Eispreis
17.08.2015
Tipp

Kugel Eis

Der Preis vom Eis: Darum darf die Kugel 1,50 Euro kosten

Was eine Packung Kaffee vor 40 Jahren gekostet hat, wissen die Wenigsten. Die 20 Pfennig aber für die Kugel Eis in der eigenen Kindheit können die Älteren im Schlaf aufsagen – und fühlen sich kalt erwischt im Sommer 2015: Bis zu 1,50 Euro kostet aktuell eine Kugel italienisches Eis an den Gelaterias in München und Hamburg. Doch der Preis ist gerechtfertigt – und vor allem bei einer Verbrauchergeneration längst akzeptiert.

Er schmeckt nach Espresso und Chili oder nach weißer Schokolade mit Walnüssen, der Eissommer 2015. Vorausgesetzt, man zahlt dafür. Damit sind nicht die kalorischen Kosten gemeint („Once on the lips, forever on the hips“), sondern der Preis für eine Kugel handgemachtes Eis: von einem Euro in kleineren Städten bis zu 1,50 Euro und mehr in Hamburg, München oder Köln. Mancher Eisliebhaber empfindet das als übertrieben und schwelgt in Zeiten, als 20 Pfennig reichten, um sich beim Italiener um die Ecke eine Kugel ins Hörnchen drücken zu lassen.

Handwerkliches Traditionsprodukt

Annalisa Carnio, Sprecherin der Union der italienischen Speiseeishersteller in Deutschland (Uniteis) kennt die alljährliche Diskussion um den Eispreis. „In Deutschland hat italienisches Eis noch immer das Image eines billigen Produkts“, sagt Carnio. „Italienisches Eis ist jedoch ein handwerkliches Traditionsprodukt mit frischen Zutaten von lokalen Lieferanten.“ Vorgefertigte Industrieprodukte oder gar künstliche Aroma- und Farbstoffe kämen den Eismachern von Uniteis schon gar nicht in die Tüte, so die Pressereferentin. „Dieses handwerkliche Ethikgebot hat einfach seinen Preis.“

Höhere Wahrnehmung der Inflation

Doch die handwerkliche Qualität ist nur ein Faktor, der den Eispreis bestimmt. Hinzu komme laut Carnio, dass in den vergangenen Jahren die Kosten für Strom, Personal und Zutaten deutlich gestiegen seien. Eine Entwicklung, die Ökonomen auch im Sommer 2015 beobachten: „Zusätzliche Treiber im Juni waren höhere Kosten für Nettokaltmieten (+ 1,2 %) und Verpflegungsdienstleistungen in Restaurants, Cafés und beim Straßenverkauf (+ 3,1 %)“, sagt Andreas Rees, Deutschland-Chefvolkswirt der UniCredit. Insbesondere bei Produkten wie Eis, die man bar bezahle wie früher, schmerzen solche Preiserhöhungen im Alltag besonders. Ökonomen wie Rees sprechen dann von „gefühlter“ Inflation. Diese sei bei Gütern des täglichen Bedarfs stärker ausgeprägt als bei höheren Beträgen, die monatlich abgebucht würden. Hinzu komme der Effekt, dass sich das Gefühl für einen angemessenen Preis schon in jungen Jahren ausbilde.

Preis nicht mehr Maß der Dinge

Was viele bei ihren Preisvergleichen vergessen, sei die Größe der Eiskugel damals und heute, so Annalisa Carnio. „1970 wog eine Kugel Eis etwa 27 Gramm und kostete 20 Pfennig. Mittlerweile bringt eine Kugel zwischen 80 und 110 Gramm auf die Waage und kostet durchschnittlich 1 Euro und 1,10 Euro.“ Dass die Verbraucher deshalb weniger Eis essen, könne Carnio nicht bestätigen. Im Gegenteil: In der Branche der Speiseeis-Hersteller wachse die Gruppe wertorientierter Konsumenten rasant. „Frisches Obst, Milch und Sahne vom Biobauern aus der Region – die Kunden erhalten in den 2.200 bei Uniteis organisierten Eisdielen ein Traditionsprodukt, das aus regionalen Zutaten besteht und frisch für sie zubereitet wird.“

Carnio bestätigt damit Beobachtungen von Verbraucherorganisationen, wonach immer mehr Konsumenten ihr Geld für anspruchsvolle und werthaltige Produkte ausgeben. Außerdem, so die Sprecherin, gäbe es in Deutschland immer noch das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für eine Kugel frisch hergestelltes Eis: „In Frankreich und Italien kostet die Kugel zwischen 2 Euro und 2,50 Euro. In Spanien beginnen die Preise bei 2,80 Euro und können gut und gerne 4 Euro erreichen, je nachdem, wo die Eisdiele liegt“, sagt Carnio. „Von der Schweiz und Belgien wollen wir den Preis gar nicht wissen, sonst wären wir bei der Bestellung sprachlos.“

Fünf Fakten über Eis in Deutschland

  1. Vanille, Schokolade und Stracciatella sind 2015 die drei beliebtesten Sorten hierzulande.
  2. 110 Kugeln Eis schleckt jeder Bundesbürger im Jahr.
  3. Auf der Rangliste der Wie-esse-ich-mein-Eis-Typen belegen die Schlecker den ersten Platz. Danach kommen die Löffler, gefolgt von den Beißern und Rührern, die das Eis solange im Becher vermischen, bis es sämig ist.
  4. 9.000 Eisdielen gibt es in Deutschland, 3.300 davon produzieren selbst.
  5. Der Begriff Eis-„Diele“ stammt aus der Anfangszeit des Speise-Eises in Deutschland. Im 19. Jahrhundert verkauften italienische Einwanderer ihr Eis vom Pferdewagen oder ihrem Haus aus. Damit die Kunden einfacher an die hochgelegenen Ausgabefenster herankamen, legten sie Dielenbretter davor.

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