01.05.2015

Keith Haring Ausstellung

Gegen den Strich: Die Keith-Haring-Ausstellung

Wer kennt sie nicht, die plakativen und ausdrucksstarken Figuren des Keith Haring? Auch 25 Jahre nach seinem Tod sind die Werke des Künstlers mit dem Kultstatus so populär wie eh und je.

Nach dem Münchner Rokoko überrascht die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung im Jahr ihres 30-jährigen Jubiläums mit einem weiteren Höhepunkt: „Gegen den Strich.“ Die neue Ausstellung mit Werken von Keith Haring setzt bereits mit ihrem Titel ein Statement. Gemeinsam mit Kurator Dieter Buchhart tauchen wir ein in die Welt des Ausnahmekünstlers.

Keith Haring war in den 80ern der herausragende Künstler in der New Yorker Downtown-Community junger Maler, Performer und Musiker. Er hatte es sich zu Zeiten der konservativen Reagan-Regierung zum Ziel gesetzt, mit seiner Kunst auf gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. Er bezog klar Stellung gegen den kapitalistischen Exzess und engagierte sich für Umweltschutz, nukleare Abrüstung und die Gleichberechtigung der Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sexualität. Als Haring mit 31 Jahren – nach einer Schaffenszeit von gerade einmal einem Jahrzehnt – an den Folgen von Aids starb, hatte er nicht nur für seine Kunst, sondern auch für sein politisches Engagement international Anerkennung erlangt.

Der Weg zum Ausnahmekünstler

„Harings Popularität erreichte vor 30 Jahren seinen Höhepunkt“, erklärt Dieter Buchhart. Zu einer Zeit voll kreativen Umdenkens und künstlerischer Umtriebigkeit, die jedoch überschrieben war mit einer getrübten Wahrnehmung der Gegenwart und einem durchaus pessimistischen Ausblick in die Zukunft: Apartheid und Umweltzerstörung, der massenmediale Overkill, die atomare Bedrohung durch den Kalten Krieg und die Angst vor der Großteils noch mysteriösen und stets tödlichen Krankheit Aids bewegte die Menschen und die Kunst. Er machte seine letzten Subway-Zeichnungen, die ihm Kultstatus verliehen hatten, und trug sich mit dem Gedanken, den Pop-Shop zu gründen, in dem er seine Kunst, für alle erschwinglich, verbreiten wollte.“

Buchhart ist sich sicher: „Sein Pop-Shop, den schon Leo Castelli als Gesamtkunstwerk verstanden hatte, wäre spätestens auf der Documenta 1997 als kritisches Werk gegen Kapitalismus und für die Demokratisierung der Kunst wahrgenommen worden“. Damals jedoch hätte die alteingesessene Kunstszene diesen Weg Harings noch als zu populistisch empfunden. „Haring war äußerst skeptisch gegenüber den neuen Massenmedien von der VHS bis zum PC. Gleichzeitig nutzte er sie jedoch für die Verbreitung seiner Kunst: Es gab für Haring nichts Schlechtes per se, es kam für ihn auf den richtigen Umgang mit den neuen Möglichkeiten an.“

Der ungebrochene Bann

Keith Harings Einfluss ist auch heute noch deutlich spürbar. Die Popularität ist ungebrochen. Warum das so ist? „Sein Werk ist weiterhin höchst brisant. Sowohl in seiner Bildsprache als auch wegen seiner Themen. Sein sozialkritisches Agieren hat in den wenigen Jahren seit seinem Tod kein bisschen von seiner Aktualität verloren“, fasst der Kurator der Ausstellung zusammen. Haring beeinflusse bis heute auch die jüngste Generation von Künstlern von Street Art bis hin zur Malerei.

Er besäße die Fähigkeit, Objekte und Figuren in einfachen umrissenen Linien unglaublich schnell zu erfassen und eine beliebig große Fläche ohne Vorzeichnung zu bemalen. „Dabei griff er die virulenten Themen seiner Zeit auf, ohne selber Parteipropaganda zu betreiben“, so Dieter Buchhart. „Er ließ sich nicht vereinnahmen, sondern wählte seinen ganz eigenen persönlichen und künstlerischen Weg zu den brennendsten Fragen seiner Zeit. Dass er so zum Beispiel kaum Titel für seine Werke wählte, zeigt schon, dass er keine eindeutigen Aussagen treffen wollte, sondern dem Betrachter seiner Kunst Freiheiten zur eigenen Interpretation ließ. Dabei übersetzte er die intensive Auseinandersetzung mit den großen Fragen seiner Zeit in seinem einzigartigen künstlerischen Stil. Kein anderer Künstler fand eine derart deutliche, neue Sprache aus Symbolen, Zeichen und Icons wie Haring.“

Die Ausstellung

Dieser neuen Sprache können die Besucher seit dem 1. Mai in der Kunsthalle München folgen. Der Fokus der Ausstellung, die über 160 Leihgaben umfasst, liegt auf den politischen und sozialkritischen Aspekten in Harings Lebenswerk. Buchhart erklärt dazu: „Die Ausstellung hat sowohl eine chronologische als auch eine thematische Abfolge. Zu Beginn sieht man ganz deutlich, wie Haring in seinen früheren Zeichnungen und Storyboards nicht nur seinen Stil und seine so typischen Icons entwickelte, sondern auch, welche Themen für seine spätere Arbeit zentral werden würden. Seine durchgehende Beschäftigung mit all dem, was ihm wichtig war, wird dann anhand von thematischen Räumen gezeigt; bis hin zu seinen letzten Werken.“

Wie mutig Haring in seiner Arbeit war, zeigt unter anderem das Werk „Silence = Death“ [Schweigen = Tod]. „Das rosa Dreieck übernahm Haring von dem sogenannten Rosa Winkel. Dieser wurde in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern – so also auch in dem von München wenige Kilometer entfernten KZ Dachau – als Kennzeichen für Homosexuelle verwendet. Nach 1945 wurde der Winkel in Homosexuellenbewegungen als Protestsymbol genutzt. Die Adaption einer solch grauenhaften Symbolik in seinem Werk in Kombination mit dem implizierten Aufruf, die Geschichte nicht zu vergessen und mündig zu werden, macht dieses Werk einzigartig“.

Wer noch immer nicht ganz davon überzeugt ist, die Ausstellung sehen zu müssen, dem gibt Kurator Dieter Buchhart einen Ratschlag mit auf den Weg: „Harings Kunst ist nur live wirklich zu erleben. Erst, wenn man den Originalen gegenübersteht, wird man sich ihrer Materialität bewusst. Erst dann erkennt man die gezielt gesetzten Drips, die vielen Schattierungen und Harings rasanten Pinselstrich. All das ist nicht auf dem Bildschirm, nicht auf Plakaten oder auf T-Shirts gedruckt zu erleben.“

 

Die Ausstellung „Gegen den Strich.“ ist vom 1. Mai bis 30. August 2015 in der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung (Theatinerstraße 8, 80333 München) zu sehen.

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