09.01.2015

makerist

Neue Start-up-Masche: Handarbeitskurse im Netz

Stricken, Häkeln, Nähen – Selbermachen ist wieder Trend! Immer mehr Deutsche greifen zu Nadel und Faden und verwirklichen sich auf kreative Weise. Praktische Tipps und Inspiration dafür gibt es nun auf makerist.de – Europas erster Online-Plattform mit Video-Anleitungen für verschiedene Handarbeitsformen.

Als Kind wollte sie kaum jemand tragen: Omas selbstgehäkelte Mützen, kratzige Pullover und selbstgenähte Karnevalskostüme. Geschenke dieser Art waren altbacken und wurden oft direkt in die hinterste Ecke des Kleiderschranks verbannt. Heute ist das anders. Großmutters Handarbeitskünste erfreuen sich neuer Beliebtheit, und junge Menschen werkeln plötzlich sogar selbst gerne mit Wolle, Garnen und Stoffen. Amber Riedl, nähbegeisterte Online-Spezialistin und eine von insgesamt sieben Gewinnerinnen des HVB Gründerinnen-Mentoring, nutzt diesen Trend für ein innovatives Business: Auf makerist.de bietet sie zusammen mit ihrem Geschäftspartner Axel Heinz digitale Kurse an, in denen Handarbeitstechniken Schritt für Schritt erklärt werden.

Digitale Handarbeitsschule mit Materialversand

„Wir sind eine Online-Schule für verschiedene kreative Hobbys. Zunächst lag unser Fokus auf Nähen, weil wir dort das größte Potenzial gesehen haben. Mittlerweile können unsere User bei uns aber auch  Stricken, Häkeln und Torten dekorieren lernen“, erklärt Riedl das Kursangebot von makerist, das sich sowohl an Anfänger als auch fortgeschrittene Handarbeitsfans richtet. Das Start-up der gebürtigen Kanadierin bietet aber noch viel mehr: Ergänzend zu den Video-Tutorials gibt es im Webshop entsprechende Anleitungen zum Ausdrucken, Vorlagen für Schnittmuster sowie alle erforderlichen Utensilien. Je nach Wunsch werden Stoffe, Wolle und Zubehör einzeln verschickt oder in passend zusammengestellten Materialboxen in die private Handarbeitsstube geliefert. „So können sich die Leute ganz auf ihre Kreativität konzentrieren, ohne sich Gedanken über das Wie und Womit zu machen“, beschreibt die Berliner Gründerin ihr Konzept.

Kursbelegung jederzeit und überall

Ein weiterer praktischer Pluspunkt von makerist: Die Online-Tutorials können nach der entsprechenden Kursbuchung jederzeit und für eine unbegrenzte Dauer angesehen werden. Und zwar überall. Sowohl zu Hause auf dem Computer als auch unterwegs auf mobilen Endgeräten. Verglichen mit herkömmlichen Handarbeitskursen stellen die Angebote von makerist in Riedls Augen damit eine interessante Alternative dar: „Nähschulen gibt es nicht überall, und falls doch eine in der Nähe ist, muss man sich auf einen bestimmten Kurstermin festlegen. Das ist für viele Menschen schwierig.“ Sie selbst sei das beste Beispiel: „Für mich wäre der Besuch in einer Nähschule unmöglich mit zwei Kindern und einem Job, der viel von mir fordert. Mit unseren Videos kann man Kurse hingegen dann machen, wann es am besten passt.“

User-Treff in der Werkschau

Trotz der virtuellen Distanz ist bei makerist sogar der direkte Kontakt mit den professionellen Kurstrainern möglich. „Es gibt bei jedem Kurs ein Feature, über das die User den Trainern Fragen stellen können. Wenn sie wollen, können sie auch ein Bild mitschicken“, veranschaulicht Riedl das Prinzip. Bei einem falschen Stich ins Nähkissen oder einer verlorenen Masche wird also kein User allein gelassen. In der sogenannten Werkschau besteht für die User darüber hinaus Gelegenheit zum Austausch mit Gleichgesinnten. Dort können sie kostenlos Fotos von ihren fertigen Kreationen zeigen und Rückmeldungen sowie kreative Inspiration von anderen Handarbeitsfans erhalten.

Gründerteam mit klaren Vorstellungen

Bereits eineinhalb Jahre nach ihrer Gründung bietet die Handarbeitsplattform ihren Usern damit eine breite Angebotspalette. Möglich wurde dies insbesondere durch die übereinstimmenden Business-Vorstellungen von Amber Riedl und ihrem Co-Founder Axel Heinz: „Wir haben uns im Gründerteam abgesprochen und hatten eine ziemlich ähnliche Vision für die Firma. Deshalb konnten wir schnell mit unserem Projekt beginnen“, blickt Riedl zurück. Die beiden Berliner strickten ihr Konzept jedoch nicht mit heißer Nadel: „Wir wollten erst einmal das Interesse unserer Zielgruppe herausfinden. Noch bevor wir die Website gebaut und den ersten Videokurs gedreht haben, gründeten wir deshalb ein paar Facebook-Gruppen,“ erklärt Riedl und öffnet das Nähkästchen noch weiter: „Bereits nach dem ersten Wochenende hatten wir 5.000 Fans. Da wussten wir, dass ein Bedarf für unser Produkt besteht.“

Speziell für Männer: Grillen, Holzarbeit und Fotografieren

Heute wird diese Einschätzung vorwiegend von weiblichen Nutzern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bestätigt. Angesprochen werden sollen zukünftig aber auch mehr Männer. Für 2015 plant Riedl deshalb nicht nur die Neueinführung von Stick-, Bastel- und Patchwork-Kursen, sondern erstmals auch Angebote in den Bereichen Grillen, Holzarbeit und Fotografie. Die endgültige Entscheidung über das zukünftige Kursprogramm überlässt sie allerdings ihren Usern: „Was es genau sein wird, ist noch offen. Darüber soll unsere Community abstimmen“.

Die Vereinbarkeit von Start-up und Familie

Unterstützung für die Weiterentwicklung ihres Start-ups erfährt Amber Riedl derzeit aber auch von anderer Stelle: im HVB Mentoring-Programm für Gründerinnen. Sechs Monate lang erhält sie sowohl wertvolle Business-Tipps als auch Gelegenheit zum Aufbau nützlicher Kontakte. Eine vielversprechende Perspektive für die Berlinerin: „Bisher hatte ich keine Zeit fürs Networking. Das wird mit so einem Programm erleichtert“. Persönlich als Mentorin zur Seite stehen wird ihr Nina Hugendubel, geschäftsführende Gesellschafterin von Hugendubel und Mitglied im HVB Frauenbeirat. Für Riedl eine gute Gelegenheit für einen Erfahrungsaustausch in puncto Familie und Beruf: „Ich will von meiner Mentorin lernen, wie man Unternehmensführung und Familienleben erfolgreich vereinbaren kann.“ Anderen Frauen will sie damit ein gutes Beispiel sein. „Ich will zeigen, dass es als Frau tatsächlich möglich ist, ein Unternehmen zu führen und eine Familie zu haben“, beschreibt sie ihre Ambition und ergänzt: „Es funktioniert, wenn man bereit ist, alles zu geben und auf beiden Seiten Kompromisse einzugehen.“

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