich innerhalb weniger Jahre von einem prekären Industriestandort zu einer boomenden Ideenschmiede für Digitalunternehmer entwickelt. Nach Angaben der IHK Berlin gingen dort allein im letzten Jahr mehr als 41.000 Gewerbe an den Start – Tendenz steigend! Hält der Wachstumskurs an, könnten bis 2020 über 100.000 neue Arbeitsplätze in der Digitalwirtschaft entstehen. Laut einer aktuellen Studie aus San Francisco, dem Global Startup Ecosystem Ranking 2015, hat es die Hauptstadt mittlerweile sogar unter die Top Ten der weltweit besten Start-up-Standorte geschafft. Noch vor drei Jahren attestierte der Report der Berliner Szene, lediglich ein gehyptes Ökosystem zu sein, dem es an der nötigen Reife fehle. Das hat sich mittlerweile geändert. Berlin gehört zu den Senkrechtstartern der Studie und kletterte vom unteren Mittelmaß (Platz 15) auf Platz 9 der 20 besten Startup-Metropolen. „Um zu den international führenden Start-up-Standorten aufzuschließen, muss Berlin seine guten Potenziale noch stärker nutzen“, sagt Katrin Suder, Leiterin des Berliner Büros der Unternehmensberatung McKinsey. Auch McKinsey attestiert der Stadt an der Spree in einer aktuellen Studie beste Voraussetzungen, zur führenden Gründermetropole in Europa zu werden. Allerdings: „Bei der Förderung von Gründern und Talenten, bei der Kapitalbeschaffung für Gründer in der Wachstumsphase sowie bei der Vernetzung der Start-ups mit etablierten Unternehmen kann Berlin noch besser werden“, betont Suder.

Europäische Hauptstadt für Risikokapital

Den fulminanten Aufstieg unter die Top Ten der internationalen Player hat die Hauptstadt laut Global Startup Ecosystem Ranking 2015 insbesondere auch durch ihre Exit-Volumina erreicht, die seit dem letzten Report (2012) um das 20-fache gestiegen seien. Dafür verantwortlich sind zu großem Teil die Börsengänge (IPO) von Zalando und Rocket Internet, die für internationale Beachtung sorgten. Eine Analyse der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge ist Berlin außerdem drauf und dran, London den Rang als europäische Hochburg für Wagniskapitalgeber abzulaufen. Allein in der ersten Jahreshälfte 2015 haben private und institutionelle Investoren rund 1,4 Milliarden Euro in Berliner Internetfirmen gesteckt und damit bereits mehr als im gesamten Jahr zuvor. Verglichen mit dem Jahr 2013 ist es laut Studie sogar fast dreimal so viel. Mit 300 Millionen Euro Vorsprung zu London (1,1 Millionen) belegt Berlin damit Platz eins in den Charts der Kapitalgeber. „Immer mehr junge Unternehmen treten den Beweis an, dass sie die vor allem mit der Digitalisierung verbundenen Umbrüche aktiv und erfolgreich mitgestalten können“, kommentiert Peter Lennartz, Partner bei EY, die Ergebnisse der Studie. „Das schafft Vertrauen auf Seiten der Investoren.“

Technologie trifft Design: Die Marke Berlin

Was aber macht den Standort an der Spree für junge Unternehmen eigentlich so attraktiv? Warum gehen digitale Erfolgsmodelle „Made in Germany“, darunter Zalando, Delivery Hero, Home24 oder Soundcloud, vorwiegend in der Bundeshauptstadt an den Start? „Unsere Stadt bietet ein hohes Maß an Kreativität und Freiheit, einen großen Pool an qualifizierten Arbeitskräften, eine starke Wissenschaftslandschaft und eine lebendige Innovationskultur“, betont Jan Pörksen, Geschäftsführer der IHK Berlin. „Hinzu kommen die vergleichsweise günstigen Mieten und Personalkosten, ein vielfältiges Freizeitangebot sowie ein hohes Wachstumspotenzial des gesamten Wirtschaftsraumes“, so der IHK-Chef. Aufgrund der Entwicklung und Dynamik der Tech-Szene ziehe es mittlerweile nämlich nicht nur junge Unternehmen, sondern auch internationale Konzerne wie Microsoft, Google, Lufthansa oder Amazon nach Berlin, ergänzt Pörksen. „Sie alle kommen, um mit den jungen Unternehmen zusammen zu arbeiten und neue Ideen zu entwickeln.“

Die bunte Mischung macht den Unterschied

„Eine Rolle für die Attraktivität Berlins spielen sicherlich auch die immer professionelleren Netzwerke von Investoren auf der einen und Digital-Unternehmen auf der anderen Seite sowie die zunehmende Internationalisierung der Szene“, betont auch EY-Partner Lennartz. „Es wird Englisch gesprochen, die Zahl der internationalen Konferenzen, der Investoren und der ‚Co-Working Spaces‘ ist ebenso gestiegen wie die Anzahl der Acceleratoren-Programme – sowohl unabhängige als auch von Corporates aufgelegte“, weiß Lennartz. In der Hauptstadt hätte sich ein funktionierendes Ökosystem etabliert, das international absolut wettbewerbsfähig sei, zieht Lennartz sein Fazit. „Für junge Internetfirmen sind die Voraussetzungen in der Hauptstadt ideal“, betont auch Frank Nicolaisen, Unternehmenskunden-Betreuer in der HVB Tech Unit in Berlin. „Banken, Anwälte und junge Unternehmen arbeiten hier beinahe symbiotisch zusammen. Wer es in Berlin schafft, für den ist der Weg in andere Länder schnell geebnet.“ Die bunte Mischung ist es, was Berlin als Start-up-Metropole ausmacht“, resümiert auch IHK-Chef Pörksen. „Berlin ist eine aufgeschlossene Kulturwirtschaftsmetropole mit hohem kreativem Potenzial. Das Besondere: Es gibt Start-ups aus allen Bereichen, das unterscheidet Berlin beispielsweise auch klar von der Tech-Welt des Silicon Valley.“

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