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Judith-Milberg
03.05.2017
Interview

Judith Milberg

Judith Milberg: Der Klang der Farben

Wassily Kandinsky sagte einst, dass ein Bild klingen und von einem inneren Glühen durchtränkt sein müsse. Judith Milberg folgt diesem Leitsatz auf der Suche nach dem Wesen der Farbe, für Sinneseindrücke auf dem Weg zur Transformation. Mit der Ausstellung „Aus der Mitte“ in der HVB-Filiale Promenadenplatz vom 8. Mai bis 16. Juni  debütiert sie als Künstlerin in der Öffentlichkeit, stellt der Welt ihre Werke vor – und ist davor überraschend aufgeregt. Wir haben Judith Milberg auf ein paar Fragen getroffen.

Liebe Frau Milberg, Sie haben sich schon als Kind für Kunst interessiert, haben Kunstgeschichte studiert und doch: Erst jetzt stellen Sie Ihre Werke öffentlich aus. Warum ist es so spät dazu gekommen?

Die Kunst war immer im Mittelpunkt in meinem Leben. Nach meinem Studium der Kunstgeschichte bin ich abgebogen, habe Kinder bekommen und Kunst als Managerin auf ökonomischer Ebene erfahren. Vor 15 Jahren habe ich mich der Kunst wieder angenähert – über meine Materialsammlung.

Was verbirgt sich hinter dieser Materialsammlung?

Ich bin von Dingen aller Art geradezu besessen. Von ihrer Stofflichkeit, ihren Texturen, Farben, ihrer Haptik, den Formen. Die unscheinbaren Fundstücke des Alltags – von Polsterbändern und Spiralkratzern über Alubackformen und Seilen bis zu alten Werkzeugen. Meine Objektsammlung ist enorm – es sind circa 200 Quadratmeter Material. Ich begann damit, die Gegenstände zu kombinieren, recycelte sie. Erstellte Lüster aus Werkstatthandlappen, Kleider aus Nudeln. Ich liebe es, neue Techniken zu erlernen und anzuwenden, sie physisch umzusetzen. Meine Kunst muss durch meinen Körper hindurchgehen.

„Meine Kunst muss durch meinen Körper hindurchgehen.“
Judith Milberg

Was inspiriert Sie an vermeintlich banalen Alltagsgegenständen?

Für mich sind sie nicht banal. Jedes Ding hat seine Geschichte, seine ästhetischen Qualitäten. Das, was man nicht auf den ersten, zweiten oder dritten Blick sieht, fasziniert mich. Beispielsweise Spitzendeckchen. Ältere Damen häkelten sie früher, es war ihrer Art der Beschäftigung. Handarbeit, keinem Zweck dienend, dabei dekorativ – aber nie provokativ. Duldsam feminin und bescheiden, doch voller Würde.

Wie finden diese Objekte den Weg aus Ihrer Sammlung in eines Ihrer Bilder?

An dieser Stelle muss ich Ihnen etwas erklären. Ich bin Synästhetikerin, ich höre Farben und sehe Töne. Jeder Buchstabe und jedes Wort hat eine Farbe. Ich sehe auch keine Gegenstände, sondern Formen, Strukturen, ihre Formation zueinander. Eher den Blütenstaub als die Blume, eher die Substanz der Dinge, ihre mikroskopischen Elemente. So lösen sich auch die Dinge in ihre Geschichte. Es bleiben ihre Strukturen, es bleibt ein Element oder auch nur eine Form.

Zur Person: Judith Milberg

Die gebürtige Münchnerin Judith Milberg hat nach dem Abitur Kunstgeschichte, Ägyptologie und Kommunikationswissenschaften studiert und arbeitete nach dem Studium als Kunstmanagerin. Die Mutter von drei Söhnen ist mit dem Schauspieler Axel Milberg verheiratet, gemeinsam leben sie in München.

Gibt es dabei einen Prozess oder feste Arbeitsschritte?

Die Dinge aus meiner Sammlung oder auch nur Teile von ihnen benutze ich oft als eine Art Grundierung, als ordnendes Raster. Darauf baue ich die Werke in Schichten auf, variiere immer freier und folge meiner malerischen Intuition. Ich trample über Leinwände, durchfeuchte das Papier, spraye Farbe darüber und klatsche sie ab. Ich arbeite mit Pinseln, Scheibenwischern, einem Baumwoll-Wischmob oder Topfkratzern. Ich balanciere zwischen Hingabe an das ungesteuerte, assoziative, fast trancehafte Bild-Werden und dem kontrollierenden Eingreifen. Es ist ein fortwährendes Suchen und Finden, das mich immer wieder selbst überrascht.

Wie lange arbeiten Sie an einem Bild?

Lange im Verhältnis zum Format, da die Komposition so dicht und die Farbigkeit meiner Bilder sehr komplex ist. Ich arbeite übereinander mit Tusche, Acryl, Pastell, Sprays, Gouache, Kasein – so erreiche ich die vielen Farbschattierungen und sphärische Nuancen. Ich übersetze die Bilder in mir in meine visuelle Sprache, baue die Arbeit Schicht für Schicht auf. Manchmal überlasse ich es dem Fluss der Linien, manchmal kämpfe ich mit ihnen. Nach einem Tag im Atelier bin ich immer total erschöpft. Es ist mental und körperlich anstrengend, weil es höchste Konzentration erfordert.

TIPP: Besuchen Sie die Ausstellung "Aus der Mitte"

Vom 8. Mai bis zum 16. Juni können Sie 40 neue Werke von Judith Milberg während der Öffnungszeiten der HVB Filiale Am Promenadeplatz aus der Nähe betrachten. Am 30. Mai von 11.00 – 16.00 Uhr stellt sich die Künstlerin Ihren Fragen beim Meet & Greet.

  1. Lisa Severin
    10. Mai 2017, 14:20

    Sofort behoben! Herr Schumacher, vielen Dank für Ihren Hinweis!
    Viele Grüße,
    Lisa Severin

  2. S.Schumacher
    10. Mai 2017, 9:11

    Im Einleitungstext hat sich ein Fehler eingeschlichen. Die Ausstellung ist vom 08.Mai bis 16. Juni!

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