Martin_Zingsheim
15.11.2017
Interview

Martin Zingsheim

Martin Zingsheim: „Wir wissen im Grunde über fast alles fast nix“

Er mischt Wortwitz mit Sarkasmus und balanciert dabei von einer Pointe zur nächsten: Martin Zingsheim ist ein Kabarettist der Extraklasse. Sowohl dem Publikum als auch Kritikern gefällt das: 2014 gewann er den Jugend kulturell-Förderpreis der HypoVereinsbank. Zwischen Auftritten im Fernsehen, bekannten Kabarettbühnen und in Erwartung auf die Geburt seines vierten Kindes trafen wir ihn zum Interview – und haben dabei herzlich gelacht.

Wie entwickeln Sie eigentlich Ihre Programme, Ihre Themen? Wann entstehen einzelne Pointen?

Das geht glücklicherweise immer und überall – häufig habe ich den Eindruck, dass nicht ich die Ideen, sondern die Ideen mich finden. Mein soziales Umfeld erträgt es mit Fassung, wenn ich mir mitten im Gespräch plötzlich eine witzige Notiz ins Handy tippe oder im Bordrestaurant der Deutschen Bahn lauthals lachend nach Stift und Zettel frage. Kreativität ereignet sich meist überraschend und rasend schnell, deshalb spricht man wohl auch von Geistesblitzen und nicht von Mentaldepeschen.

TIPP: Auf einen Abend mit Martin Zingsheim

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Ihre Programme sind geprägt von reichlich Wortwitz, Musikstücken und dann und wann auch ein wenig Sarkasmus. Welche Botschaften geben Sie Ihrem Publikum mit auf den Weg?

Fertige Botschaften im Sinne von daher gepredigten Belehrungen und moralischen Patentrezepten sind ja furchtbar und zudem herzlich langweilig. Ich finde, Kabarett ist die angenehmste Form zwei Stunden lang Skepsis und Neugier im Kollektiv auszuleben. Vielleicht ist das ja die einzige Zingsheim-Botschaft: Die Welt und wir alle sind bei genauerer Betrachtung höchst sonderbar und wir wissen im Grunde über fast alles fast nix, da sollte man sich selber auch nicht allzu ernst nehmen.

Sie haben Musikwissenschaft, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft sowie Philosophie studiert, haben sogar promoviert. Wie ist es zu ihren ersten Gehversuchen in Sachen Kabarett gekommen?

Schlechter Umgang. Ich habe in Bonn beim Springmaus-Improtheater mitgemacht, dort den großartigen Sebastian Pufpaff kennengelernt, der mich als Pianist im Ensemble „Das Bundeskabarett“ mit auf Tournee nahm. So bin ich in die Humorszene gewissermaßen abgerutscht wie andere in die Drogenszene. Klasse, da hätte ich mir das lange Studium auch einfach mal sparen können, was?

„Wir wissen im Grunde über fast alles fast nix, da sollte man sich selber auch nicht allzu ernst nehmen.“

Haben Sie berufliche Vorbilder? Gibt es Kabarettisten, die Sie begeistern oder begeistert haben?

Ich bin überglücklich, vorbildfrei und daher jeden Tag ergebnisoffen leben zu können. Natürlich gibt es Kollegen wie Timo Wopp oder Till Reiners, die ich sehr bewundere, aber eben dafür, dass sie ausschließlich ihr eigenes Ding künstlerisch durchziehen. Das wünsche ich mir für mich selber auch. Gerne lebenslänglich.

Ein Abend mit Martin Zingsheim in drei Worten:

Wahnsinn, aber nett.

ZUR PERSON: Martin Zingsheim

Der 33-jährige Kabarettist aus Köln entwuchs nach seinen ersten kabarettistischen Auftritten schnell der Kleinkunstszene und eroberte Radio und Fernsehen. Er ist bei Publikum und Kritikern gleichermaßen beliebt und heimste zahlreiche Kabarettpreise ein.

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